EU hält an zentralem Ticketsystem im europäischen Bahnverkehr fest
Die EU-Kommission will zudem Reisezeiten verkürzen und sicherstellen, dass die Produktion von Rollmaterial in Europa bleibt.
Die Europäische Kommission hält an dem Ziel fest, grenzüberschreitendes Reisen durch die verpflichtende Zusammenarbeit von Bahnunternehmen in einem einheitlichen Ticketsystem zu vereinfachen. Das erklärten Vertreter am Mittwoch bei der Vorstellung eines neuen Hochgeschwindigkeitsbahn-Plans.
Das Ziel sei es, Buchungen mit einem einzigen Klick zum Standard zu machen – nicht nur für Zugverbindungen zwischen europäischen Städten, sondern auch für multimodale Reisen, erklärte Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikōstas vor Journalisten.
„Wenn jemand eine Reise buchen möchte und für einen Teil des Weges ein Flugzeug und für den anderen einen Zug benötigt, soll er das mit einem einzigen Ticket tun können“, sagte der griechische Kommissar.
„Aber natürlich besteht die Priorität derzeit darin sicherzustellen, dass Bürgerinnen und Bürger, die für grenzüberschreitende Bahnverbindungen durch verschiedene Unternehmen hindurch reisen möchten, dies als ein einziges Ticket buchen können“, fügte er hinzu und kündigte einen Gesetzesvorschlag für Anfang kommenden Jahres an.
Schon dieser Ansatz sorgt bei Bahnbetreibern für Nervosität. Der Chef des Verbands Europäischer Bahn- und Infrastrukturunternehmen (CER) hatte kürzlich im Interview mit Euractiv erklärt, die Branche sei bereit, gegen jedes Modell vorzugehen, das Unternehmen dazu zwinge, Tickets über Drittplattformen zu verkaufen.
Ausbau des Hochgeschwindigkeitsverkehrs
Die Vereinfachung der Buchung ist jedoch nur Teil einer umfassenderen Strategie, den Schienenverkehr zwischen EU-Mitgliedstaaten durch den Ausbau von Hochgeschwindigkeitsverbindungen zu beschleunigen – mithilfe von Infrastrukturinvestitionen, Forschung, mehr Wettbewerb, stärkerer Kooperation zwischen Betreibern und einheitlichen Standards.
Wenn eine Reise von Berlin nach Kopenhagen statt sieben nur noch drei Stunden dauert – voraussichtlich bis 2030 –, würden sich Fahrgäste „definitiv“ für den Zug statt für das Flugzeug entscheiden, sagte Tzitzikōstas.
Die Kommission will laut dem heute vorgestellten Plan bis Jahresende eine neue Finanzierungsstrategie vorlegen. Der Ausbau des europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes wird kostspielig: Allein die Fertigstellung der bereits angekündigten Projekte für die nächsten 15 Jahre wird auf rund 345 Milliarden Euro geschätzt.
Eine Verdreifachung der Abdeckung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs könnte rund 546 Milliarden Euro kosten, rechnet die Kommission. Die gesellschaftlichen Vorteile würden jedoch auf etwa 750 Milliarden Euro geschätzt.
Konkurrenz aus dem Osten
Zudem will die Kommission sicherstellen, dass europäische Hersteller beim benötigten neuen Rollmaterial nicht verdrängt werden.
Die heimische Industrie habe die Effizienzgewinne des EU-Binnenmarkts bislang nicht vollständig ausschöpfen können, sagte der Verkehrskommissar.
„Wir sind weltweit führend in der Bahntechnologie, aber die Produktion kann derzeit nicht mit der Nachfrage mithalten“, so Tzitzikōstas. Unternehmen müssten vier bis sechs Jahre nach Bestellung auf neue Züge warten. Die EU könne es sich nicht leisten, „eine weitere strategische Industrie an Asien zu verlieren“.
Die Lösung? „Wir werden im kommenden Jahr die Regeln für öffentliche Auftragsvergaben überprüfen und unsere Industrie ermutigen, stärker standardisierte Hochgeschwindigkeitszüge zu produzieren – für schnellere und günstigere Produktion mit niedrigeren Wartungskosten“, sagte er.
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(rh, jl)