Portugal rudert bei Nutri-Score-System zurück
Die Regierung in Lissabon hat am Dienstag (11. Juni) klargestellt, dass die Empfehlung der früheren Regierung, das umstrittene Ampelkennzeichnungssystem für Lebensmittel einzuführen, ohne angemessene Konsultation der Lebensmittelbehörden erfolgt sei.
Eigentlich wollte Portugal das Ampelkennzeichnungssystem für Lebensmittel einführen. Die neue Regierung ruderte allerdings am Dienstag (11. Juni) zurück und sagte, die Empfehlung zur Einführung des Kennzeichnungssystems sei ohne die angemessene Konsultation der Lebensmittelbehörden erfolgt.
Portugals frühere sozialistische Regierung hatte am 5. April vorgeschlagen, auf der Vorderseite der Verpackung den Nutri-Score einzuführen. Dabei handelt es sich um ein Ampelsystem, das Lebensmittel nach ihrem Nährwert einstuft.
Das System reicht von A-grün, der gesündesten Stufe, bis E-rot.
Die neue Mitte-Rechts-Regierung unter Luís Montenegro hat jedoch die Rechtmäßigkeit der Maßnahme des Vorgängerkabinetts infrage gestellt.
Am Dienstag veröffentlichte das Landwirtschaftsministerium ein Dekret, in dem es „Vorbehalte“ gegen das Ampelsystem äußert. Es stellt klar, dass die Lebensmittelkennzeichnung in den Zuständigkeitsbereich der Generaldirektion für Lebensmittel und Veterinärwesen (DGAV) fällt, die im Fall des vorherigen Dekrets nicht konsultiert worden war.
Die DGAV, so der Text des Ministeriums, habe „Vorbehalte“ gegen den Nutriscore geäußert, der zu verwirrenden Klassifizierungen führe, ohne das portugiesische Modell für Lebensmittel zu berücksichtigen.
Das System wurde 2017 zuerst in Frankreich eingeführt und Portugal wird nach Belgien, Luxemburg, Deutschland, Spanien, der Schweiz und den Niederlanden der achte EU-Mitgliedstaat sein, der es übernimmt.
Die Umsetzung von Nutri-Score bleibt in der EU jedoch umstritten.
Eine Studie der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2020 kam zu dem Schluss, dass Systeme, die eine Farbkodierung in Kombination mit einer Note verwenden, am besten geeignet sind, um als Grundlage für einen zukünftigen Vorschlag für ein EU-weites Kennzeichnungssystem zu dienen.
Obwohl die Initiative bis Ende 2022 geplant war, hat die EU-Kommission sie aus Angst vor einer Polarisierung der Debatte im Vorfeld der Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni dieses Jahres verschoben.
Italien, der größte Gegner von Nutri-Score, hat ein alternatives System namens Nutrinform gefördert. Dieses System gibt den prozentualen Anteil an Nährstoffen und Energie an, ohne das Produkt zu bewerten.
[Bearbeitet von Angelo Di Mambro und Zoran Radosavljevic]