Prämie für E-Autos: Frankreich will chinesische Modelle ausschließen

In Frankreich werden ab Januar 2024 neue finanzielle Anreize für den Kauf eines Elektrofahrzeugs eingeführt, um die französische und europäische Autoindustrie im Wettbewerb mit der chinesischen Konkurrenz zu unterstützen, wie die Regierung am Montag (18. September) bekannt gab.

Euractiv.com
Electric,Car,Lithium,Battery,Pack,And,Wiring,Connections,Internal,Between
Der "Umweltbonus" - bisher ein pauschaler Bargeldanreiz in Höhe von 5.000 Euro, der für alle Elektroautos unabhängig von ihrem Produktionszyklus oder ihren umweltfreundlichen Eigenschaften galt - wird nun strenger den Lebenszyklus des Autos und seine Komponenten, wie zum Beispiel die elektrische Batterie, berücksichtigen. [asharkyu/Shutterstock]

Frankreich führt ab Januar 2024 neue Regeln für seine Subventionen für E-Autos ein. Dabei sollen die französische und europäische Autoindustrie im Wettbewerb mit der chinesischen Konkurrenz gezielt unterstützt werden, wie die Regierung am Montag (18. September) bekannt gab.

Der „Umweltbonus“ – bisher ein pauschale Subvention in Höhe von 5.000 Euro, der für alle E-Autos galt – wird nun strenger die Umweltauswirkungen der Produktion des Autos und seiner Komponenten, wie zum Beispiel der Batterie, berücksichtigen.

„Wir haben uns bisher nur auf die CO2-Emissionen während der Fahrt konzentriert“, aber nicht die gesamte Produktionslinie berücksichtigt, bevor das Auto auf die Straße kommt, sagte die französische Regierung gegenüber Euractiv. Gemäß der neuen Regeln wird jedem Elektroauto nun jedoch eine „grüne Punktzahl“ zugewiesen, die Teil eines umfassenderen Ziels ist: Produktionslinien für Elektroautos wieder nach Frankreich und in die EU zu bringen.

Durch eine Reform des „Umweltbonus“ will die Regierung „die umweltfreundlichsten Elektroautos belohnen, insbesondere diejenigen, die in Frankreich und der EU hergestellt werden“, sagte Umweltministerin Agnès Pannier-Runacher am Wochenende gegenüber dem französischen Fernsehsender BFMTV. Sie fügte hinzu, dass dies die Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort fördern und die Autopreise insgesamt senken würde.

In die Punktzahl, deren Einzelheiten am Dienstag in einem Dekret veröffentlicht werden, sollen sechs neue CO2-Emissionsfaktoren einfließen, darunter die Emissionen aus der Stahl- und Aluminiumproduktion, die Verwendung von kritischen Rohstoffen in der Karosserie und der Batterie sowie die Montage und der Transport des Fahrzeugs zum Käufer.

Die Prämie kann bis zu 5.000 Euro pro Auto betragen, für ärmere Haushalte sogar bis zu 7.000 Euro. Insgesamt sind rund 1 Milliarde Euro für die Finanzierung vorgesehen.

Chinesische E-Autos werden ausgeschlossen

„Ein Auto, das in China mit Kohlestrom hergestellt wird, wird nicht vom Umweltbonus profitieren“, sagte Pannier-Runacher. Dazu gehörten Automodelle wie „der Dacia Spring oder der China MG“, fügte die Ministerin hinzu. Die vollständige Liste der ausgeschlossenen Elektroautos soll im Dezember bekannt gegeben werden.

Es ist kein Geheimnis, dass Frankreich – Heimat von Autokonzernen wie Renault und Stellantis – ein wachsames Auge auf China hat. Auch EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen schloss sich kürzlich dieser Linie an, als sie eine „Überschwemmung“ der Märkte durch chinesische E-Autos beklagte.

Nachdem chinesische Marken im Jahr 2022 einen Anteil von 8 Prozent am EU-Elektrofahrzeugmarkt erreicht haben, könnten sie diesen Anteil nach Angaben der Europäischen Kommission bis 2025 auf 15 Prozent steigern.

Nach Angaben des Beratungsunternehmens Ptolemus Consulting Group sind die Preise für chinesische Elektrofahrzeuge in China zwischen 2015 und 2022 um 50 Prozent gesunken, von 67.000 Euro auf 32.000 Euro. In Europa hingegen stiegen die Preise für Elektroautos im gleichen Zeitraum um 17 Prozent, von knapp 49.000 Euro auf über 55.000 Euro, was sie für viele Europäer unerschwinglich macht.

„Französische und europäische Autohersteller haben die Alarmglocken geläutet, weil sich die Trends bei den EU-Exporten nach China so schnell umkehren“, sagte Elvire Fabry, Senior Research Fellow am Jacques Delors Institut, gegenüber Euractiv.

Im Gegensatz zu den europäischen Autoherstellern, die sich auf hochwertige – und letztlich teurere – SUVs konzentriert haben, haben die Chinesen massenhaft billigere Modelle produziert, was ihre Autos für die Käufer in der EU noch attraktiver macht, so Fabry.

Obacht, China!

Der Wunsch, die Produktion in Europa zu fördern, hat Frankreich veranlasst, seine Subventionen zu überprüfen – in der Hoffnung, die Abhängigkeit von China zu verringern.

Dies ist nicht das erste Mal in den letzten Monaten, dass Frankreich China ins Visier nimmt.

Erst vor einem Monat kündigte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire an, den Geltungsbereich des Screenings ausländischer Investitionen auf den Bergbausektor auszuweiten. Damit soll die Gewinnung und Verarbeitung wichtiger Rohstoffe wie Lithium, die für die Herstellung von Elektroauto-Batterien benötigt werden, besser kontrolliert werden.

China ist bei der Verarbeitung vieler dieser Rohstoffe führend, auch wenn es sie nicht abbaut. Laut einem Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) werden beispielsweise nur 9 Prozent des weltweit geförderten Lithiums in China gewonnen, aber rund 60 Prozent weiterverarbeitet.

Auch von der Leyens Ankündigung einer neuen Antisubventionsuntersuchung gegen chinesische Elektrofahrzeuge geht auf eine monatelange intensive Lobbyarbeit der Franzosen zurück. In Deutschland stößt sie hingegen auf Kritik. Hierzulande fürchten die Autohersteller insbesondere mögliche Gegenmaßnahmen Chinas.

„Es handelt sich um eine entscheidende Industrie für [eine umweltfreundliche] Wirtschaft mit einem enormen Potenzial für Europa. Aber die globalen Märkte werden jetzt mit billigeren chinesischen Elektroautos überschwemmt“, hatte von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union gesagt.

„Und ihr Preis wird durch enorme staatliche Subventionen künstlich niedrig gehalten“, warf sie der chinesischen Regierung vor.

Fabry erklärte gegenüber Euractiv, dass China „die Früchte von 15 Jahren umfangreicher Subventionen und Steuererleichterungen erntet“, um das Wachstum seines E-Autosektors zu fördern.

Da China von Subventionen zu einer stärker marktorientierten Wirtschaft übergeht, käme die Ankündigung der Antisubventionsuntersuchung genau zum richtigen Zeitpunkt, so der Wissenschaftler: Sie signalisiert die Entschlossenheit der Europäer, für einen fairen Wettbewerb zu kämpfen.

Der „Umweltbonus“ fügt sich in die umfassenderen Bemühungen der EU ein, Chinas wachsenden Marktanteil in Europa einzudämmen: „Es handelt sich um eine Politik des gesunden Menschenverstands, die in unserer Strategie für eine umweltfreundliche Industrie verankert ist, und um eine Premiere in Europa“, sagte Le Maire.

Es bleibt abzuwarten, ob dies chinesische E-Autos effektiv in Schach halten wird.

[Bearbeitet von Sean Goulding Carroll/Zoran Radosavljevic]