Polen benennt Kaliningrad um: Russland kritisiert Entscheidung scharf
Den Namen Kaliningrads durch Królewiec, den ursprünglichen Namen der Stadt aus dem Mittelalter, zu ersetzen, sei Wahnsinn, sagte der Kreml, nachdem die Entscheidung der polnischen Standardbehörde bekannt gegeben wurde.
Den Namen Kaliningrads durch Królewiec, den ursprünglichen Namen der Stadt aus dem Mittelalter, zu ersetzen, sei Wahnsinn, sagte der Kreml, nachdem die Entscheidung der polnischen Standardbehörde bekannt gegeben wurde.
1945 wurde die Stadt im Rahmen des Potsdamer Abkommens unter sowjetische Verwaltung gestellt und 1946 in Kaliningrad umbenannt, nach dem russischen Bolschewikenführer Michail Kalinin, einem der sechs sowjetischen Unterzeichner eines Befehls zur Hinrichtung von über 21.000 polnischen Kriegsgefangenen im Jahr 1940.
In ihrer am Dienstag veröffentlichten Bekanntmachung empfahl die polnische Kommission für die Standardisierung geographischer Namen (KSNG), statt Kaliningrad den Namen Królewiec zu verwenden, eine polnische Version des Namens, welche im 13. Jahrhundert vom Deutschen Orden, zu dem das Gebiet damals gehörte, an die neu gegründete Stadt vergeben wurde.
„Das ist nicht einmal mehr Russophobie, das sind Vorgänge, die an den Wahnsinn grenzen, der in Polen stattfindet“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow, zitiert von TASS.
Zur Begründung der neuen Empfehlung sagte die KSNG, die Stadt sei in Polen historisch unter ihrem ursprünglichen Namen Królewiec bekannt.
Eine so große Stadt in der Nähe Polens nach Michail Kalinin zu benennen, „einem Kriminellen“, der unter anderem für die Ermordung polnischer Offiziere im Wald von Katyn mitverantwortlich war, sei „künstlich und habe weder mit der Stadt selbst noch mit der Region zu tun.“
Als Grund für die Empfehlung wurden auch die aktuellen politischen Umstände angeführt. Die Kommission sagte, dass Russlands Einmarsch in der Ukraine und Moskaus Informationskriegführung eine erneute Diskussion über die von Russland auferlegten Namen auslösen sollten.
Zorn in Russland
Die Ersetzung des Namens der Stadt löste auch harsche Reaktionen des ehemaligen russischen Präsidenten und Premierministers Dmitri Medwedew aus. Sollte Polen der Name Kaliningrad nicht gefallen, sollten die Namen polnischer Städte, die zuvor von Deutschland besetzt waren, durch deutsche Namen ersetzt werden, sagte er, zitierte TASS.
Um einige Beispiele zu nennen, schlug er vor, den Namen Danzig statt Gdansk, Stettin statt Szczecin oder Breslau statt Worclaw zu verwenden und das Königreich Polen „als Teil der Russischen Föderation“ zu bezeichnen. Damit bezog er sich auf den Namen des Landes aus der Zeit, als Polen unter der Besatzung des Russischen Reiches stand, von 1815 bis zum frühen 20. Jahrhundert.
Die Entscheidung, Kaliningrad mit dem Namen Królewiec zu bezeichnen, ändere aus praktischer Sicht nichts, sagte der russische Botschafter in Polen, Sergej Andrejew, dem Fernsehsender Solowjow.
„Es gab in der Vergangenheit ähnliche Versuche“, den Namen zu ersetzen, wobei einige Politiker den Namen Królewiec verwendeten, auch wenn es kein offizieller Name war, fügte er hinzu.
„Wie auch immer Sie es nennen. Wenn ich nach Królewiec oder Królewiec Oblast‘ gefragt werde, sage ich, dass ich nicht verstehe, worauf sich die Leute beziehen“, sagte er.
Aber laut Regierungssprecher Dmitry Lyskov ist der offizielle Ortsname Kaliningrad, und alles andere sei eine Unterstellung, sagte er am Mittwoch gegenüber TASS.
Er fügte hinzu, dass Russland auch deutsche Namen polnischer Städte verwenden könnte, wie von Medwedew vorgeschlagen, aber sie respektieren die offiziellen Ortsnamen und verlangen, dass andere dasselbe tun.
Eine symbolische Veränderung
Nach Angaben des polnischen Ministeriums für Entwicklung und Technologie war die Ersetzung des Namens eine Initiative der lokalen Regierungen, die vom Entwicklungsministerium und dem Außenministerium unterstützt wurde, um zur traditionellen, historischen Nomenklatur der geografischen Namen zurückzukehren.
Die Änderung sei rein symbolisch und beziehe sich nicht auf die Landeszugehörigkeit, so das Ministerium in seiner offiziellen Ankündigung. Dennoch werden polnische Landkarten von nun an den Namen Królewiec tragen.
Im Gegensatz zu den Erklärungen der KSNG und des Entwicklungsministeriums bestritt Marcin Przydacz, der Leiter des Büros für internationale Politik des polnischen Präsidenten, jegliche politische Motivation für die Änderung.
Seit Hunderten von Jahren heiße die Stadt auf Polnisch Królewiec, sagte Przydacz und verwies den Kreml „auf die Grundlagen der Geschichte.“
Von kriegerischen Mönchen nach böhmischen König benannt
Die Stadt wurde Mitte des 13. Jahrhunderts an der Stelle der alten altpreußischen Siedlung Twangste von den Deutschordensrittern während der Nordkreuzzüge gegründet und zu Ehren von König Ottokar II. von Böhmen, der dem Deutschen Orden bei der Eroberung der Gebiete der preußischen Stämme half, Königsberg genannt.
Bis in die 1500er Jahre war die Stadt einer der Staaten des Deutschen Ordens, ein wichtiges städtisches Zentrum und zwischen 1457 und 1525 die Hauptstadt des Großmeisters des Ordens. Bis zum Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt unter preußischer und dann deutscher Verwaltung.
Nachdem die Sowjetunion Królewiec am 9. April 1945 eingenommen hatte, wurde es durch das Potsdamer Abkommen von 1945 unter sowjetische Verwaltung gestellt.