South-Stream punktet im Wettlauf mit Nabucco
Das Wettrennen um die europäische Gasversorgung spitzt sich zu. Während das Nabucco-Projekt nur schleppend vorankommt, vereinbaren Russland und Bulgarien weitere Schritte zum Bau der South-Stream-Pipeline.
Das Wettrennen um die europäische Gasversorgung spitzt sich zu. Während das Nabucco-Projekt nur schleppend vorankommt, vereinbaren Russland und Bulgarien weitere Schritte zum Bau der South-Stream-Pipeline.
Bulgarien und Russland haben einen Fahrplan für das Gasprojekt South-Stream unterzeichnet. Der russische Energieminister Sergej Schmatko und sein Kollege Trajtscho Trajkow unterzeichneten am Samstag das Dokument in der bulgarischen Schwarzmeerstadt Warna. Das meldete die Nachrichtenagentur RIA Novosti. Die South-Stream-Leitung gilt als Konkurrenzprojekt für die von der EU unterstützte Pipeline Nabucco, an der Bulgarien ebenso beteiligt ist.
Durch die South-Stream-Pipeline zwischen Russland und Italien soll Erdgas für Südeuropa fließen. Der Fahrplan sieht unter anderem die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens vor. Die bürgerliche Regierung in Sofia hatte beim Amtsantritt vor einem Jahr den wirtschaftlichen Sinn des Projekts noch bezweifelt. Die Lieferungen an Bulgarien sollen nun größer ausfallen als bisher geplant. Bis zu 63 Milliarden Kubikmeter sollen jährlich geliefert werden.
Zudem vereinbarte Bulgarien niedrigere Preise für den aktuellen Import von russischem Erdgas. Das Balkanland ist auch nach dem EU-Beitritt 2007 komplett auf die russischen Gaslieferungen angewiesen.
Die 900 Kilometer lange Leitung soll durch das Schwarze Meer nach Bulgarien und dann in zwei Strängen nach Ungarn und Österreich sowie nach Griechenland und Italien führen. Die ersten Lieferungen sind für 2015 geplant. Der niederländische Energie-Experte Marcel Kramer soll das Projekt in Zukunft leiten.
Für South-Stream häufen sich derzeit die Erfolgsmeldungen. So steigt der französische Energieriese Electricité de France (EDF) Ende dieses Jahres in das russisch-italienische Gasprojekt ein, wie im Juni bekannt wurde. EDF erhält 20 Prozent an dem Projekt, das bisher je zur Hälfte vom russischen Energiemonopolisten Gazprom und dem italienischen Versorger Eni getragen wurde.
South-Stream vs. Nabucco
Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der russische Konzern Gazprom versucht hat, den deutschen Versorger RWE zu einem Ausstieg bei Nabucco und stattdessen zu einer Kooperation an dem russischen Pipeline-Projekt South-Stream zu bewegen (EURACTIV.de vom 12. Juli 2010). RWE gab an, alle eingehenden Angebote zu prüfen. Gleichzeitig betonte man allerdings, dass die Nabucco-Pipeline besondere Priorität hat. Experten bezweifeln, dass beide Pipelines gleichzeitig wirtschaftlich betrieben werden könnten.
Nabucco soll Europa unabhängiger von russischem Gas machen. Derzeit deckt Gazprom zum Beispiel rund 37 Prozent der deutschen Gasnachfrage. South-Stream würde die europäische Abhängigkeit dagegen noch festigen.
Nabucco kommt derzeit allerdings nur schleppend voran. Es fehlen feste Gaslieferzusagen, etwa aus Turkmenistan. Zudem bereitet der mögliche Gastransport durch das Kaspische Meer Schwierigkeiten. Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew wirft den Europäern vor, nicht genug für den Bau der Nabucco-Pipeline zu tun (EURACTIV.de vom 19. Juli 2010). Der Zentralasien-Experte Michael Laubsch stellt im EURACTIV.de-Interview in Frage, ob genügend Gas für Nabucco verfügbar sein wird.
EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat die am Nabucco-Konsortium beteiligten Firmen vergangene Woche aufgefordert, bis Ende des Jahres eine konkrete Planung für den Bau des Milliarden-Projektes vorzulegen. Die EU fördert die Pipeline im Rahmen eines EU-Konjunkturprogramms mit 200 Millionen Euro.
dpa/rtr/awr
Presse
RIA Novosti: Russland und Bulgarien besiegeln Roadmap für South Stream (17. Juli 2010)
Zum Thema
Kasachstan kritisiert Untätigkeit der Europäer bei Nabucco (EURACTIV.de vom 19. Juli 2010)
Gazprom will Nabucco-Konsortium sprengen (EURACTIV.de vom 12. Juli 2010)
Das Abenteuer Turkmenistan (EURACTIV.de vom 18. Mai 2010)
Link
Nabucco-Pipeline: Internetseite
South Stream-Pipeline: Internetseite