Polen will auch ohne deutsche Zustimmung moderne Panzer an Ukraine liefern

Polen wird versuchen, eine kleinere Koalition von Ländern zu bilden, die Leopard-2-Panzer aus deutscher Produktion an die Ukraine liefern wollen, falls Deutschland nicht die erforderliche Zustimmung erteilt, sagte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, nachdem sich die westlichen Verbündeten am Freitag in dieser Frage nicht einigen konnten.

EURACTIV.pl
Polish Prime Minister Morawiecki meets with soldiers in Biedrusko
"Wir werden dem Ausbluten der Ukraine nicht tatenlos zusehen. Die Ukraine und Europa werden diesen Krieg gewinnen, ob mit oder ohne Deutschland", sagte Morawiecki in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der Polnischen Presseagentur (PAP). [EPA-EFE/Jakub Kaczmarczyk]

Polen will Leopard-2-Panzer auch dann an die Ukraine liefern, wenn Deutschland die Zustimmung verweigert und plant hierzu eine Koalition mit kleineren Staaten zu bilden, sagte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, nachdem sich die westlichen Verbündeten am Freitag in dieser Frage nicht einigen konnten.

Die westlichen Verbündeten, die die Kontaktgruppe für Verteidigungsfragen in der Ukraine bilden, hatten am Freitag in Ramstein keine Einigung über die Lieferung erzielen konnten. Die Idee, dem kriegsgebeutelten Kyjiw Panzer aus deutscher Produktion zu schicken, fand zwar eine breite Unterstützung, bedarf aber der Zustimmung Berlins.

„Wir werden dem Ausbluten der Ukraine nicht tatenlos zusehen. Die Ukraine und Europa werden diesen Krieg gewinnen, ob mit oder ohne Deutschland“, sagte Morawiecki in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der Polnischen Presseagentur (PAP).

Morawiecki rügte Deutschland für sein Vorgehen bei der Zusammenarbeit mit Russland in den vergangenen Jahren. „Sie glaubten, sie könnten den russischen Bären mit großzügigen Verträgen besänftigen. Diese Politik ist gescheitert, und jetzt fällt es Deutschland schwer, seinen Fehler einzugestehen“, argumentierte Morawiecki.

Er sagte, er appelliere weiterhin an seinen deutschen Amtskollegen Olaf Scholz, bei der militärischen Unterstützung der Ukraine „entschlossen zu handeln“.

Es liege jedoch an Deutschland zu entscheiden, ob es sich der Mission anschließen wolle, das barbarische Russland zu stoppen, oder (…) sich auf die falsche Seite der Geschichte stelle.

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock sagte am Sonntag in einem Interview mit dem französischen Fernsehsender LCI, dass Deutschland nicht im Wege stehen werde, wenn Polen Leopard-2-Panzer aus deutscher Produktion in die Ukraine schicke.

In Ramstein kündigte der neue deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius an, dass sein Ministerium die Leopard-Bestände der Armee überprüfen werde, während die Diskussion über die Freigabe der Panzer fortgesetzt werde, bestritt aber, die Lieferung von Panzern an die Ukraine einseitig blockiert zu haben, wie die Financial Times berichtete.

Morawiecki sagte, er erwarte von Berlin eine „klare Erklärung“ zur Unterstützung der Waffenlieferungen an die Ukraine, da ein solcher Schritt „politisch und moralisch gerechtfertigt“ sei.

„Ich hoffe, dass Deutschland früher oder später darauf eingeht“, schloss der Premierminister.