Serbien fürchtet Verdrängung eigener Exporte durch ukrainisches Getreide
Russlands Rückzug aus dem Getreideabkommen könnte zu einer Verdrängung serbischer Exporte führen, wenn die Ukraine gezwungen wäre, Waren über die Donau zu exportieren, so der EURACTIV-Analyst für Agrarwirtschaft Žarko Galetin.
Russlands Rückzug aus dem Getreideabkommen könnte zu einer Verdrängung serbischer Exporte führen, wenn die Ukraine gezwungen wäre, Waren über die Donau zu exportieren, so der Analyst für Agrarwirtschaft Žarko Galetin.
Mit Russlands Angriff auf die Ukraine und des Kremls Kontrolle über das Schwarze Meer stiegen weltweit die Getreidepreise. Denn mit der Ukraine war einer der wichtigsten Exporteure weggefallen – das angegriffene Land ist seit jeher ein Brotkorb der Welt.
Das von den Vereinten Nationen und der Türkei im vergangenen Juli ausgehandelte Getreideabkommen linderte die weltweite Nahrungsmittelkrise. Damit war zumindest ein gewisser Grad an Exporten von ukrainischem Getreide an die Weltmärkte möglich.
Mit der Aufkündigung des Abkommens vonseiten Russlands drohen erneute Verwerfungen. auch die unmittelbare Nachbarschaft ist betroffen.
„Die drei wichtigsten ukrainischen Häfen sind zugleich die wichtigsten Seewege für den Export von Getreide und Ölsaaten. Vor dem Krieg exportierte die Ukraine bis zu 80 Prozent über die Schwarzmeerhäfen, vor allem über die umstrittenen Häfen, was dann wegen des Krieges nicht mehr möglich war“, sagte Galetin gegenüber EURACTIV.
Die Ukraine verfüge nun wieder über große Mengen an Getreide und Ölsaaten, die sie nicht verkaufen kann, so Galetin weiter. Daher könnten Waren nun alternativ über die Donau nach Mitteleuropa verschifft werden – ein wichtiges Exportziel für Serbien.
„Wenn das passiert, wird Constanta so voll mit Waren sein, dass Serbien keinen Platz mehr hat, um seinen Weizen und Mais zu verkaufen, und das wird dann auch für Serbien ein Problem sein. Das kann sich negativ auswirken, vor allem, wenn man bedenkt, dass Serbien bei der Produktion von Weizen und Mais eine regionale Macht ist“, sagte Galetin.
Galetin befürchtet, dass Serbien einen wichtigen Absatzmarkt verlieren wird. Das bedeutet, dass es keine Möglichkeit mehr gäbe, Waren über den üblichen Weg zu exportieren. Serbien müsste sich dann an Italien oder Länder in Afrika wenden, um neue Routen zu schaffen.
„Der bei weitem profitabelste Markt ist jedoch der Markt im Schwarzmeerraum, vor allem der Hafen von Constanta“, so Galetin.
„Das ist der Fluch des Lebensmittelmarktes. Jeder Teilnehmer in dieser Kette hat seine eigenen Gründe, lebt sein Leben für sich selbst, und es ist ihm egal, ob andere Produzenten scheitern, solange er seinen eigenen Profit hat“, sagte er weiter. Hieran sei ein Mangel von Regulierung des Marktes schuld, so der Analyst.
In Belgrad, wo man ohnedies eine Gratwanderung zwischen Russland und der EU unternimmt, wird man diese Aussicht nicht allzu freudig annehmen.