Razzia beim ehemaligen EU-Justizkommissar Reynders: Ermittlungen wegen angeblicher Geldwäsche

Die belgische Polizei führte eine Razzia in mehreren Gebäuden durch, die mit dem ehemaligen EU-Justizkommissar Didier Reynders in Verbindung stehen. Es wird wegen angeblicher Geldwäsche ermittelt.

EURACTIV.com with agencies
European Parliament session in Strasbourg
Reynders (Bild) war von 2019 bis 2024 Justizkommissar. [EPA-EFE/RONALD WITTEK]

Die belgische Polizei führte eine Razzia in mehreren Gebäuden durch, die mit dem ehemaligen EU-Justizkommissar Didier Reynders in Verbindung stehen. Es wird wegen angeblicher Geldwäsche ermittelt.

Berichten von Follow the Money und der belgischen Zeitung Le Soir von Dienstag (3. Dezember) kaufte Reynders Lottoscheine über die Nationale Lotterie, eine Organisation, für die er zwischen 2007 und 2011 als nationaler Minister zuständig war. Der Politiker soll die gewaschenen Gewinne dann auf sein Privatkonto überwiesen haben.

Reynders wird verdächtigt, E-Tickets gekauft zu haben – Gutscheine im Wert von ein bis 100 Euro, die auf ein Konto bei der Nationallotterie übertragen werden können, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle mitteilte. Von diesem Lotteriekonto aus – und mit Bargeld – soll Reynders an Lotteriespielen teilgenommen und die nun gewaschenen Gewinne auf sein Privatkonto überwiesen haben.

Es ist unklar, woher Reynders das Geld hatte, und die Höhe der Einsätze wurde nicht bekannt gegeben. Er muss nun die rechtmäßige Herkunft des Geldes nachweisen.

„Wenn es Bargeld gibt, ist die nächste Frage, woher es kommt“, zitierte Follow the Money eine Quelle aus der Justiz.

Reynders soll mit der Geldwäsche begonnen haben, als er noch in der belgischen Politik aktiv war, aber nicht mehr für die Nationale Lotterie zuständig war. Er wird verdächtigt, diese Praxis während seiner Amtszeit als EU-Kommissar fortgesetzt zu haben.

Die Ermittlungen laufen seit Monaten, aber die Ermittler schlugen erst nach Ende seiner Amtszeit bei der EU-Kommission am Sonntag (1. Dezember) zu, um das Auslaufen seiner EU-Immunität abzuwarten.

Für eine Razzia hätte die belgische Polizei ansonsten die Genehmigung des Kollegiums der EU-Kommissare, dem Reynders selbst angehörte, benötigt. Daher wollten sie nicht riskieren, die Ermittlungen zu gefährden.

Reynders war von 2019 bis 2024 EU-Justizkommissar. Zuvor war der Spitzenpolitiker von 1999 bis 2011 belgischer Finanzminister und von 2011 bis 2019 Außenminister.

Eine der durchsuchten Immobilien war Reynders Privatbesitz. Der ehemalige Justizchef wurde bis Dienstagabend von der Polizei verhört.

Der 66-jährige Reynders, ein Politiker der liberalen Mouvement Réformateur (ALDE-Mitglied), war ein erfolgloser Kandidat für den Vorsitz des Europarats. Auch seine Kandidatur als belgischer Kommissar im zweiten Team von der Leyen scheiterte.

[Bearbeitet von Georgi Gotev/Kjeld Neubert]