Weitere Porno-Webseite auf der Liste des digitalen EU-Regelwerks
Die EU-Kommission hat am Mittwoch (10. Juli) die Pornografie-Plattform XNXX als sehr große Online-Plattform (VLOP) eingestuft. Damit muss sie im Rahmen des Gesetzes über digitale Dienste (DSA) bestimmte Anforderungen zur Moderation von Inhalten einhalten.
Die EU-Kommission hat am Mittwoch (10. Juli) die Pornografie-Plattform XNXX als sehr große Online-Plattform (VLOP) eingestuft. Damit muss sie im Rahmen des Gesetzes über digitale Dienste (DSA) bestimmte Anforderungen zur Moderation von Inhalten einhalten.
Die Einstufung der Pornografie-Webseite XNXX als sehr große Online-Plattform durch die Europäische Kommission ist nach der Einstufung von Xvideos, Pornhub und Stripchat im vergangenen Dezember die vierte im Bereich der Webseiten für Erwachsene.
Einem Artikel der Financial Times von 2023 zufolge befinden sich XNXX und Xvideos im Besitz desselben Unternehmens, der WGCZ Holding.
XNXX muss nun bis Mitte November die strengsten Anforderungen des Gesetzes über digitale Dienste erfüllen oder riskiert Geldstrafen von bis zu sechs Prozent seines weltweiten Umsatzes.
Das Gesetz zielt darauf ab, ein sichereres digitales Umfeld zu schaffen, indem es Online-Akteure Verantwortung zuweist. Dies gilt zum Beispiel für den Umgang mit illegalen Inhalten, einschließlich gefährlicher Waren und schädlicher Inhalte wie Hassreden.
Es stuft Plattformen oder Suchmaschinen mit mehr als 45 Millionen monatlichen Nutzern in der EU als sehr große Online-Plattformen oder -Suchmaschinen (VLOP/VLOSE) ein.
Dazu gehören die Social-Media-Netzwerke Instagram und TikTok, die Suchmaschinen Google Search und Bing sowie Einzelhändler wie AliExpress und Zalando.
Zu den Anforderungen gehören die Umsetzung von Nutzerschutzmaßnahmen und die Verhinderung des Zugriffs von Minderjährigen auf nicht jugendfreie Inhalte durch den Einsatz von Altersüberprüfungsinstrumenten. Auch die Gewährung des Datenzugriffs für Forscher und die Pflege eines Werbespeichers gehören dazu.
Die Plattform muss auch die systemischen Risiken ihrer Dienste bewerten und verringern. Hierzu gehören die Verbreitung illegaler Inhalte und negative Auswirkungen auf das psychische und physische Wohlbefinden der Nutzer.
Der erste Risikobewertungsbericht muss Mitte November vorgelegt werden.
Die Kommission wird in Zusammenarbeit mit dem tschechischen Koordinator für digitale Dienste die Einhaltung des Gesetzes über digitale Dienste durch XNXX überwachen. Die Muttergesellschaft von XNXX, die WGCZ Holding, hat ihren Sitz in Prag.
Euractiv konnte XNXX nicht für einen Kommentar erreichen, da das Formular für Presseanfragen auf der Webseite nicht funktionierte.
Seit dem 17. Februar, als das Gesetz in Kraft trat, sind alle Online-Plattformen verpflichtet, die allgemeinen Verpflichtungen des Gesetzes zu befolgen. Zu diesen zählen die Bereitstellung von Mechanismen zur Meldung illegaler Inhalte, die eindeutige Kennzeichnung von Werbung und die Veröffentlichung jährlicher Transparenzberichte.
Eine Einstufung als sehr große Online-Plattform bringt jedoch zusätzliche Verpflichtungen mit sich.
Im März kündigten Xvideos, Pornhub und Stripchat an, dass sie die EU wegen ihrer neuen Verpflichtungen verklagen würden.
Aylo, der Eigentümer von Pornhub, erklärte damals gegenüber Euractiv, dass die Kommission die Nutzerzahlen falsch eingeschätzt habe. Daher sei die Plattform mit den Anforderungen bezüglich des Werbespeichers nicht einverstanden.
Im Juni forderte die Kommission die drei Plattformen förmlich auf, detaillierte Informationen über ihre Einhaltung des Gesetzes zu liefern.
[Bearbeitet von Eliza Gkritsi/Alice Taylor/Kjeld Neubert]