Polen lehnen Euro-Einführung weiterhin ab

Fast 70 Prozent der Polen wollen laut einer aktuellen Umfrage nicht, dass ihr Land der Eurozone beitritt. Dabei stehen die Wähler der nationalkonservativen PiS der EU-Gemeinschaftswährung am skeptischsten gegenüber. 

EURACTIV.pl
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Auch 20 Jahre nach dem EU-Beitritt des Landes findet der Beitritt zur Eurozone bei den Polen relativ wenig Unterstützung. Vor allem die steigenden Preise für Grundgüter und die Abhängigkeit der polnischen Finanzpolitik von Entscheidungen in Brüssel bereiten ihnen Sorgen, wie die Umfrage ergab. [Shutterstock/Robert Plociennik]

Fast 70 Prozent der Polen wollen laut einer aktuellen Umfrage nicht, dass ihr Land der Eurozone beitritt. Dabei stehen die Wähler der nationalkonservativen PiS der EU-Gemeinschaftswährung am skeptischsten gegenüber. 

66,8 Prozent der Polen würden es vorziehen, den Zloty beizubehalten, anstatt den Euro einzuführen, wie die von United Surveys im Auftrag von Wirtualna Polska durchgeführte Umfrage zeigt. Außerdem ist fast die Hälfte der Polen „definitiv gegen“ einen Beitritt zur Eurozone. Nur 27,3 Prozent befürworten die Einführung des Euro. 

Auch 20 Jahre nach dem EU-Beitritt des Landes findet der Beitritt zur Eurozone bei den Polen relativ wenig Unterstützung. Vor allem die steigenden Preise für Grundgüter und die Abhängigkeit der polnischen Finanzpolitik von Entscheidungen in Brüssel bereiten ihnen Sorgen, wie die Umfrage ergab.

Die Skepsis gegenüber dem Beitritt zur Eurozone hängt auch nicht von der politischen Zugehörigkeit ab. Sowohl die Wähler der nationalistischen Opposition als auch die der EU-freundlicheren Parteien der derzeitigen Regierungskoalition unter Donald Tusk haben eine skeptische Einstellung zur Eurozone.

Die Hälfte der Wähler des regierenden Bündnisses aus Bürgerkoalition (KO, EVP/S&D), dem Dritten Weg (Renew/EVP) und der Linken (S&D), lehnen die Einführung der europäischen Währung ab, während nur 37 Prozent eine solche Entscheidung unterstützen.

Die Wähler der nationalkonservativen Oppositionsparteien Recht und Gerechtigkeit (PiS, EKR) und der weitgehend EU-feindlichen Konföderation haben eine noch negativere Einstellung zum Euro: Nur vier Prozent sind für einen Beitritt zur Eurozone, 95 Prozent dagegen.

Im Gegensatz zu den Befürchtungen der Öffentlichkeit sind viele Wirtschaftswissenschaftler der Meinung, dass ein Beitritt zur Eurozone Polen erhebliche wirtschaftliche und politische Vorteile bringen würde. 

„Als Mitglied der Eurozone könnte Polen effektiver dafür kämpfen, seine wirtschaftlichen Steuerung so zu gestalten, dass sie besser auf Sicherheitsfragen reagieren kann“, schreiben Agnieszka Smoleńska von der Polnischen Akademie der Wissenschaften und Paweł Tokarski von der Stiftung Wissenschaft und Politik in einem Bericht. Dieser war letztes Jahr vom polnischen Think-Tank Reform Institute veröffentlicht worden.

Der Präsident des Nachbarlandes Tschechien, Petr Pavel, bezeichnete die Einführung der gemeinsamen Währung kürzlich als „logisch“ für Prag.

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hingegen hat keine Bemühungen angekündigt, den Euro in Polen einzuführen – auch wenn ein Deepfake-TikTok-Post, der im Januar Popularität erlangte, etwas anderes suggerierte.

Polen kann der Eurozone vorerst nicht beitreten, weil es die Konvergenzkriterien nicht erfüllt, darunter Preisstabilität, solide öffentliche Finanzen, Wechselkursstabilität und langfristige Zinssätze.

Eigentlich sollen alle Mitgliedsstaaten den Euro ab einem gewissen Punkt einführen. Auch Polen hat sich mit seinem EU-Beitritt 2004 dazu verpflichtet, der Eurozone beizutreten.

Nur sieben EU-Länder nutzen derzeit noch ihre nationalen Währungen: Bulgarien, Tschechien, Dänemark, Ungarn, Polen, Rumänien und Schweden.

Doch der Trend ist eindeutig, erklärte Agnieszka Cianciara von der Polnischen Akademie der Wissenschaften auf einer Konferenz, die das private Reform Institute im vergangenen September veranstaltete. 

„Bulgarien ist eindeutig dabei, diesen Weg einzuschlagen, und Schweden kehrt zur Debatte über den Beitritt zur Eurozone zurück“, erklärte sie.

(Bearbeitet von Nick Alipour)