Pfizer weicht Fragen zu mysteriösem SMS-Austausch mit von der Leyen aus
Bei einer Anhörung vor dem Covid-Ausschuss des EU-Parlaments am Montag wich eine Vertreterin des Pharmakonzerns Pfizer Fragen zur Undurchsichtigkeit der Kaufverträge für Impfstoffe mit der EU und zum SMS-Austausch des Konzerns mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aus.
Bei einer Anhörung vor dem Covid-Ausschuss des EU-Parlaments am Montag wich eine Vertreterin des Pharmakonzerns Pfizer Fragen zur Undurchsichtigkeit der Kaufverträge für Impfstoffe mit der EU und zum SMS-Austausch des Konzerns mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aus.
Der Sonderausschuss des Europäischen Parlaments für COVID (COVI-Ausschuss) hörte am Montag (10. Oktober) mehrere Pharmaunternehmen, darunter Pfizer, zu ihrer Rolle bei der Bewältigung der Pandemie an.
Die Abgeordneten zeigten sich enttäuscht darüber, dass der CEO von Pfizer, Albert Bourla, der ursprünglich an der Anhörung teilnehmen und Fragen beantworten sollte, nicht anwesend war. Er wurde durch Janine Small, die Regionalpräsidentin des Konzerns für den Bereich Impfstoffe und internationale Industrieländer, ersetzt.
Angesichts der Proteste der Abgeordneten im Saal sagte Small, dass sie Bourlas Abwesenheit „bedauere“, betonte jedoch, dass sie die „beste Person“ sei, um die Fragen zu beantworten.
„Ich glaube, er ist absichtlich nicht gekommen, weil er sich den Kontroversen nicht stellen wollte“, sagte die französische Europaabgeordnete und COVI-Mitglied Véronique Trillet-Lenoir gegenüber EURACTIV Frankreich.
Thema der Anhörung waren mehrere Kontroversen, allen voran die Undurchsichtigkeit der Verträge für den Kauf von COVID-19-Impfstoffen. Alle Fraktionen im EU-Parlament fordern, dass diese öffentlich gemacht werden sollen.
Pfizer sei „sehr transparent“ vorgegangen, alle Verträge seien „für die Abgeordneten zugänglich“, sagte dagegen Small.
Die öffentlich zugänglichen Versionen der Verträge sind jedoch teilweise geschwärzt.
„Wir haben es nie geschafft, die Produktionsstandorte herauszufinden, wir haben es nie geschafft, die Liefertermine zu bekommen“, sagte Trillet-Lenoir gegenüber EURACTIV.
Small erklärte, die Informationen seien aus „Wettbewerbsgründen“ vertraulich. „Das müssen Sie berücksichtigen“, sagte sie gegenüber den Abgeordneten.
„Wenn die Produktionsstätten in Indien angesiedelt sind, stellt sich die Frage nach dem Arbeitsrecht, der Sicherheit der Lieferungen, der Qualität der Produkte oder dem Umweltschutz“, so Trillet-Lenoir.
SMS zwischen Pfizer und von der Leyen
Mehrere Abgeordnete, darunter Sara Cerdas (S&D) und Michèle Rivasi (Grüne/EFA), verlangten während der Anhörung Erklärungen zum Austausch von Textnachrichten zwischen von der Leyen und CEO Albert Bourla.
Dabei geht es um Textnachrichten, die verschickt wurden, während die EU dabei war, Verträge über den Kauf von Impfstoffen gegen COVID-19 abzuschließen und sich gleichzeitig ein Konflikt mit dem Pfizer-Rivalen AstraZeneca abzeichnete.
Seitdem Journalist:innen die Existenz der Textnachrichten aufdeckten, hat die Kommission immer wieder behauptet, diese lägen ihr nicht vor, da man SMS nicht im internen Archiv aufbewahre. Seitdem haben die Abgeordneten des Europäischen Parlaments nach dem Inhalt der Nachrichten gefragt, die jedoch immer noch nicht gefunden worden sind.
Small versicherte den Abgeordneten, dass keine Verträge über Textnachrichten ausgehandelt worden seien.
„Jeder versteht, dass wir während der Pandemie alle von zu Hause aus gearbeitet haben“, sagte sie und fügte hinzu, dass der Vorstandsvorsitzende von Pfizer seine Mobiltelefonnummer in dieser Zeit mehrfach weitergegeben habe, um sich „weltweit auszutauschen“.
Im Juli hatte die Europäische Bürgerbeauftragte Emily O’Reilly die EU-Exekutive scharf kritisiert und den Fall der Textnachrichten als „administratives Missmanagement“ bezeichnet.
„Es ist nicht möglich, diese Verhandlungen über Textnachrichten zu führen“, da sie so komplex seien, argumentierte Small. „Der Vertrag folgte dem üblichen Verfahren“, betonte sie.
Aus Sicht von Trillet-Lenoir muss jedoch Pfizer, auch wenn es Millionen von Menschenleben gerettet habe, immer noch „berechtigte Fragen“ beantworten.
Die Vorsitzende hat deshalb entschieden, Bourla selbst erneut zu einer Anhörung zu laden.
Lesen Sie den Originalartikel auf Französisch hier.
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]