Polen versucht Lorbeeren für deutsche Panzerlieferungen einzustreichen

In Warschau wurde der gestrige Richtungswechsel Deutschlands in Bezug auf die Lieferung von Leopard-2-Panzern an die Ukraine als Erfolg der polnischen Außenpolitik gewertet. 

EURACTIV.pl
Germany to send Leopard 2 tanks to Ukraine
Die Entscheidung Deutschlands vom Mittwoch (25. Januar), 14 Leopard-2-Panzer (abgebildet) an die Ukraine zu übergeben und anderen Ländern zu erlauben, dies ebenfalls zu tun, hat in ganz Europa und der Welt Widerhall gefunden. [EPA-EFE/FOCKE STRANGMANN]

In Warschau wurde der gestrige Richtungswechsel Deutschlands in Bezug auf die Lieferung von Leopard-2-Panzern an die Ukraine als Erfolg der polnischen Außenpolitik gewertet.

Die Entscheidung Deutschlands vom Mittwoch (25. Januar), 14 Leopard-2-Panzer an die Ukraine zu übergeben und anderen Ländern zu erlauben, dies ebenfalls zu tun, hat in ganz Europa und der Welt Widerhall gefunden.

Polen, einer der engsten Verbündeten der Ukraine, übte starken Druck auf Scholz aus. Der polnische Präsident Andrzej Duda kündigte bei einem Besuch in Kyjiw Anfang Januar an, dass Polen seine Leopard-2-Panzer an die Ukraine übergeben werde.

Am Dienstag ging Polen sogar so weit, Deutschland offiziell um Erlaubnis zu bitten, die in Deutschland hergestellten Panzer abzuliefern, die sich auf polnischem Territorium befinden – ein Schritt, der nach Ansicht von Expert:innen so viel Druck auf Berlin ausübte, dass es seine Entscheidung nicht länger hinauszögern konnte.

„Dies ist eine gute Nachricht für die Sicherheit in Europa. Die Europäische Union und die NATO sollten mutige Maßnahmen ergreifen, um den Kontinent gegen eine russische Invasion zu verteidigen“, sagte der polnische Regierungssprecher Piotr Muller.

„Dies wird eine völlig neue Qualität auf dem Schlachtfeld in der Ukraine sein“, fügte der Leiter des polnischen Büros für nationale Sicherheit, Jacek Siewiera, hinzu.

„Der Druck macht Sinn, und die wochen- und monatelangen Aktionen der polnischen Regierung haben eine gute Wirkung auf die Ukraine gehabt“, sagte auch der stellvertretende Leiter des polnischen Außenministeriums, Piotr Wawrzyk.

Lob für Polens Druck kam auch aus dem Ausland.

„Meiner Meinung nach war es ein brillantes Spiel von Polen, das Deutschland sagte: ‚Wollt ihr nicht die politische Verantwortung übernehmen? Ihr werdet damit den europäischen Pfeiler der NATO und die Projekte des europäischen Verteidigungssystems zerstören. Wir werden mit anderen Verbündeten beginnen, die Leopard-2-Panzer haben, und zwar ohne die Erlaubnis Berlins, obwohl es sich um Maschinen aus deutscher Produktion handelt“, sagte der Leiter des in Paris ansässigen Open Diplomacy Institute Thomas Friang dem französischen Fernsehsender LCI.

„Auch wenn sie sich nicht genau so ausgedrückt haben, könnte man es so verstehen“, fügte er hinzu.

Neben Deutschland und Polen planen mehrere andere Länder, der Ukraine Panzer aus deutscher Produktion zu schenken, darunter Spanien, Portugal, Norwegen, Finnland und die Niederlande.

Kyjiw kann mit 80 bis 100 Fahrzeugen aus dem Westen rechnen.