Rutte: Deutschland habe nicht um mehr Gas aus Groningen gebeten
Im Moment gebe es keinen Antrag auf zusätzliche Gasförderung in Groningen, sagte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte nach bilateralen Konsultationen zwischen den Regierungen der Niederlande und Deutschlands inmitten der anhaltenden Energiekrise.
Im Moment gebe es keine Bitte um zusätzliche Gasförderung in Groningen, sagte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte nach bilateralen Konsultationen zwischen den Regierungen der Niederlande und Deutschlands.
Inmitten der europäischen Energiekrise scheint es außer Energieeinsparungen und begrenzten Lieferungen von verflüssigtem Erdgas (LNG) aus Exportländern wie den Vereinigten Staaten und Katar nur wenige Optionen zu geben.
Groningen, eines der größten Gasfelder der Welt, wurde als „der einzig mögliche Game-Changer in Europa“ bezeichnet, um russische Gaslieferungen zu ersetzen.
Das riesige niederländische Gasfeld produzierte einmal mehr als 40 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr, was 10 Prozent des EU-Verbrauchs entspricht. Die Produktion wurde jedoch gedrosselt, als Beben, welche die örtliche Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzten, häufiger wurden.
Am 1. Oktober hat die niederländische Regierung die Förderung für 2023 auf 2,8 Mrd. m3 (bcm) begrenzt, doch Schätzungen zufolge sind noch etwa 470 Mrd. m3 unter der Oberfläche vorhanden.
Während sich eine Gasknappheit abzeichnet, zögerte Bundeskanzler Olaf Scholz bei den Regierungskonsultationen am Dienstag (4. Oktober), seinen niederländischen Amtskollegen zu einer Erhöhung der Produktion aufzufordern.
Auf die Frage, ob die deutsche Seite um eine Erhöhung der Produktion in Groningen gebeten habe, antwortete Rutte: „Es gibt keine Bitte in diesem Augenblick“.
„Wenn alles wirklich schiefgeht, dann müsste man sich das nochmal anschauen. Das ist im Augenblick, was uns betrifft, nicht auf der Tagesordnung“, fügte er am Dienstag (4. Oktober) in Berlin hinzu.
Bundeskanzler Olaf Scholz äußerte sich vor Journalisten ebenfalls ablehnend. „Die Frage ist vom niederländischen Ministerpräsidenten weitgehend beantwortet worden“, antwortete er.
Sensibles Thema
Das Thema ist für die niederländische Regierung sensibel, da sie nicht den Eindruck erwecken will, dass die Ausbeutung fossiler Ressourcen auf Kosten des Wohlergehens der Menschen geht. Daher wurde das Thema in allen offiziellen Mitteilungen nach den Konsultationen sorgfältig ausgeklammert.
In einer gemeinsamen Erklärung, die nach dem Treffen veröffentlicht wurde, heißt es, dass der Krieg in der Ukraine und die Energiekrise das europäische Energiesystem „unter großen Druck“ setzen. „Infolgedessen ist die Verbindung von Energiesicherheit, Erschwinglichkeit und Nachhaltigkeit eine der dringendsten Aufgaben unserer Zeit“, heißt es weiter.
„Es ist erforderlich, dass wir kurzfristig die richtigen Maßnahmen ergreifen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und die Haushalte und Unternehmen in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen“, heißt es in der Erklärung.
Sofort danach wird der Blick in die Zukunft geworfen, nachdem beide Länder ähnliche Ambitionen für den Einsatz von erneuerbaren Energien und Wasserstoff haben.
Dass Deutschland zögert, die niederländische Regierung um Hilfe zu bitten, könnte an der bestehenden Infrastruktur liegen, die bereits mit maximaler Kapazität arbeitet.
„Wir haben die bestehenden Pipelines für den Gastransport von den Niederlanden nach Deutschland, die voll ausgelastet werden“, sagte Rutte und erklärte, dass die Niederlande „eine maximale [Gastransport-]Kapazität nach Deutschland“ hätte.
„Die volle Kapazität wird auch im nächsten Jahr genutzt werden“, versicherte er.
Nach Angaben von Britta van Boven, Managerin beim niederländischen Energiehändler Gasunie, liefern die Niederlande derzeit 11 Prozent des deutschen Gasverbrauchs.
Aus Groningen könnten jährlich bis zu 35 Mrd. Kubikmeter in das deutsche Netz eingespeist werden, was mehr als einem Drittel des deutschen Bedarfs entspräche, so van Boven gegenüber der Tagesschau.
Die niederländische Regierung ist angesichts der Energiekrise unter Druck geraten, die Produktion in Groningen hochzufahren.
Energieexperten wie der Niederländer Auke Hoekstra, Direktor des Forschungsinstituts NEON, weisen häufig darauf hin, dass das Gas unter Groningen bis zu 2,5 Billionen Euro wert sein könnte, wenn die Gaspreise auf 5 Euro pro Kubikmeter steigen.
Im August lag der Preis bereits bei 3,3 Euro pro Kubikmeter.
[Bearbeitet von Frédéric Simon]