Oxfam: Opfer des Klimawandels brauchen Flüchtlingsstatus

Oxfam hat einen Bericht über Klimaflüchtlinge veröffentlicht und fordert die rechtliche Anerkennung von Klimawandelauswirkungen als Fluchtgrund.

EURACTIV.fr
Fiji_island_climate_change_CREDIT[Brian_Flickr]
Auch das der COP23 vorsitzende Fidschi ist von Auswirkungen des Klimawandels wie steigenden Meeresspiegeln bedroht. [<a href="https://www.flickr.com/photos/bdearth/7499479144/" target="_blank" rel="noopener">[Brian/Flickr]</a>]

Während die COP23-Klimakonferenz in Bonn weitergeht, hat die NGO Oxfam einen beunruhigenden Bericht über Klimaflüchtlinge veröffentlicht. EURACTIV Frankreich berichtet.

Seit 2008 mussten jedes Jahr ungefähr 26 Millionen Menschen weltweit aufgrund von Umweltkatastrophen ihre Heimat verlassen. Im Jahr 2016 lag die Zahl bei 23,5 Millionen, heißt es im Oxfam-Bericht „Uprooted by climate change“, der vergangene Woche vorgestellt wurde.

In diese Zahlen sind allerdings nicht die Menschen eingerechnet, die aufgrund von „langsamen“ Katastrophen wie wiederkehrender Dürre und Wüstenbildung oder dem steigenden Meeresspiegel aus ihrer Heimat verdrängt werden.

Oxfam weist darauf hin, dass Menschen in Entwicklungsländern fünf Mal häufiger von Klima- und Umweltflucht bedroht sind als Menschen in Industrienationen, die größtenteils für den menschengemachten Klimawandel verantwortlich sind. Sich entwickelnde Länder dürften daher nicht mit den Auswirkungen des Klimawandels – „für die sie nicht verantwortlich sind“ – alleine gelassen werden.

Verheerende Auswirkungen

Der Inselstaat Fidschi, der derzeit den COP-Vorsitz innehat, registrierte im Jahr 2015 insgesamt 55.000 Klimavertriebene. Dieses Jahr wurde ein Fünftel der Ernte auf den Inseln durch Zyklon Winston zerstört.

Und Fidschi ist kein Einzelfall: In Südasien haben Monsun-Überschwemmungen tausende Menschen getötet und zwei Millionen weitere zur Flucht gezwungen. Der Hurrikan Irma, der im September die Karibik heimsuchte, war der stärkste im Nordatlantik registrierte Sturm seit den 1980er-Jahren.

„Nichtstun ist keine Option, wenn Millionen Leben gefährdet sind. Die gefährdetsten Länder setzen heute auf erneuerbare Energien und die ambitionierte Umsetzung von Eindämmungsstrategien,“ erklärt Armelle Le Compte, Chefin der Abteilung Klima bei Oxfam France. „Aber diesen Ländern fehlt das Geld. Entwickelte Länder müssen Verantwortung übernehmen und die Anpassungsmaßnahmen in gefährdeten Staaten finanzieren.

Fehlende Finanzmittel

Auch die Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder (least developed countries, LDCs) erklärte während der COP, die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels unterstrichen die Dringlichkeit, zu handeln: „Die von den Industrienationen zugesagten Unterstützungsgelder sind nicht ausreichend, um die LDCs beim Kampf gegen und bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen,“ schrieb die LDC-Gruppe in einem Blogeintrag. Auf der COP23 müsse mehr Solidarität gezeigt werden.

Der OECD-Ausschuss für Entwicklungszusammenarbeit will die Anspruchsvoraussetzungen für Entwicklungshilfegelder anpassen, sodass Länder und Inselstaaten eingeschlossen werden, die inzwischen nicht mehr auf der Liste der Empfängerstaaten sind, aber besonders von Naturkatastrophen und humanitären Krisen betroffen sind.

Bisher gibt es keinen offiziellen rechtlichen Schutz für Klimamigranten. Die Definition nach Artikel 1 der Genfer Konvention erkennt nur Menschen als Flüchtlinge an, die aufgrund ihrer Rasse, Religion, Nationalität, politischen Ansichten oder Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Gruppen verfolgt werden.

Oxfam fordert daher internationale Anerkennung und Schutz für Klimaflüchtlinge. Beim Treffen des Globalen Pakts der Vereinten Nationen (Global Compact on migration) kommendes Jahr sollten daher „Schutzmaßnahmen für Menschen vereinbart werden, die aufgrund von Naturkatastrophen und Klimaauswirkungen dazu gezwungen werden, Grenzen zu überqueren.“

Die NGO wies in ihrem Bericht insbesondere auf die Situation von Kindern und Frauen hin, die auf der Flucht größerer Gefahr von Gewalt ausgesetzt sind.