Kokainhandel in Europa wächst

Während der Kokainmarkt weltweit weiter wächst, nimmt der Konsum in ganz Europa laut einem neuen Bericht weiter zu. Insbesondere in Frankreich verbreitet sich die Droge demnach mehr und mehr.

EURACTIV France
Drug,Trafficking,,Crime,,Addiction,And,Sale,Concept,-,Close,Up
Die Verbreitung von Kokain in der Welt, in Europa und in Frankreich hat seit den 2010er Jahren zugenommen, so der Bericht. Er fügt hinzu, dass die Droge heute ein Drittel des europäischen Drogenmarktes ausmacht. [[Ground Picture/Shutterstock]]

Während der Kokainmarkt weltweit weiter wächst, nimmt der Konsum in ganz Europa laut einem neuen Bericht weiter zu. Insbesondere in Frankreich verbreitet sich die Droge demnach mehr und mehr.

Die Verbreitung von Kokain weltweit wie in Europa hat laut dem Bericht der französischen Beobachtungsstelle für Drogen und Suchttendenzen (OFDT) seit den 2010er Jahren zugenommen. Demnach macht Kokain heute ein Drittel des europäischen Drogenmarkts aus.

Am Mittwoch hatte die schwedische EU-Ratspräsidentschaft angekündigt, dass die Rolle der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) gestärkt werden soll, um neue Herausforderungen im Bereich Gesundheit und Sicherheit besser bewältigen zu können.

Laut Schätzungen der OFDT ist Frankreich mit 600.000 Konsumenten pro Jahr eines der EU-Länder mit dem höchsten Kokainkonsum. Die Zahl der Cannabiskonsumenten liegt derweil bei fünf Millionen und die der Konsumenten von MDMA oder Ecstasy bei 400.000.

„Seit mehreren Jahren deuten die Signale auf einen Anstieg des Kokainkonsums hin“, erklärte die französische Gesundheitsagentur Santé Publique France, die ebenfalls an dem Bericht beteiligt war.

Der Kokainkonsum hat demnach unter Erwachsenen zugenommen, wobei eine „Diversifizierung der Konsumentenprofile“ zu beobachten ist: Kokain, das traditionell von Reichen und Wohlhabenden auf Feiern konsumiert wurde, werde nun von breiteren Teilen der Bevölkerung zu sich genommen, so die Behörde.

„Diese Vielfalt an Konsumentenprofilen spiegelt sich auch in der Diversifizierung der Konsumformen wider: geschnupft (Kokainpulver), geraucht/inhaliert (Kokainbase oder Crack) oder injiziert“, heißt es in dem Bericht.

Gleichzeitig ist der Konsum unter jungen Menschen rückläufig.

Hatte sich der Kokainkonsum bei 17-Jährigen zwischen 2000 und 2014 noch mehr als verdreifacht (0,9 Prozent im Jahr 2000, verglichen mit 3,2 Prozent im Jahr 2014), hatten im Jahr 2022 nur noch 1,4 Prozent die Droge jemals konsumiert.

Darüber hinaus haben die Strafverfolgungsbehörden mehr Kokain beschlagnahmt. Das Amt für Drogenbekämpfung schätzt, dass im Jahr 2022 in Frankreich 27,7 Tonnen Kokain beschlagnahmt werden, verglichen mit 10,8 Tonnen im Jahr 2011.

Gesundheitliche Notfälle verdreifacht

Die mit dem Kokainkonsum verbundenen Gesundheitsrisiken sind jedoch beträchtlich: In Frankreich hat sich die Zahl der Notaufnahmebesuche wegen Kokainkonsums zwischen 2010 und 2022 laut der Gesundheitsbehörde verdreifacht.

Zwischen 2010 und 2022 wurden insgesamt 23.335 Personen wegen Kokainkonsums in die Notaufnahme eingeliefert, was einer durchschnittlichen Zahl von 72 Notfallaufnahmen pro Woche im Jahr 2022 entspricht.

„Die Mehrheit der Notfallaufnahmen [nach Kokainkonsum] war männlich (75 Prozent) und das Durchschnittsalter lag bei 32 Jahren, was dem Profil der Allgemeinbevölkerung entspricht, die in der Regel am meisten Kokain konsumiert“, heißt es im Bericht.

Die drei Hauptgründe für Krankenhausbesuche sind dabei Intoxikation (65 Prozent), Abhängigkeit (13 Prozent) oder Entzug (7,5 Prozent).

Die meisten Besuche in der Notaufnahme im Zusammenhang mit Kokain stehen auch im Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol, Benzodiazepinen, Cannabis oder Opioiden. Diese Patienten bezeichnet Santé Publique France als „polyvalente Drogenkonsumenten.“

Der Anstieg der Substanzintoxikation lässt sich insbesondere dadurch erklären, dass Kokain seit fast zehn Jahren mit einem höheren Wirkstoffgehalt auf dem Markt ist, sowie durch das Aufkommen neuer, stärkerer und toxischer synthetischer Produkte (NPS).

Der polyvalente Drogenkonsum, insbesondere die Kombination von Alkohol und Kokain, erhöht ebenfalls das Risiko einer Intoxikation.

Ein Drittel des europäischen Drogenhandels

Auch EU-weit nimmt der Kokainkonsum rapide zu: Nach Angaben der OFDT wird die Zahl der Kokainkonsumenten im Jahr 2020 auf 3,5 Millionen geschätzt.

Der mit der steigenden Nachfrage einhergehende Anstieg des Angebots hat in mehreren Ländern der Welt zu einer Ausweitung des Kokaanbaus geführt. Von 2020 bis 2021 stieg der Anbau um 35 Prozent – ein Rekordhoch und der stärkste Anstieg im Vergleich zum Vorjahr seit 2016, wie das UN-Büro für Drogen und Verbrechen (UNODC) in einem am 16. März veröffentlichten Bericht warnte.

Der Bericht verweist auch darauf, dass in den letzten Jahren neue Kokain-Drehscheiben in Europa entstanden seien, insbesondere in Südosteuropa und in den Häfen von Antwerpen, Rotterdam und Hamburg.

Im Jahr 2021 wurde in Rotterdam eine Rekordmenge von fast 70 Tonnen beschlagnahmt, ein Anstieg um 74 Prozent gegenüber 2020, wie Ger Scheringa, Zollbeamter des niederländischen Hafens, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP mitteilte.

Das Problem sei „in den letzten Jahren größer geworden“, räumte er ein.

Im Hafen von Antwerpen in Belgien wurden im selben Jahr mehr als 100 Tonnen Kokain sichergestellt, was 40 Prozent aller von der Polizei beschlagnahmten Drogen entspricht.

Lesen Sie den französischen Originalartikel hier.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]