Spanien drängt auf strategische EU-Autonomie bei Lebensmitteln

Angesichts des Drucks, mit weniger Ressourcen Lebensmittel für eine wachsende Bevölkerung zu produzieren, hat sich der spanische Agrarminister Luis Planas dafür ausgesprochen, in dem Bereich nach "strategischer Autonomie" zu streben.

EFEAgro
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Als Herausforderungen für dieses Jahr nannte Planas (Bild) die Umsetzung der neuen GAP, die spanische EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte und den geopolitischen Kontext, der durch den Ukrainekrieg geprägt ist. [Shutterstock/Alexandros Michailidis]

Angesichts des Drucks, mit weniger Ressourcen Lebensmittel für eine wachsende Bevölkerung zu produzieren, hat sich der spanische Agrarminister Luis Planas dafür ausgesprochen, in dem Bereich nach „strategischer Autonomie“ zu streben.

Der Krieg in der Ukraine und die COVID-19-Pandemie „haben uns gezwungen, über die Geopolitik im Lebensmittelbereich nachzudenken und haben das Konzept der strategischen Autonomie in der Wertschöpfungskette auf den Tisch gebracht“, erklärte der Sozialdemokrat in einem Exklusivinterview mit EFEagro, Partnermedium von EURACTIV.

Als anstehende Herausforderungen für dieses Jahr nannte Planas die Umsetzung der neuen Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP), die spanische EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte und den geopolitischen Kontext, der durch den Ukrainekrieg geprägt sei.

Spanien hat für die zweite Jahreshälfte fünf formelle EU-Ratstagungen für Landwirtschaft und Fischerei sowie zwei weitere informelle Ratstagungen angesetzt, von denen eine im Juli in Vigo und eine weitere im September in Córdoba stattfinden soll.

Mit denjenigen, die denken, dass sich die EU „in Richtung eines Rückgangs der Lebensmittelproduktion bewegen muss, bin ich überhaupt nicht einverstanden“, betonte er.

Neben dem Bevölkerungswachstum, das bis 2050 auf mehr als 9 Milliarden Menschen geschätzt wird, „eröffnen Krieg und COVID eine weitere neue Überlegung zur Geopolitik der Nahrungsmittelproduktion: Kommunikation und Außenhandel können gestört werden, daher ist ein anderes Konzept wichtig, nämlich das der strategischen Autonomie“, so der Minister.

Die Auswirkungen des Ukrainekriegs auf die Energie- und Düngemittelversorgung sowie die Getreidemärkte seien ein Beispiel hierfür.

Um die Erzeuger:innen vor dem Anstieg von Betriebsmittelpreisen für Energie, Rohstoffe oder Düngemittel und die Verbraucher:innen vor dem Anstieg der Lebensmittelpreise zu schützen, habe die spanische Regierung mehrere Entlastungsmaßnahmen beschlossen, darunter die Senkung der Kraftstoffsteuer und die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel sowie die Senkung der Mehrwertsteuer auf Öl und Teigwaren, betonte er.

Im Jahr 2023 stehen laut Planas zwei große Herausforderungen an, die bereits im Jahr 2022 zu spüren gewesen seien: „Dass die Bürger:innen qualitativ hochwertige Lebensmittel zu vernünftigen Preisen erhalten und dass die Produktion im Laufe der Zeit auf ein nachhaltiges Modell umgestellt wird, das weniger Ressourcen verbraucht und deren Verlust und Verschwendung vermeidet“, so der Minister.

Letzteres sei „von grundlegender Bedeutung“, betonte er und fügte hinzu, dass der spanische Gesetzesentwurf über Abfälle noch in diesem Jahr im Parlament abgestimmt und „von der Europäischen Kommission als Inspirationsquelle genutzt werden wird.“

„Wir können nicht zulassen, dass 30 Prozent der Lebensmittel verschwendet werden,“ so Planas. „Das ist eine politische, wirtschaftliche, soziale und, das muss man sagen, ethische Frage.“

Lesen Sie das vollständige Interview (auf Spanisch).