Skandinavische Medien enthüllen russisches Sabotage-Spionageprogramm

Einem am Mittwoch ausgestrahlten Dokumentarfilm zufolge soll ein russisches Militärprogramm Offshore-Windparks, Gaspipelines sowie Strom- und Internetkabel in Dänemark, Norwegen, Finnland und Schweden kartografisch erfasst haben.

Euractiv.com
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Den Quellen zufolge, auf die sich die vier Medien berufen, ist das Militärprogramm Teil der russischen Vorbereitungen auf einen größeren Konflikt mit dem Westen. Eine große Zahl von militärischen und zivilen Schiffen umkreist die nordischen Gewässer, um herauszufinden, was auf dem Meeresgrund liegt und wie die Infrastrukturen miteinander verbunden sind. [Shutterstock/JesperG]

Einem am Mittwoch ausgestrahlten Dokumentarfilm zufolge soll ein russisches Militärprogramm Offshore-Windparks, Gaspipelines sowie Strom- und Internetkabel in Dänemark, Norwegen, Finnland und Schweden kartografisch erfasst haben.

Der Dokumentarfilm „Skyggekrigen“ wurde vom dänischen öffentlich-rechtlichen Sender DR in Zusammenarbeit mit norwegischen, schwedischen und finnischen Fernsehsendern produziert. Er enthüllt, dass Russland Sabotageakte gegen die nordischen Länder plant und durchführen will, einschließlich der Durchtrennung von Strom- und Datenkabeln über den Atlantik und den Rest Europas.

Den Quellen zufolge, auf die sich die vier Medien berufen, ist das Militärprogramm Teil der russischen Vorbereitungen auf einen größeren Konflikt mit dem Westen. Eine große Zahl von militärischen und zivilen Schiffen umkreist die nordischen Gewässer, um herauszufinden, was auf dem Meeresgrund liegt und wie die Infrastrukturen miteinander verbunden sind.

„Im Falle eines Konflikts mit dem Westen sind sie bereit und wissen, wo sie zuschlagen müssen, wenn sie die dänische Gesellschaft lahmlegen wollen“, sagt Anders Henriksen, der Leiter der Spionageabwehr des dänischen Geheimdienstes (Politiets Efterretningstjeneste, PET).

Nils Andreas Stensønes, der Leiter des norwegischen Geheimdienstes, erklärte, das Militärprogramm sei eine strategische Kapazität für Russland, die als wesentlich angesehen und direkt von Moskau aus gesteuert werde.

Gemeinsam mit norwegischen (NRK), schwedischen (SVT) und finnischen (Yle) Fernsehsendern hat das DR im Rahmen seiner Ermittlungen abgehörte Funksprüche der russischen Marine erhalten, aus denen hervorging, dass russische „Geisterschiffe“ in nordischen Gewässern fahren und ihre AIS-Sender (Automatic Identification System) ausschalten, damit ihre Standorte nicht weitergegeben werden.

Ein solches Beispiel ist das russische Marineschiff „Admiral Wladimirski.“ Offiziell ist das Schiff mit ozeanographischen Forschungen beschäftigt, doch nach Angaben von DR wird es auch für nachrichtendienstliche Zwecke eingesetzt, da das Schiff Funksprüche mit Positionsangaben an eine Flottenbasis in Russland gesendet hat.

Anhand der abgefangenen Funksprüche haben die Dokumentarfilmer herausgefunden, dass die Admiral Wladimirski einen Monat lang durch die Ostsee, das Starbælt, das Kattegat und die Nordsee gefahren ist. Dabei kam das Schiff an bestehenden und künftigen Offshore-Windparks vorbei, wo es mehrere Tage lang blieb.

Geheimdienstquellen und -experten zufolge bestand das Ziel der Mission von Admiral Wladimirski in nordischen Gewässern in der Vorbereitung von Sabotageakten, mit denen Russland möglicherweise die Stromversorgung in Nordwesteuropa lahmlegen könnte.

„Das ist es, was Forschungsschiffe tun – als Teil der Vorbereitung auf einen großen Krieg mit der NATO“, hieß es aus den Reihen eines westlichen Geheimdienstes in dem Dokumentarfilm.

Konkret hat das russische Marineschiff wahrscheinlich die Strom- und Datenkabel von den Offshore-Windparks zum Onshore-Netz und deren Verbindungen sowie die Lage anderer wichtiger Infrastrukturen erfasst.

Enthüllungen werden ernst genommen

In Schweden erklärte der ehemalige Verteidigungsminister Peter Hulqvist, dass in den letzten Jahren 50 russische „Geisterschiffe“ in der nordischen Region entdeckt wurden, 27 davon in schwedischen Gewässern.

Ihm zufolge steckt hinter dem, was die russischen Schiffe tatsächlich tun, eine klare und ernsthafte Absicht.

„Es geht darum, eine Grundlage für russische Kriegsplanungen direkt gegen Schweden zu schaffen. Das Ziel ist es, herauszufinden, wie man schwedische Systeme sabotieren kann“, sagte er dem schwedischen Rundfunk SVT.

Auch schwedische Regierungsvertreter reagierten scharf auf die Enthüllungen über die umfangreiche russische Spionage vom Meer aus.

Mikael Oscarsson, verteidigungspolitischer Sprecher der Christdemokraten, bezeichnete das Verhalten als „inakzeptabel“ und will das Thema nun am Donnerstag im Verteidigungsausschuss zur Sprache bringen.

Die schwedischen Streitkräfte, der schwedische Militärgeheimdienst und der Sicherheitsdienst werden aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, sagte er gegenüber SVT.

Die Entdeckung der russischen Aufzeichnungen und möglichen Sabotagepläne in der nordischen Region hat auch bei den dänischen, norwegischen und finnischen Behörden Besorgnis ausgelöst.

Die dänische Regierung hat verstärkte Sicherheitsvorkehrungen um ihre Offshore-Windparks gefordert, und die dänische Energiebehörde hat eine dringende Überprüfung der Sicherheits- und Notfallpläne für den Offshore-Windsektor angeordnet.

Das norwegische Verteidigungsministerium hat ebenfalls seine Besorgnis über die Situation geäußert und beobachtet die Lage genau.

Die Europäische Kommission, die von EURACTIV kontaktiert wurde, äußerte sich nicht zu dieser Angelegenheit und insbesondere nicht zur Sicherheit kritischer EU-Infrastrukturen.