Neue EU-Strategie für den atlantischen Raum

Vom Meeresbergbau über Offshore-Aquakulturen bis zu Wind-, Wellen- und Gezeitenkraftwerken - die EU-Kommission will die wirtschaftlichen Potenziale des Atlantiks besser nutzen.

Die französische Atlantikküste. Von hier aus ist es noch verdammt weit bis zum anderen Ufer. © Roberta M  / PIXELIO
Die französische Atlantikküste. Von hier aus ist es noch verdammt weit bis zum anderen Ufer. © Roberta M / PIXELIO

Vom Meeresbergbau über Offshore-Aquakulturen bis zu Wind-, Wellen- und Gezeitenkraftwerken – die EU-Kommission will die wirtschaftlichen Potenziale des Atlantiks besser nutzen.

Die EU-Kommission hat die neue Meeresstrategie für Wachstum und Beschäftigung im atlantischen Rauman angenommen. Wie die Brüsseler Behörde am Freitag mitteilte, wird EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki die Agenda am 29. November auf der Atlantik-Konferenz in Lissabon vorstellen. Für 2013 ist ein Aktionsplan zur Umsetzung geplant. Damanaki erklärte: "Europa braucht dringend neue, vorausschauende Maßnahmen für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum in einer neuen emissionsarmen ‚blauen Wirtschaft‘." Für neu entstehende maritime Industrien bestünden viele Möglichkeiten, zu einem der Grundpfeiler der Strategie Europa 2020 für Wachstum und Beschäftigung zu werden. 

Die Kommission ruft nationale, regionale und lokale Behörden, Industrie, Zivilgesellschaft und Think Tanks auf, ihr Fachwissen und ihre Ideen in den Aktionsplan einfließen zu lassen. Hierzu startet 2012 das "Atlantik-Forum" im Internet. Die neue Strategie wird im Rahmen der integrierten Meerespolitik der EU entwickelt. Das EU-Parlament hat Mitte November 40 Millionen Euro für die integrierte EU-Meerespolitik bewilligt, in deren Rahmen auch Strategien für die Ostsee, die Arktis und den Mittelmeerraum formuliert werden.

Blaues Wachstum – Kommission sieht Potenziale

Die EU-Kommission drängt darauf, die wirtschaftlichen Potenziale des Atlantik-Raums besser zu nutzen, beispielsweise die Wind-, Wellen- und Gezeitenenergie. Schätzungen zufolge könnten bis 2020 rund 20 Prozent der Offshore-Windkapazität Europas im Atlantik stehen.

Auch der Meeresbergbau soll ausgweitet werden, um einen Teil der EU-Nachfrage nach Rohstoffen zu stillen. In der Studie "The abundance of seafloor massive sulfide deposits" (Oktober 2011) analysieren Geologen mögliche Metall-Fördermengen in den Ozeanen. Die maritimen Vorkommen "können Minen an Land auf keinen Fall ersetzen", erläutert Mitautor Sven Petersen vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). 

Zudem sieht die EU-Kommission Wachstumschancen im Bereich Offshore-Aquakultur. Der Meeresbiologe Bela Buck vom Institut für Marine Ressourcen in Bremerhaven erläutert in einem NDR-Fernsehbeitrag (7. August 2011), warum es sinnvoll ist, Aquakulturen draußen auf dem offenen Meer anzusiedeln.

Von Seiten der Kommission heißt es, die Aquakultur könne durch die maritime Raumplanung gefördert werden, da diese Investoren größere Rechtssicherheit gebe und Streitigkeiten über Meeresraum verhindere. Außerdem könne das europäische maritime Beobachtungs- und Datennetzwerk (EMODNet) Meeresdaten liefern, die für fundierte Entscheidungen unerlässlich sind.

Hintergrund

Die Küsten und Gewässer unter der Hoheit oder Gerichtsbarkeit von fünf EU-Mitgliedstaaten (Frankreich, Irland, Portugal, Spanien und Vereinigtes Königreich sowie deren überseeische Gebiete, d. h. Azoren, Kanarische Inseln, Französisch-Guayana, Guadeloupe, Madeira, Martinique, St. Barthélemy und St. Martin) sowie internationale Gewässer fallen in den Anwendungsbereich der Strategie.

Red.

Links

EU-Kommission: Integrierte Meerespolitik der EU

EU-Kommission: Meerespolitik: neue Strategie für Wachstum und Beschäftigung im atlantischen Raum. Pressemitteilung (25. November 2011)

EU-Kommission: Entwicklung einer Meeresstrategie für den atlantischen Raum. KOM (2011) 782 endgültig (21. November 2011)

Atlantik-Konferenz Lissabon: Internetseite

EU-Parlament: "Parlament segnet 40 Millionen Euro für integrierte EU- Meerespolitik ab." Pressemitteilung (17. November 2011)

EMODnet: Hydrography portal 

Presse

NDR: Rückschau: Offshore-Aquakultur im Windpark (7. August 2011)

IFM-GEMAR: Tiefseebergbau: Eine Chance für die Zukunft? Pressemitteilung des Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (21. November 2011)

GEOLOGY: The abundance of seafloor massive sulfide deposits Geology (Dezember 2011)

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de:

Eine europäische Innovationsstrategie für Rohstoffeffizienz (23. November 2011)

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Verlängerung des EU-Marokko Fischereiabkommens "skandalös" (14. November 2011)

EU: Ressourceneffizienz vs. Wettbewerbsfähigkeit? (30. September 2011)

Ressourceneffizienz: Wirtschaftliche Aktivitäten unter Öko-Vorbehalt? (20. September 2011)

Ressourcenschonendes Europa. LinkDossier