Oettinger will EU-weiten Einspeisetarif für Wüstenstrom
EU-Energiekommissar Günther Oettinger will den EU-Energieministern einen einheitlichen Einspeisetarif für nordafrikanischen Solarstrom vorschlagen. Seit in Deutschland die Kosten für die Ökostrom-Einspeisung explodieren, ist die Debatte nicht ganz einfach.
EU-Energiekommissar Günther Oettinger will den EU-Energieministern einen einheitlichen Einspeisetarif für nordafrikanischen Solarstrom vorschlagen. Seit in Deutschland die Kosten für die Ökostrom-Einspeisung explodieren, ist die Debatte nicht ganz einfach.
"Eine europaweit harmonisierte Einspeisevergütung nach dem Muster des Erneuerbare Energien Gesetzes in Deutschland wäre ein sinnvolles Instrument, um Desertec voranzubringen", sagte Oettinger laut Welt Online (27. Oktober 2010) auf der Jahrestagung der Desertec Industrial Initiative (Dii) in Barcelona. Die Desertec-Initiative sei als Hilfe bei der Erfüllung der europäischen Ausbauziele für erneuerbare Energien "hochwillkommen".
Bislang bleibt offen, wie und in welchem Maß das Wüstenstromprojekt Desertec gefördert wird. Kritiker fürchten hohe Kosten für die öffentliche Hand und den Verbraucher. "Wir werden anders vorgehen als bei der Einspeisevergütung für regenerativen Strom, die in Deutschland zeitlich unbegrenzt zu sein scheint", äußerte jüngst Paul van Son, Geschäftsführer der Desertec Industrial Initiative (DII), im F.A.Z.-Interview. Unterstützung dürfe es nur in einem überschaubare Zeitraum geben. "Das Geschäftsmodell muss darauf basieren, dass die Förderung im Laufe der Zeit sinkt."
Die EU-Richtlinie zur Förderung Erneuerbarer Energien liefert bereits die Grundlage für die Einspeisung von Wüstenstrom ins europäische Netz. Die Direktive (2009/28/EG) ermöglicht in Artikel 9 Ökostrom-Importe aus Nicht-EU-Staaten. "Die EU-Richtlinie zur Förderung von Erneuerbaren Energien ist ein wichtiger regulatorischer Hebel, um die Vision vom Strom aus der Wüste entscheidend voran zu bringen", so Van Son. Zu welchen Konditionen die EU-Staaten den Wüstenstrom abnehmen könnten, ist allerdings nicht geregelt. Die konkrete Förderpraxis ist bislang Sache der Nationalstaaten.
"Die Bundesregierung kann und sollte daran mitwirken, dass die Direktive auch nach 2020 dynamisch weiterentwickelt wird", schrieb Van Son jüngst in einem Brief an die Bundeskanzlerin (EURACTIV.de vom 27. August 2010). Deutschland garantiert heute mit Abstand die höchsten Abnahmepreise für Ökostrom. Die bisherige Förderung steht allerdings wegen der steigenden Kosten für den Verbraucher zunehmend in der Kritik.
Ob Oettinger nur mit Blick auf den Wüstenstrom ein einheitliches Vorgehen der EU-Energieminister wünscht, bleibt abzuwarten. Die europäische Harmonisierung der Ökostrom-Förderung liegt in weiter Ferne, erklärte der EU-Energieexperte Severin Fischer (IEP) jüngst im EURACTIV.de-Interview.
Rund 300 Teilnehmer aus den arabischen Ländern und Europa diskutierten bei der Konferenz den Stromimport aus der Wüste. Die Dii will bis 2012 auch Szenarien für die Gestaltung der Stromnetze und dazugehörige Investitionsvorschläge vorlegen.
awr
Presse
Welt: Oettinger will EU-weiten Einspeisetarif (27. Oktober 2010)
FAZ: Im Gespräch: Paul van Son. "Es wird ein Grab für uns alle, wenn wir nichts machen" (22. Oktober 2010)
EURACTIV.de: Desertec drängt ins Energiekonzept der Bundesregierung (27. August 2010)
EURACTIV.de: Transgreen – Desertec bekommt Gesellschaft (20. Mai 2010)
EURACTIV.de: Energiebericht – Deutschland verletzt EU-Pflicht (25. August 2010)
EURACTIV.de: Stromnetze – EU-Staaten verfehlen Ausbauziele (17. August 2010)
EURACTIV.de: Fischer: "Europäisches EEG ist unrealistisch" (10. August 2010)
EURACTIV.de: Oettinger drängt auf europäische Ökostromförderung (6. August 2010)
EURACTIV.de: Oettinger: "Wir brauchen ein europäisches EEG" (9. Juli 2010)
Informationen und Dokumente
BMWi: DESERTEC – Deutsche Wirtschaft engagiert sich für nachhaltige Energieversorgung (8. März 2010)
EU-Kommission: Die Europäische Energiestrategie 2011 bis 2020. Rede von Energiekommissar Günther Oettinger (30. Juni 2010)
EU-Kommission: Speech at the Presentation of Greenpeace/DLR – Study "Energy [R]evolution" on the future of European energy use (8. Juli 2010)
EU-Kommission: Transparenzplattform zu den Nationalen Energieaktionsplänen
EU: Richtlinie 2009/28/EG zur Förderung Erneuerbarer Energien
Energiewirtschaftliches Institut Köln (EWI): European RES-E Policy Analysis. A model based analysis of RES-E deployment on the conventional power market (26. April 2010)