Pipeline-Betreiber: Russisches Gas fließt normal in die EU
Ungeachtet des Ukraine-Boykotts fließt russisches Gas nach Angaben des slowakischen Pipeline-Betreibers Eustream ohne Probleme über die Ukraine in die EU.
Ungeachtet des Ukraine-Boykotts fließt russisches Gas nach Angaben des slowakischen Pipeline-Betreibers Eustream ohne Probleme über die Ukraine in die EU.
„Eustream hat an der Verdichterstation in Velke Kapusany keinen Druckabfall oder ein sinkendes Gasvolumen aus Osten in Richtung Europäische Union festgestellt“, teilte der slowakische Pipeline-Betreiber am Dienstag auf seiner Internetseite mit.
Nach Angaben der Bundesregierung ist trotz der russischen Sperre von Gaslieferungen an die Ukraine die Versorgung Deutschlands nach Regierungsangaben derzeit nicht bedroht. „Eine Gefährdung der Versorgungssicherheit in Deutschland können wir auch durch die neue Entwicklung nicht erkennen“, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums am Montag in Berlin.
Die Ukraine hatte versichert, sie werde kein für Europa bestimmtes Transit-Gas aus den Pipelines für die eigene Versorgung abzweigen. Deutschland und die EU-Staaten insgesamt decken rund ein Drittel ihres Bedarfs aus Russland. Davon fließt etwa die Hälfte durch ukrainische Leitungen. Das übrige russische Gas nimmt den Weg über Weißrussland sowie den direkten Weg durch die Ostsee über die Nordstream-Pipeline.
Das Wirtschaftsministerium wies daraufhin, dass etwa Nordstream derzeit nur zu zwei Dritteln ausgelastet sei. „Engpässe könnten so unter anderem über die Nordstream-Pipeline über zusätzliche russische Mengen ausgeglichen werden“, sagte eine Sprecherin. Darüber hinaus wurden die Speicher in Deutschland in den letzten Monaten weiter gefüllt und sind nun zu drei Viertel voll. Dies reicht im Sommer für die Versorgung über mehr als drei Monate.
Die Ukraine, die mehr als die Hälfte ihres Gases aus Russland bezieht, hatte ihre Speicher mit Beginn des Streits um den Preis Anfang Mai massiv aufgestockt. Pro Woche wurden zuletzt mehr als 850 Millionen Kubikmeter in die Gaslager geleitet, etwas weniger als der Durchschnittsverbrauch im gleichen Zeitraum. Da dieser aber im Sommer geringer ausfällt, dürften die Reserven schon jetzt bis zum Winterbeginn reichen. Die Speicher des Landes sind jetzt nach den Winter- und Frühlingsmonaten wieder zu über 40 Prozent gefüllt.
Die Bundesregierung sieht trotz der Gas-Sperre weiter Chancen für eine Einigung in dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine. EU-Energiekommissar Günther Oettinger habe betont, dass die Gespräche umgehend wieder aufgenommen werden sollten, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Das ist für uns nicht das Ende der Verhandlungen, es ist noch Zeit.“ Oettinger versucht seit Wochen in dem Streit zu vermitteln.
Inmitten der Kämpfe mit von Russland unterstützten Separatisten im Osten des Landes will die Ukraine ihre Milliarden-Altschulden für Gas erst vollständig bezahlen, wenn es eine Regelung über den Preis künftiger Lieferungen gibt. Russland wiederum verlangt vor solchen Festlegungen erst eine Begleichung der Schulden.