Patientenvertreter fordern mehr EU-Gelder für Forschung zu Long Covid
Patientenvertreter:innen haben von der EU gefordert, mehr Mittel für die Erforschung der Auswirkungen von Long Covid bereitzustellen. 17 Millionen Menschen sind EU-weit derzeit betroffen.
Patientenvertreter:innen haben von der EU gefordert, mehr Mittel für die Erforschung der Auswirkungen von Long Covid bereitzustellen. 17 Millionen Menschen sind EU-weit derzeit betroffen.
„Ohne Behandlung werden die Patient:innen niemals geheilt werden“, warnte die Long-Covid-Patientin Anne Li von der Patientenvereinigung Long COVID Europe auf einer von der Europäischen Kommission organisierten Konferenz am Dienstag (13. Dezember).
Einem am 13. September veröffentlichten Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge gibt es für die 17 Millionen Menschen in der EU, die an Long Covid erkrankt sind, derzeit kaum Aussicht auf Heilung.
Klinische Studien seien der Schlüssel, um Patient:innen in den Prozess einzubeziehen, betonte Li. Dies sei für den Fortschritt der wissenschaftlichen Forschung „von entscheidender Bedeutung.“
Die Patientenvereinigung fordert daher die Europäische Kommission auf, 500 Millionen Euro für die Finanzierung von Forschung und klinischen Versuchen bereitzustellen, um dem „gravierenden Mangel an Finanzmitteln“ Rechnung zu tragen. Die USA hatten für die Erforschung von Long Covid im März 2021 eine Milliarde Euro zugesagt.
Keine einheitliche Definition
Das Wissen über Long-Covid-Fälle sei nach wie vor gering, wie das Fehlen einer Standarddefinition zur Beschreibung der Krankheit zeigt, betonte die Generaldirektorin für Gesundheit, Sandra Gallina, auf der Veranstaltung.
Obwohl Long-Covid-Patient:innen in der Regel mehr als drei Monaten nach einem positiven Test Symptome wie Erschöpfung, Kurzatmigkeit, Unwohlsein nach der Anstrengung und Schmerzen verspüren, „können die Symptome von Person zu Person variieren oder sich verschlimmern“, sagte Li.
Peter Piot, Sonderberater der Europäischen Kommission, erklärte, man lasse „Patient:innen nicht im Stich“ und betonte, wie wichtig die Finanzierung von Forschung und klinischen Studien sei.
Piot zeigte sich „zuversichtlich“, dass die wissenschaftliche Forschung dazu beitragen könne, Long Covid zu verstehen, es bleibe jedoch noch viel zu tun.
„Es kann jeden treffen, in jedem Alter“, betonte er.
Auswirkungen aufs Berufsleben
Long Covid Patient:innen berichten auch von Beeinträchtigungen im Berufsleben.
Im Mai erarbeitete die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) eine Reihe von Empfehlungen für Patienten mit Long Covid.
Insbesondere empfahl die EU-Agentur, dass Menschen mit der Langzeiterkrankung nicht mehr als 70 Prozent ihrer Arbeitskapazität arbeiten sollten, da „Müdigkeit zu Rückfällen führen und die Genesung weiter verzögern“ könne.
„Dies deutet darauf hin, dass in den Unternehmen eine spezielle Politik oder zumindest eine ausdrückliche Anerkennung von Long Covid in den bestehenden Krankheitsurlaubsregelungen erforderlich ist“, so die Agentur weiter.
Es bestehe auch ein Bedarf an längeren Krankheitsurlauben, da die Genesung „aufgrund von Müdigkeit oder anderen Symptomen sehr langsam verlaufen kann“, fügte sie hinzu.
Für eine wirksame wissenschaftliche Forschung hofft der Sonderberater der Kommission, alle relevanten Akteur:innen einbeziehen zu können, darunter die Generaldirektion Gesundheit, die Gewerkschaften, die Akteure der sozialen Sicherheit und die neue EU-Agentur für die Vorbereitung auf gesundheitliche Notfälle, HERA.
„Wir fangen nicht bei Null an, aber wir können mehr und besser machen“, sagte er.
„Als Patient:innen haben wir keine Zeit zu verlieren. Millionen von Menschen fordern Sie auf, jetzt zu handeln“, so Li in ihren Schlussfolgerungen an die Kommission.
Lesen Sie den französischen Originalartikel hier.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]