Polen sucht Atomkraft-Partner, spricht mit USA und Frankreich

Polen ist mit mehreren potenziellen Partnerländern für die Einführung der Kernenergie im Land im Gespräch, mit dem Ziel, bis 2040 sechs Reaktoren in Betrieb zu nehmen, wie der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki am Montag (5. September) erklärte.

EURACTIV.pl
epa10151465 Polish Prime Minister Mateusz Morawiecki speaks during a ceremony marking the 83rd anniversary of the beginning of World War II in Europe, in Wielun, Poland, 01 September 2022. Wielun was heavily bombed by the Luftwaffe on 01 September 1939 during Nazi Germany’s invasion of Poland. The Bombing of Wielun is considered to be the first World War II bombing in Europe. It killed at least 127 civilians, injured hundreds more and destroyed the majority of the town.  EPA-EFE/TOMASZ WIKTOR POLAND OUT
Nach dem Zweiten Weltkrieg heißt es jedes Jahr "Nie wieder", und doch sind die Reparationen für das polnische Volk nie Wirklichkeit geworden, schreibt Mateusz Morawiecki. [<a href="https://webgate.epa.eu/id/57894026" target="_blank" rel="noopener">EPA-EFE/TOMASZ WIKTOR</a>]

Polen ist mit mehreren potenziellen Partnerländern für die Einführung der Kernenergie im Land im Gespräch, mit dem Ziel, bis 2040 sechs Reaktoren in Betrieb zu nehmen, wie der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki am Montag (5. September) erklärte.

Am weitesten fortgeschritten sind laut Morawiecki die Gespräche mit den USA.

Am vergangenen Wochenende hatte Morawiecki mit US-Vizepräsidentin Kamala Harris über eine Partnerschaft im Bereich der Kernenergie gesprochen. Bei dem Gespräch ging es um „bestimmte Unternehmen und Technologien“ sowie darum, „wie die Entwicklung der Kernenergie in Polen vorangetrieben werden kann“, teilte der Premierminister auf der Pressekonferenz mit, wie das Wirtschaftsnachrichtenportal Forsal.pl berichtet.

„Wir wollen sehr eng mit unseren Partnern (im Bereich der Kernenergie) zusammenarbeiten. Am weitesten entwickelt ist derzeit unsere Zusammenarbeit mit den amerikanischen Partnern. Darüber habe ich mit Frau Harris gesprochen“, sagte Morawiecki.

Laut dem im vergangenen Jahr verabschiedeten Dokument über die Energiepolitik Polens bis 2040 plant das stark von fossilen Brennstoffen abhängige Land, das derzeit über keine kommerziell genutzten Kernkraftwerke verfügt, den Bau von insgesamt sechs Reaktoren.

Der erste Kernkraftwerksblock mit einer Leistung von etwa 1-1,6 GW soll 2033 in Betrieb genommen werden. Kritiker:innen warnen allerdings, dass dieser Termin unrealistisch ist.

Polen sieht jedoch nicht nur die USA als potenziellen Partner bei der Entwicklung der Kernenergie. Morawiecki erwähnte auch seinen Besuch in Paris letzte Woche, wo er nach eigenen Angaben mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron über das Thema gesprochen habe.

Er hofft, dass „diese Zusammenarbeit kompatibel ist“, was Polen „sowohl mit den Amerikanern als auch mit den Franzosen bestätigt hat.“

Warschau spreche auch mit Südkorea über die von ihnen eingeführte amerikanische Nukleartechnologie, fügte Morawiecki hinzu.

Zudem wolle das Land die Gespräche mit verschiedenen Partnern über Kernenergie „beschleunigen“, so der Premierminister. „Wir sehen deutlich, wie schnell diese Politik der Gasfreundschaft zwischen Deutschland und Russland zusammengebrochen ist und zu Elend in Europa geführt hat“, betonte er.