Russlandexperte: Trump kann nicht liefern was der Kreml braucht

Wladimir Putin hat Donald Trump bisher noch nicht offiziell zu seinem Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl gratuliert. Experten vermuten, dass der Kreml vorsichtig vorgehen möchte, um keine zu hohen Erwartungen an diesen Sieg zu knüpfen.

EURACTIV.com
US issues sanctions on Russia over Novichok nerve agent use
Der Meinung eines Analysten nach, würde ein Deal zwischen Trump (Bild L.) und Putin (Bild R.) die Fähigkeiten der Ukraine, der russischen Aggression weiter zu widerstehen, ernsthaft schwächen. [EPA-EFE/ANATOLY MALTSEV]

Wladimir Putin hat Donald Trump bisher noch nicht offiziell zu seinem Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl gratuliert. Experten vermuten, dass der Kreml vorsichtig vorgehen möchte, um keine zu hohen Erwartungen an diesen Sieg zu knüpfen.

Donald Trump ist der Kandidat, mit dem der Kreml bereit sei, eine Einigung zu erzielen, erklärte Nikolai Petrov, russischer Politologe und Leiter des Zentrums für politisch-geografische Forschung.

Zwar würden sich beide Seiten um eine Kontaktaufnahme bemühen, ernsthafte Veränderungen in den Beziehungen zwischen den Ländern seien jedoch nicht zu erwarten.

„In den nächsten vier Jahren ist ein Präsident im Weißen Haus, der kein Interesse an einer weiteren amerikanischen Beteiligung am Krieg in der Ukraine hat, wie es unter Biden der Fall war und unter Harris hätte sein können“, erklärte Petrov gegenüber Euractiv.

Der Kreml gehe davon aus, dass sich mit Trump leichter verhandeln lasse, da er eher geschäftsorientiert als werteorientiert denke – „ihn interessiert, was er im Gegenzug bekommt“, so Petrov.

Es ist jedoch fraglich, ob Wladimir Putin ihm etwas anzubieten hat. Auch hat Putin keinen Einfluss auf Trump. Der Kreml werde weiterhin seine Freundschaft zu China und Indien demonstrieren und versuchen, den Eindruck einer verstärkten militärischen Zusammenarbeit mit dem Iran zu erzeugen, erklärte der Politikanalyst Alexander Morozov gegenüber Euractiv. „All das ist unangenehm für die USA, aber kein Mittel, um Trump unter Druck zu setzen.“

Morozov hält einen Anruf von Trump bei Putin für unwahrscheinlich. „Für ein solches Gespräch müsste Trump konkrete Vorschläge zur Lösung der Situation in der Ukraine haben, und solche Vorschläge hat er nicht“, glaubt Morozov.

Experten sind sich jedoch einig, dass die Interessen von Putin und Trump langfristig zu unterschiedlich seien, um eine Einigung zu erzielen. „Der Kreml braucht keinen Teil der Ukraine und auch keine eingefrorene Konfliktlage. Er braucht eine demonstrative Niederlage des Westens. Doch Trump wird kaum seine Präsidentschaft mit einer öffentlichen Demütigung beginnen wollen“, sagte Petrov.

„Ich denke, er will keine Wiederholung der Situation von Biden, als die US-Truppen bereits zu Beginn seiner Präsidentschaft aus Afghanistan abzogen. Daher kann sich Trump das, was der Kreml braucht, kategorisch nicht leisten.“

Weniger Unterstützung für die Ukraine

Alexander Morozov glaubt, dass Trump seine Unterstützung für die Ukraine nicht vollständig einstellen wird. Er wird jedoch Druck auf seine europäischen Partner ausüben, da er die Verantwortung für den Krieg stärker bei Europa sieht. Europa, nicht die USA, sollte seiner Ansicht nach die Hauptlast der Unterstützung tragen.

„Wir sollten nicht befürchten, dass er dem Kreml entgegenkommt und, wie manche Publizisten sagen, die Ukraine aufgibt. Nein, meiner Meinung nach wird das nicht passieren. Wie es weitergeht, werden wir jedoch erst im März wissen, wenn die neue Regierung steht“, so Morozov.

Nikolai Petrov sieht die Situation pessimistischer. Seiner Meinung nach wird Trump die Unterstützung für die Ukraine definitiv verringern, was die Lage verschlechtern könnte.

„Europa ist nicht in der Lage, die Unterstützung der Ukraine durch die Vereinigten Staaten zu kompensieren. Zudem nimmt die Unterstützung der europäischen Bevölkerung für die Ukraine ab. Alles steuert auf einen gewissen öffentlichen Erfolg des Kremls hin“, erklärte Nikolai Petrov.

[Bearbeitet von Chris Powers/Kjeld Neubert]