Neuer Rückenwind für Macron
Im Rennen um die französische Präsidentschaft steigen die Chancen des unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron.
Im Rennen um die französische Präsidentschaft steigen die Chancen des unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron.
Der in den vergangenen drei Wahlen angetretene bürgerliche Politiker Francois Bayrou erklärte am Mittwoch seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur und schlug Macron ein Bündnis vor. Dieser nahm das Angebot umgehend an. Umfragen zufolge hätte Bayrou mit fünf bis sechs Prozent rechnen können. Mit diesen Stimmen könnte Macron sich vom Kandidaten der Konservativen, Francois Fillon, absetzen und ginge als Favorit in eine Stichwahl gegen die Chefin des rechtsextremen Front National (FN), Marine Le Pen.
Die französische Demokratie sei in Gefahr, sagte Bayrou, der als proeuropäisch gilt. Er bezeichnete seine Entscheidung als Opfer, das er bringe. „Wir befinden uns in einer extrem riskanten Lage und um diese außergewöhnliche Lage anzugehen, brauchen wir eine außergewöhnliche Antwort“. Die Konservativen unter Fillon würden von Skandalen erschüttert und die Sozialisten befänden sich in einem vollkommenen Durcheinander. Macron sagte, er akzeptiere die Bedingungen Bayrous für ein Bündnis und kündigte für Donnerstag ein Treffen mit ihm an. Details der Absprache wurden nicht öffentlich.
Fillon galt bis Ende Januar als klarer Favorit, die Stichwahl zu gewinnen und in den Elysée-Palast einzuziehen. Doch im Zuge einer Affäre um mutmaßliche Vetternwirtschaft war er zurückgefallen. In den Ermittlungen geht es um die Beschäftigung von Fillons Frau Penelope. Dem früheren Ministerpräsidenten wird vorgeworfen, sie nur zum Schein als Assistentin angestellt zu haben. Dennoch habe Penelope Hunderttausende Euro aus der Staatskasse kassiert. Fillon räumt die Zahlungen ein, verteidigte sie aber als legal.
Auch Le Pen, die den Umfragen zufolge die erste Wahlrunde für sich entscheiden dürfte, sieht sich mit einem Finanzskandal konfrontiert. Die Polizei verhörte am Mittwoch ihren Leibwächter und ihre Stabschefin. Das Europäische Parlament fordert von Le Pen die Rückzahlung von fast 300.000 Euro. Die FN-Chefin soll beiden zu hohe Gehälter bezahlt haben.
Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop/Fiducial vom Mittwoch kann Le Pen im ersten Wahlgang am 23. April mit 26,5 Prozent, Macron und Fillon können jeweils mit 19 Prozent rechnen. In der Stichwahl am 7. Mai würden sich jedoch sowohl Macron als auch Fillon klar gegen die Rechtspopulistin durchsetzen.