Serbien fasst Goran Hadzic
In Serbien ist der mutmaßliche Kriegsverbrecher Goran Hadzic gefasst worden. Er galt nach der Festnahme von Ratko Mladic als der letzte Verdächtige, der vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Serbien gesucht wird. Der serbische Präsident Boris Tadic hatte bereits Ende Juni gegenüber EURACTIV.de erklärt, dass man Hadzic "sehr bald" finden werde.
In Serbien ist der mutmaßliche Kriegsverbrecher Goran Hadzic gefasst worden. Er galt nach der Festnahme von Ratko Mladic als der letzte Verdächtige, der vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Serbien gesucht wird. Der serbische Präsident Boris Tadic hatte bereits Ende Juni gegenüber EURACTIV.de erklärt, dass man Hadzic „sehr bald“ finden werde.
Die serbischen Behörden haben den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Goran Hadzic festgenommen. Dies bestätigte der serbische Präsident Boris Tadic am Mittwochvormittag auf einer Pressekonferenz.
Hadzic, der frühere Präsident der selbsternannten serbischen Republik Krajina in Kroatien, war 2004 untergetaucht. Er soll für den Tod hunderter kroatischer Zivilisten und die Deportation von zehntausenden Kroaten durch die serbischen Truppen während des Kroatien-Krieges verantwortlich sein.
Hadzic ist der letzte der vom Internationalen Strafgerichtshof für das frühere Jugoslawien gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher.
Seine Verhaftung war eine Bedingung für die weitere Annäherung Serbiens an die EU. Belgrad hofft jetzt, mit der Auslieferung aller vom UN-Tribunal gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher bis zum Jahresende offiziell EU-Beitrittskandidat zu werden.
"Frustrierend, schmerzlich und langweilig"
"Das Verstecken von [Ratko] Mladic und [Radovan] Karadzic hatte nichts zu tun mit dem von Hadzic", sagte Präsident Tadic gegenüber EURACTIV.de Ende Juni nach einer Rede zur Entwicklung Serbiens bei der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin. Es sei sehr schwierig gewesen, eine gewisse Methodologie bei der Verfolgung der Flüchtigen aufzubauen. "Wir haben jedoch genügend Erfahrungen darin und denken, dass auch Hadzic sehr bald gefunden wird", so Tadic.
Seit Beginn seiner Präsidentschaft wurde er auf allen internationalen Veranstaltungen und Treffen gefragt, was denn nun mit den Kriegsverbrechern sei. "Das war sehr frustrierend, sehr schmerzlich und auch sehr langweilig für mich", erklärte Tadic.
Nach Jahren auf der Flucht war der meistgesuchte mutmaßliche Kriegsverbrecher Europas, Ratko Mladic, Ende Mai in Serbien gefasst worden (EURACTIV.de vom 26. Mai 2011). Der als "Schlächter vom Balkan" bekannte Ex-General wurde vom Haager UN-Kriegsverbrechertribunal unter anderem wegen des Massakers in der bosnischen Stadt Srebrenica 1995 angeklagt. Tausende serbische Nationalisten protestierten in Belgrad gegen seine Festnahme (EURACTIV.de vom 30. Mai 2011).
Signal des Wandels innerhalb Serbiens
"Die Verhaftung von Goran Hadzic ist ein ermutigendes Zeichen für die Opfer, dass die Täter nicht ungestraft davon kommen. Zudem ist es ein wichtiges Signal des Wandels innerhalb Serbiens", erklärte die CDU-Europaabgeordnete und langjährige Vorsitzende der Delegation des EU-Parlaments zu den Staaten Südosteuropas, Doris Pack.
Allerdings könne man sich nicht des Verdachts erwehren, so Pack, dass der Zeitpunkt der Verhaftung von Hadzic, wie auch die des ehemaligen Generals Mladic, wohl auch der zeitlichen Nähe zu den anstehenden Entscheidungen der EU-Mitgliedstaaten über einen möglichen EU-Kandidatenstatus für Serbien sowie eines eventuellen Datums für den Verhandlungsbeginn geschuldet seien.
"Umso entschlossener kann Serbien jetzt den eingeschlagenen Weg der Annäherung an Europa verfolgen und intensiv an den Reformen im eigenen Land arbeiten. Gleichzeitig muss Serbien den Ausgleich mit seinen unmittelbaren Nachbarn suchen, und seine gutnachbarschaftlichen Beziehungen zu den anderen Ländern der Region ausbauen. Insbesondere der Dialog mit dem Nachbarland Kosovo muss bald konkrete Ergebnisse für die dort lebenden Menschen bringen", betonte Pack.
dto
Links
Presse
B92: Reports: Remaining Hague fugitive arrested (20. Juli 2011)
Mehr zum Thema auf EURACTIV.de
Belgrad: Krawalle bei Protesten gegen Mladic-Festnahme (30. Mai 2011)
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