Schweizer AKWs "sicherer als die deutschen"
Die Sicherheit der Atomkraftwerke war Hauptthema eines Treffens der Atomminister Deutschlands und der Schweiz. Die Schweizer Bundesrätin Doris Leuthard erläuterte im Gespräch mit Umweltminister Norbert Röttgen, warum sogar die alten Reaktoren der Schweiz sicherer als andere AKWs seien und warum die Schweiz ihre Stresstests sofort durchführt, ohne die EU-Kriterien abzuwarten.
Die Sicherheit der Atomkraftwerke war Hauptthema eines Treffens der Atomminister Deutschlands und der Schweiz. Die Schweizer Bundesrätin Doris Leuthard erläuterte im Gespräch mit Umweltminister Norbert Röttgen, warum sogar die alten Reaktoren der Schweiz sicherer als andere AKWs seien und warum die Schweiz ihre Stresstests sofort durchführt, ohne die EU-Kriterien abzuwarten.
Nach Ansicht der Schweizer Bundesrätin Dors Leuthard (CVP) – sie ist für Verkehr und Energie zuständig – hat die Schweiz strengere Kriterien bei Sicherheitsüberprüfungen von Kernkraftwerken als Deutschland und die gesamte EU. Sogar die älteren der bestehenden fünf Anlagen seien stets auf den neuesten Stand der Technik nachgerüstet worden, und im Gegensatz zu den deutschen Atommeilern gehört der bauliche Schutz gegen Flugzugabstürze in der Schweiz immer schon zum Standard.
"Die Kernkraftwerke in der Schweiz sind also sicherer als die deutschen", sagte Leuthard nach ihrem Gespräch mit dem deutschen Amtskollegen Norbert Röttgen (CDU) am Dienstagabend in der schweizerischen Botschaft in Berlin.
Drei Szenarien
Infolge Fukushima überdenken auch die Eidgenossen ihre Energiezukunft. Die Schweiz arbeite derzeit an drei Szenarien, erläuterte die Bundesrätin vor Schweizer Korrespondenten in Berlin. Das Parlament werde im Juni über diese drei Szenarien debattieren.
Das erste Szenario sei die Fortsetzung der bisherigen Politik, die einen Strommix einschließlich der Kernenergie vorsehe. Das zweite Szenario gehe davon aus, dass keine neuen Kernkraftwerke gebaut werden, und das dritte beinhalte eine Strategie, dass man die bestehenden fünf Reaktoren in der Schweiz sogar vor ihrem sicherheitstechnischen Ende schon vom Netz nehme.
Hier werde jetzt diskutiert, was man in welcher Zeit schaffen und welches Potenzial man ausschöpfen könne, welche Erneuerbare Energie sich in welchem Zeitrahmen aufbauen lasse, welche Folgen das für die Volkswirtschaft und für den Konsumenten habe, was das für Investoren bedeute etc.
Die Schweizer Regierung werde sich – als Vorbereitung für die Juni-Debatte im Parlament – bis Ende Mai positionieren.
"Wir warten nicht auf die Stresstest-Kriterien"
Zur Sicherheitslage der fünf bestehenden Reaktoren nannte Leuthard drei Punkte: Die Schweiz wolle nicht warten, bis der Stresstest definiert sei und endlich funktioniere. "Wir haben den sogenannten europäischen Stresstest nicht etwa verweigert, sondern ich habe schnell entschieden. Ich will nicht warten, bis die EU ihre Kriterien für diese Stresstests definiert hat, sondern will die Sicherheitsüberprüfung sofort. Wir müssen schnell unseren Bürgern Antworten erteilen können, was die Sicherheit der Reaktoren betrifft. "
Sie schließe nicht aus, wenn die EU soweit sei und dort noch weitere Kriterien definiert würden, dann würde dies die Schweiz selbstverständlich anpassen. "Inhaltlich arbeiten die Schweizer Aufsichtsbehörden mit den europäischen Kollegen eng zusammen. Sollte die EU weitere Faktoren in die Überprüfungen aufnehmen, werden wir das selbstverständlich übernehmen." Sie glaube aber nicht, dass die EU noch völlig neue Kriterien entwickelt werde.
Die Schweiz werde zudem ihre sicherheitstechnischen Analysen und Ergebnisse auf jeden Fall offenlegen.
Zweiter Punkt: "Im europäischen Stresstest werden nun Kriterien diskutiert, die wir in der Schweiz schon lange haben." Beispiel: Die Gefahr eines Flugzeugabsturzes auf ein Kernkraftwerk. "Das haben wir im Standard bereits drinnen. Daher haben wir das Gefühl, die schweizerischen Kriterien seien stärker als die anderen."
Brennstäbe in Zwischenlagern
Drittens: Auch die Probleme mit den Containments seien in der Schweiz besser geregelt. Speziell die Brennstäbe, die zur Kühlung in den Becken gelagert werden, befänden sich in einer höheren Sicherheitsstufe. Die Betriebe dürften nur einen ganz kleinen Teil der Brennstäbe in den Becken lagern, der große Teil müsse immer in das Zwischenlager transportiert werden, deshalb wisse man immer genau, wie viele Brennstäbe in solchen Becken lagerten.
Ewald König