Polen als Zufluchtsort: Entscheidungen ukrainischer Kriegsgeflüchteter

Veröffentlichte Daten der polnischen Zentralbank zeigen, dass die sich die meisten Entscheidungen der in Polen lebenden Ukrainer darum drehen, in Polen zu bleiben oder in die Ukraine zurückzukehren. Das Ende des Krieges ist ein ausschlaggebender Einflussfaktor.

EURACTIV.pl
Protesters hold a massive Ukrainian flag during the anti-war
19 Prozent der Kriegsflüchtlinge und zehn Prozent der Einwanderer aus der Zeit vor dem Krieg, hegen den Wunsch, länger in Polen zu bleiben, obwohl sie planen, irgendwann in die Ukraine zurückzukehren.

Veröffentlichte Daten der polnischen Zentralbank zeigen, dass die sich die meisten Entscheidungen der in Polen lebenden Ukrainer darum drehen, in Polen zu bleiben oder in die Ukraine zurückzukehren. Das Ende des Krieges ist ein ausschlaggebender Einflussfaktor.

Polen hat nach Kriegsbeginn in der Ukraine eine der größten Zahlen ukrainischer Kriegsflüchtlinge aufgenommen. 21 Prozent der ukrainischen Kriegsgeflüchteten äußerten den Wunsch, sich in Polen dauerhaft niederzulassen. Unter den Ukrainern, die vor Kriegsbeginn nach Polen kamen, gibt fast die Hälfte (48 Prozent) an, im Land bleiben zu wollen, wie aus den neuesten Berichten der Polnischen Nationalbank (NBP) hervorgeht.

Gleichzeitig zeigen die Daten, dass 19 Prozent der Kriegsflüchtlinge und zehn Prozent der Vorkriegsimmigranten länger in Polen bleiben möchten, obwohl sie eine Rückkehr in die Ukraine zu einem späteren Zeitpunkt planen.

„Im Vergleich zu früheren Berichten nimmt die Gruppe der Menschen, die sich über ihr zukünftiges Schicksal unsicher sind, nicht ab“, sagte Paweł Strzelecki, Experte der Statistikabteilung der polnischen Nationalbank (NBP) und einer der Autoren des Berichts.

Auch unter belarussischen Bürgern zeigt sich ein ähnliches Muster: 55 Prozent planen, länger als ein Jahr in Polen zu bleiben, während 13 Prozent nur vorübergehend verweilen, um später nach Belarus zurückzukehren. Ein wesentlicher Einflussfaktor ist dabei die polnische Herkunft vieler belarussischer Einwanderer. Viele von ihnen besitzen eine „Karta Polaka“ (einen Nachweis polnischer Abstammung) oder sogar die polnische Staatsbürgerschaft.

Das Ende des russischen Krieges bleibt der wichtigste Faktor für die Entscheidungsfindung ukrainischer Flüchtlinge. 59 Prozent der Kriegsflüchtlinge und 34 Prozent der Vorkriegsimmigranten nannten das Kriegsende als ausschlaggebend. Weitere wichtige Aspekte sind die hinterlassene Familie (20 Prozent der Geflüchteten und 21 Prozent der Vorkriegsimmigranten) sowie Schwierigkeiten bei der Jobsuche in Polen (19 Prozent bzw. 17 Prozent).

Bemerkenswert ist, dass nur wenige Ukrainer in Polen planen, in ein anderes Land zu ziehen. Nur zwei Prozent beider Gruppen gaben solche Absichten an. Die meisten Entscheidungen drehen sich darum, in Polen zu bleiben oder in die Ukraine zurückzukehren.

Für viele Ukrainer sprechen konkrete Vorteile für einen Verbleib in Polen. Finanzielle Stabilität ist für 47 Prozent der Kriegsflüchtlinge und 48 Prozent der Vorkriegsimmigranten ein entscheidender Faktor. Eine zufriedenstellende Arbeitsstelle nannten 34 Prozent der Geflüchteten und 37 Prozent der Vorkriegsimmigranten. Auch der Zugang zu angemessenem Wohnraum spielt eine Rolle, wenn auch in geringerem Umfang (15 Prozent bzw. 13 Prozent).

Belarussische Einwanderer wurden nicht spezifisch nach Faktoren gefragt, die sie zum Bleiben bewegen. Dennoch zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei den Ukrainern: Nur drei Prozent planen einen Umzug in ein anderes Land. Die Mehrheit konzentriert sich darauf, in Polen zu bleiben oder eines Tages nach Belarus zurückzukehren.

Seit Kriegsbeginn in der Ukraine ist Polen ein Hauptziel für Flüchtlinge, die vor dem Konflikt fliehen. Polen hat umfangreiche Maßnahmen zur Integration dieser Flüchtlinge ergriffen, darunter den Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und zum Arbeitsmarkt.

Bis Ende Mai 2024 hatten laut Eurostat etwa 4,3 Millionen Ukrainer einen vorübergehenden Schutzstatus in der EU. Fast 23 Prozent dieser Personen fanden in Polen Zuflucht.

[Bearbeitet von Jeremias Lin]