Polen ermittelt gegen YouTuber wegen Pädophilie

Der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki kündigte am Mittwoch an, dass gegen YouTuber ermittelt wird, die im Verdacht stehen, illegalen Kontakt zu minderjährigen Mädchen zu haben.

EURACTIV.pl
New,York,,Usa,,25.,May,2020:,Youtube,Online,Video-sharing,Platform
„Gestern haben wir die Geschichte eines Mannes gehört, der – aller Wahrscheinlichkeit nach – seinen Ruhm im Internet ausgenutzt hat, um minderjährigen Mädchen zu schaden“, sagte Morawiecki am Mittwoch vor den Medien. [Shutterstock/kovop]

Der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki kündigte am Mittwoch an, dass gegen YouTuber ermittelt wird, die im Verdacht stehen, illegalen Kontakt zu minderjährigen Mädchen zu haben. Zuvor war bekannt geworden, dass mehrere Content Creators in versuchte sexuelle Beziehungen mit minderjährigen Mädchen verwickelt waren. 

Morawieckis Ankündigung erfolgte, nachdem Sylwester Wardęga am Dienstag enthüllt hatte, dass sein YouTuber-Kollege Stuart Burton, der unter dem Pseudonym „Stuu“ bekannt ist, versucht hatte, eine sexuelle Beziehung mit einem 13-jährigen Mädchen einzugehen. Es folgten ähnliche Fälle mit anderen beliebten polnischen YouTubern.

„Gestern haben wir die Geschichte eines Mannes gehört, der – aller Wahrscheinlichkeit nach – seinen Ruhm im Internet ausgenutzt hat, um minderjährigen Mädchen zu schaden“, sagte Morawiecki am Mittwoch vor den Medien.

Der polnische Staat, aber auch NGOs „und alle Menschen guten Willens“ müssten alles tun, um solche „schrecklichen“ Situationen in Zukunft zu verhindern, fügte er hinzu.

Laut Morawiecki könnte der aufgedeckte Fall nur die Spitze des Eisbergs sein. Was in Online-Chaträumen geschehe, sei durch das Recht auf Privatsphäre geschützt, und daher wisse vielleicht nicht jeder, dass junge Menschen geschädigt werden, erklärte der Premierminister.

Dennoch werde eine Untersuchung des Falles eingeleitet, fügte er hinzu.  „Als Elternteil und Premierminister glaube ich, dass auch der polnische Staat alles tun muss, um – unter Wahrung und Respektierung der Privatsphäre – Kinder und Jugendliche vor Traumata zu schützen (…), die ihren Ursprung in der Online-Welt haben.“ 

Morawiecki beauftragte die zuständigen Stellen, sich mit dem Thema zu befassen, und erwartete „schnelles und entschiedenes Handeln“. Er warnte, dass niemand, „der Kindern Schaden zufügen will“, unbestraft bleiben werde.

Morawiecki kündigte außerdem an, dass seine Regierung das Team von dyzurnet.pl verstärken werde, einer speziellen Website, die dazu dient, illegale Inhalte im Internet zu melden. Es werde dort eine spezielle Anlaufstelle für Jugendliche eingerichtet, sagte er.

Der stellvertretende Justizminister Jacek Cieplicka teilte mit, dass er den Fall der verdächtigten YouTuber an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet habe, „um zu überprüfen, ob es weitere Fälle eines solchen verbotenen Verhaltens gibt.“

Der Journalist Tomasz Terlikowski vom Privatradio RMF FM kommentierte Morawieckis Ankündigung mit dem Hinweis, dass die staatliche Pädophilie-Kommission seit April, als der frühere Leiter Błażej Kmieciak zurücktrat, führungslos ist. 

Seitdem konnte sich das regierende konservative Lager nicht darauf einigen, wer Kmieciaks Nachfolger werden sollte, betonte Terlikowski.