Rohstoffpreisindex auf Allzeithoch

Die EU-Debatte um die Rohstoffsicherheit erhält neue Nahrung. 2011 zogen die Preise für viele Rohstoffe kräftig an. Öl, Getreide und Metalle verteuerten sich zeitweise deutlich. Im Jahresdurchschnitt notierte der HWWI-Rohstoffpreisindex so hoch wie nie.

Neue Hochhäuser in Dubai. Die globale Nachfrage nach Rohstoffen wächst. © Bildpixel  / PIXELIO
Neue Hochhäuser in Dubai. Die globale Nachfrage nach Rohstoffen wächst. © Bildpixel / PIXELIO

Die EU-Debatte um die Rohstoffsicherheit erhält neue Nahrung. 2011 zogen die Preise für viele Rohstoffe kräftig an. Öl, Getreide und Metalle verteuerten sich zeitweise deutlich. Im Jahresdurchschnitt notierte der HWWI-Rohstoffpreisindex so hoch wie nie.

Die durchschnittlichen Rohstoffpreise sind 2011 kräftig angestiegen, teilte das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) am Mittwoch mit. "Zwar verbilligten sich einige Rohstoffe in den letzten Monaten des Jahres zum Teil kräftig, doch gegenüber 2010 stiegen die Rohstoffpreise immer noch, gemessen am HWWI-Index, in Euro um 22,4 Prozent und in US-Dollar um 28,6 Prozent", heißt es in einer Erklärung. 

Viel Geld zum Spekulieren

Im Verlauf des Jahres 2011 waren dem HWWI zufolge starke Schwankungen bei den Rohstoffpreisen zu beobachten. Beispielsweise notierte Kupfer Anfang Oktober um 33 Prozent niedriger als noch zu Beginn des Februars, um sich dann bis Ende des Jahres wieder um gut 11 Prozent zu verteuern. Wechselnde Erwartungen zur weiteren Entwicklung der Weltkonjunktur trugen zu den Preisbewegungen bei, heißt es beim HWWI.

Besonders die Schuldenkrise in Europa habe die Anleger befürchten lassen, dass über eine nachlassende Wirtschaftsentwicklung weniger Rohstoffe benötigt werden. Darüber hinaus hätten auch Preisspekulationen zu den Preisschwankungen bei den Rohstoffen beigetragen. "Durch die niedrigen Zinsen der Notenbanken, besonders der Fed, stand Anlegern und Hedgefonds viel Liquidität zur Verfügung, die zur Portfolio-Diversifikation und Inflationsabsicherung in Rohstoffe investiert wurden", so das HWWI.

Auch die EU-Kommission beobachtete 2011 einen zunehmenden Einfluss der Finanzmärkte auf die Rohstoffpreise. "Grundstoffmärkte und Finanzmärkte sind (…) immer stärker miteinander verknüpft und teilen sich eine steigende Zahl von Marktteilnehmern, die auf der Suche nach Risikomanagementinstrumenten und Investitionsmöglichkeiten sind."

Starke Metall-Nachfrage in China

Neben der hohen Liquidität prägte das Wachstum der Schwellenländer die Entwicklung auf den Rohstoffmärkten. Insbesondere China benötigte laut HWWI für seine stark wachsende Wirtschaft viel Kupfer, Stahl und Aluminium. Der Index ohne Energie erhöhte sich 2011 etwas weniger, um 12,4 Prozent in Euro bzw. um 18 Prozent in US-Dollar.

Debatte um EU-Rohstoffpolitik

Die EU versucht, die Rohstoffversorgung Europas mit einer gemeinsamen Strategie (KOM(2011) 25 / Februar 2011) zu sichern. Die Kommission hat eine Liste von 14 wirtschaftlich wichtigen Rohstoffen erstellt, bei denen die Versorgung Europas gefährdet ist. Dazu gehören zum Beispiel Kobalt, Magnesium und Wolfram. Im Fall von Kobalt ist die EU beispielsweise zu 100 Prozent von Importen abhängig, rund 70 Prozent ihres Bedarfs bezieht sie aus dem Kongo, wo laut einer Studie Arbeiter das Metall unter teilweise lebensgefährlichen Bedingungen abbauen (EURACTIV.de vom 29. November 2011).

Elemente der europäischen Strategie sind die EU-Rohstoffdiplomatie, insbesondere mit Afrika, die verstärkte Rohstoffförderung innerhalb der EU und Innovationspartnerschaften für mehr Ressourceneffizienz und Recycling. 

Die Pläne der Kommission, bis Ende 2013 "klar definierte Ziele und Indikatoren" zur Ressourceneffizienz in der EU zu entwickeln, stoßen allerdings auf Widerstände in den Mitgliedsstaaten (EURACTIV.de vom 27. Dezember 2011). 

awr

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Ressourceneffizienz: EU-Umweltminister bremsen Kommission (27. Dezember 2011)

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EU: Ressourceneffizienz vs. Wettbewerbsfähigkeit? (30. September 2011)

Ressourceneffizienz: Wirtschaftliche Aktivitäten unter Öko-Vorbehalt? (20. September 2011)

Aktuelle Dokumente zur EU-Ressourcen- und Rohstoffpolitik

EU-Kommission: Statement by Commissioner Poto?nik following the Environment Council (19. Dezember 2011)

Council of European Union: Ergebnisse des EU-Umweltministerrats (3139th Council). Pressemitteilung (19. Dezember 2011)

EU-Kommission: Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa (20. September 2011)

EU-Parlament: Bericht über eine erfolgreiche Rohstoffstrategie für Europa
(2011/2056(INI)). Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE). Berichterstatter: Reinhard Bütikofer. Angenommen am 13. September 2011.
(25. Juli 2011)

EU-Kommission: Mittelung über die Festigung der Beziehungen zwischen der EU und Afrika. COM (2010) 634 (10. November 2010)

Öko-Institut: Social impacts of artisanal cobalt mining in Katanga, Democratic Republic of Congo (November 2011)

Öko-Institut: Was Notebooks und Elektroautos mit dem Kongo zu tun haben – Kobaltproduktion verbessern. Pressemitteilung (28. November 2011)