Sigmar Gabriel macht Platz für Martin Schulz

Sigmar Gabriel verzichtet übereinstimmenden Berichten zufolge auf den Parteivorsitz der SPD und die Kanzlerkandidatur. Beide Posten soll Martin Schulz übernehmen. Gabriels Zukunft: Außenminister.

Der Tagesspiegel
Sigmar GABRIEL, Udo BULLMANN, Martin SCHULZ EP President
WerMartin Schulz.

Sigmar Gabriel verzichtet übereinstimmenden Berichten zufolge auf den Parteivorsitz der SPD und die Kanzlerkandidatur. Beide Posten soll Martin Schulz übernehmen. Gabriels Zukunft: Außenminister.

SPD-Chef Sigmar Gabriel verzichtet auf die Kanzlerkandidatur und schlägt den bisherigen EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz als Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel vor. Schulz solle auch Parteichef werden, sagte Gabriel am Dienstag nach Teilnehmerangaben in der SPD-Fraktionssitzung in Berlin, berichtet die Deutsche Presseagentur. Das hatte zuvor auch schon die „Zeit“ vermeldet. „Wenn ich jetzt anträte, würde ich scheitern und mit mir die SPD“, begründete Gabriel seinen Schritt in einem Exklusiv-Interview mit dem „Stern“. Schulz habe „die eindeutig besseren Wahlchancen“.

„Alle Umfragen haben gezeigt, dass die Menschen keine große Koalition mehr wollen“, soll Gabriel in der SPD-Fraktionssitzung gesagt haben, wie Reuters unter Berufung auf einen Teilnehmer berichtet. „Für die stehe ich aber in den Köpfen der Menschen. Daher ist Martin Schulz der geeignete Mann.“ Seine eigene Zukunft sieht Schulz im Auswärtigen Amt:

Gabriel will auch sein Amt als Wirtschaftsminister niederlegen und Frank-Walter Steinmeier als Außenminister nachfolgen, noch ehe dieser zum Bundespräsident gewählt werde. Das kündigte er im „Stern“-Interview an. Auch die „Zeit“, deren stellvertretender Chefredakteur Bernd Ulrich in den letzten Monaten mehrere Gespräche Gabriel geführt hatte, sprach von einer Zukunft Gabriels. Er wolle seine Entscheidung und seine Beweggründe der Parteispitze bei einem Treffen am Dienstag darlegen.

Linke: Kurs der SPD bleibt unklar

Der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei, Matthias Höhn, kommentierte den Rückzug von Gabriel mit den Worten: „Gabriel oder Schulz, das mag für manche spannend sein.“ Entscheidend sei aber, welche Inhalte die SPD in den nächsten Jahren umsetzen wolle, sagte Höhn dem Tagesspiegel. „Und das ist nach wie vor völlig unklar.“

Gabriels Rückzug hatte zuerst der Mediendienst „Meedia“ verkündet. Der Parteivorsitzende habe dem Magazin „Stern“ in einem Exklusiv-Interview gesagt, dass er auf die Position des Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl im September verzichte, berichtete das Portal am Dienstagnachmittag.

„Meedia“ berief sich auf die Titelseite der nächsten „Stern“-Ausgabe, die dem Dienst offenbar vorliegt. Sie ist demnach mit „Der Rücktritt“ überschrieben. Gabriel kündigt demzufolge gleichzeitig seinen Rückzug vom Parteivorsitz an und übt in dem Gespräch auch Kritik an Angela Merkel. Wegen der Brisanz der Nachricht werde der „Stern“ schon am Mittwoch und nicht wie üblich am Donnerstag erscheinen. Eine SPD-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Der 57-jährige Gabriel ist seit 2009 Chef der SPD. Der 61-jährige Schulz war seit 1994 im Europaparlament und zuletzt Präsident. Er schied Ende vergangenen Jahres aus diesem Amt aus. In der Bundespolitik ist er ein Neuling. Die Bundestagswahl findet am 24. September statt.