Schweden plant ersten Einsatz im Rahmen der NATO-Mitgliedschaft

Schweden wird 2025 Land-, See- und Luftstreitkräfte der NATO zur Verfügung stellen. Nach dem Beitritt im März 2024 setzt das Land damit seinen Kurs fort, sich aktiv an der kollektiven Verteidigung zu beteiligen.

EURACTIV.com
Ein zentrales Thema des Gipfels ist die regionale Sicherheit, insbesondere nach der Beschädigung zweier Unterseekabel in der vergangenen Woche. [Shutterstock/DanaSnsk]

Schweden wird 2025 Land-, See- und Luftstreitkräfte der NATO zur Verfügung stellen. Nach dem Beitritt im März 2024 setzt das Land damit seinen Kurs fort, sich aktiv an der kollektiven Verteidigung zu beteiligen.

Die schwedische Regierung stellte ihr Gesetzesvorhaben „Schwedischer Beitrag zur NATO-Abschreckung und Verteidigung 2025“ am Montag (7. Oktober) vor.  Bereits Anfang 2025 soll demnach ein Bataillon nach Lettland sowie Kriegsschiffe und Flugzeuge entsendet werden. Es wird erwartet, dass das Gesetz in den kommenden Wochen zügig verabschiedet wird.

„Dies ist eine historische Entscheidung. Zum ersten Mal werden wir als Verbündeter eine Streitkraft zur kollektiven Verteidigung der NATO beitragen“, sagte Schwedens Außenministerin Maria Malmer Stenergard (M/EVP) während der Pressekonferenz.

Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 hatten Schweden und Finnland die NATO-Mitgliedschaft beantragt. Schweden trat schließlich im März 2024 dem Bündnis bei und beendete damit 200 Jahre militärischer Bündnisfreiheit.

„Schwedens Beitritt zur NATO ist eine der größten geopolitischen Veränderungen seit dem Fall der Berliner Mauer“, fügte Stenergard hinzu.

Zunächst wird Schweden rund 600 Soldaten in Form eines reduzierten Bataillons zur NATO-Frontpräsenz in Lettland beitragen, kündigte Verteidigungsminister Pål Jonson (M/EVP) an.

„Die Einheit wird derzeit ausgebildet“, erklärte der Minister und fügte hinzu, dass sie aus Offizieren und Berufssoldaten bestehen werde, nicht aus Wehrpflichtigen.

Die schwedische Regierung muss für diesen Einsatz mit Dänemark und Kanada kooperieren, da Dänemark im Rahmen eines sechsmonatigen Rotationsverfahrens ein Bataillon entsendet. Kanada führt die NATO-Truppen in Lettland an.

Darüber hinaus wird Schweden Kriegsschiffe zu den ständigen Seestreitkräften der NATO beitragen, wobei der Schwerpunkt auf Minenräumung und maritimer Überwachung liegen wird. Diese Schiffe sollen bis zu sechs Monate im Jahr 2025 im Einsatz sein.

Der Verteidigungsminister wies darauf hin, dass diese Einheiten vor allem im Nordatlantik operieren sollen, wobei auch die Nordsee und die Ostsee im Fokus stehen.

Im Falle eines bewaffneten Angriffs könnten sowohl das Bataillon in Lettland als auch die Kriegsschiffe vor Ort bleiben und Aufgaben übernehmen, die sich aus den operativen Planungen der NATO ergeben.

Schließlich werden schwedische Kampfflugzeuge auch die Luftraumüberwachung der NATO unterstützen, wie der schwedische Minister für Infrastruktur und Wohnungswesen, Andreas Carlson, mitteilte.

„Der schwedische Beitrag für das Jahr 2025 ist auf acht Kampfflugzeuge und das dazugehörige Personal geplant“, sagte Carlson.

Verschlechternde Sicherheitslage

Die schwedische Regierung beantragt die Zustimmung des Parlaments für ihr Mandat zur Bereitstellung militärischer Beiträge im Rahmen der NATO.

Dieses Mandat sieht vor, dass Truppen im Ausland rasch verstärkt werden können, ohne auf eine parlamentarische Genehmigung warten zu müssen, solange die festgelegten Obergrenzen nicht überschritten werden.

„Die Obergrenze, die wir gesetzt haben, umfasst insgesamt 1.200 Soldaten, sechs Kriegsschiffe und bis zu 24 Gripen-Kampfflugzeuge“, erklärte Verteidigungsminister Pål Jonson und betonte, dass diese Flexibilität es Schweden ermöglicht, „schnell und entschlossen auf eine sich verschlechternde Sicherheitslage zu reagieren.“

Anfang dieses Jahres hatte der Chef der schwedischen Streitkräfte erklärt, dass der russische Präsident Wladimir Putin „ein Auge auf“ die schwedische Ostseeinsel Gotland geworfen habe. Die Insel liegt strategisch günstig zwischen Schweden und Estland und nur 300 Kilometer von der russischen Ostseeflotte in der Exklave Kaliningrad entfernt.

Seit der Annexion der Krim im Jahr 2014 und insbesondere nach dem Krieg in der Ukraine 2022 hat Schweden die Insel verstärkt und seine militärischen Übungen intensiviert. Im April 2023 fand dort die größte Militärübung seit 25 Jahren statt, an der auch polnische und britische Truppen teilnahmen.

[Bearbeitet von Martina Monti/Kjeld Neubert]