Rüstungsindustrie verbucht 17 Prozent mehr Umsatz
Im Wettlauf um einen schnellen Anstoß der Rüstungsproduktion in Europa hat die Industrie gut abgeschnitten. Dennoch fordern Unternehmen von Regierungen mehr finanzielle Zusagen, um über die kurzfristige Nachfrage im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine hinauszusehen.
Im Wettlauf um einen schnellen Anstoß der Rüstungsproduktion in Europa hat die Industrie gut abgeschnitten. Dennoch fordern Unternehmen von Regierungen mehr finanzielle Zusagen, um über die kurzfristige Nachfrage im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine hinauszusehen.
Die europäischen Verteidigungsindustrien verzeichneten 2024 einen Umsatzanstieg von 17 Prozent, wie Zahlen des Europäischen Verbands der Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie (AeroSpace and Defence Industries Association of Europe, ASD) am Dienstag (19. November) zeigten. Dieser Anstieg setzt den Trend des Vorjahres fort.
Die Daten zeigen, dass die europäischen Rüstungsunternehmen, einschließlich des Vereinigten Königreichs, ihre Einnahmen auch in diesem Jahr steigern konnten. Der Krieg in der Ukraine und die Notwendigkeit, die nationalen Verteidigungsbestände wieder aufzufüllen, haben diese Entwicklung begünstigt.
Mit Donald Trump im Weißen Haus, der Sicherheitsverpflichtungen Europa gegenüber zögerlich gegenübersteht, und einer ungewissen Zukunft für die Ukraine argumentieren Vertreter der Verteidigungsindustrie, dass Europa über kurzfristige Bedürfnisse hinausblicken sollte. Sie fordern weniger Fragmentierung im Sektor, lehnen aber die Bildung nationaler Champions ab.
Der 17-prozentige Anstieg liege größtenteils an einer „kurzfristigen Wiederauffüllung von Beständen wie Munition und Raketen, […] es sind kaum mittelfristige Investitionen in hochentwickelte Systeme zu verzeichnen“, kritisierte Airbus-CEO und Vorsitzender des Verbandes, Guillaume Faury.
Konkret wird der Aufwärtstrend „durch die Bemühungen der europäischen Staaten angetrieben, die Sicherheits- und Verteidigungsbereitschaft angesichts des anhaltenden Krieges in der Ukraine zu verbessern“, schreibt die ASD.
Da nur von der Ukraine ausgelöste kurzfristige Aufträge eingehen, fordert die Branche die Regierungen seit langem auf, sich zu größeren Aufträgen oder Investitionen zu verpflichten.
Die meisten halten eine Erweiterung der Produktionslinien, des Personals und der Lagerbestände für unerlässlich. Außerdem will man die Lieferketten unabhängiger vom Ausland machen und sich auf weitere Kriege vorbereiten, auch durch die Entwicklung von Spitzentechnologien. Andere, wie das deutsche Unternehmen Rheinmetall, haben dank ihres finanziellen Spielraums bereits Milliarden Euro investiert.
„Hoffnung ist keine Strategie“
„Die Hoffnung auf Frieden [in der Ukraine] war bisher eine Strategie. Hoffnung ist keine Strategie“, sagte Guillaume Faury.
„Ohne die Unterstützung der Verteidigungsindustrie wird es keine Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeiten [für die europäischen Streitkräfte] geben, da es dann keine starke Verteidigungsindustrie in Europa geben wird“, argumentierte Micael Johansson, CEO von Saab und ASD-Vizepräsident.
„Langfristige Verpflichtungen zu großen Investitionen fehlen weiterhin“, erklärte Johansson, mehr als zwei Jahre nach Kriegsbeginn.
Für den schwedischen Hersteller Saab bedeute dieser Mangel an Investitionen Unsicherheit, etwa beim Einkauf großer Mengen Schießpulver, so Johansson.
Faury sagte, dass das fragmentierte und wettbewerbsorientierte Bild der europäischen Verteidigung heute nicht die beste Verwendung von Steuergeldern sei. Stattdessen sprach er sich für eine bessere Verwendung der europäischen Gelder und die Unterstützung möglicher Änderungen der Wettbewerbsregeln aus.
„Die heutige Industrie ist durch ihre Fragmentierung für Steuerzahler nicht effizient: Wenn man so zersplittert und in kleiner Dimension agiert, sind die Kosten für Forschung und Entwicklung extrem ineffizient. Wettbewerb ist wichtig, aber auch die Größenordnung bei solchen Projekten“, betonte Faury.
[Bearbeitet von Rajnish Singh/Kjeld Neubert]