Spannungen zwischen Athen und Tirana: Verwirrung über Waldbrand-Hilfe
Berichten zufolge wurde am Mittwoch eine Delegation albanischer Feuerwehrleute sowie Feuerschutzausrüstung an der griechischen Grenze abgewiesen. Zwischen Athen und Tirana gibt es jedoch widersprüchliche Versionen der Ereignisse.
Berichten zufolge wurde am Mittwoch eine Delegation albanischer Feuerwehrleute sowie Feuerschutzausrüstung an der griechischen Grenze abgewiesen. Zwischen Athen und Tirana gibt es jedoch widersprüchliche Versionen der Ereignisse.
In den vergangenen Tagen hatten Waldbrände im Nordosten Griechenlands Verwüstung angerichtet. Dabei wurden mindestens 18 Menschen – darunter auch Migranten – getötet. Hunderte Feuerwehrleute sind im Einsatz, um mehrere Brände einzudämmen, die bereits seit Tagen lodern und die Evakuierung großer Gebiete erforderlich machen.
Einer Mitteilung des albanischen Verteidigungsministers Niko Peleshi zufolge wurden 58 Beamte und 10 Fahrzeuge zum Grenzübergang Kapshtica entsandt, um den griechischen Behörden bei der Eindämmung der Brände zu helfen.
Peleshi zufolge überquerten die Teams jedoch nicht die Grenze, da Griechenland die Hilfe abgewiesen habe, weil andere EU-Länder bereits genug Hilfe geleistet hätten.
„Wir wurden von der griechischen Seite informiert, dass es nicht mehr notwendig ist, die von Albanien angebotene Hilfe in Anspruch zu nehmen, da sie von anderen Ländern abgeschlossen wurde“, schrieb Peleshi auf seiner offiziellen Facebook-Seite.
Dies betreffe ein „Team von 58 Offizieren und zehn Fahrzeugen der Streitkräfte und anderer operativer Strukturen des albanischen Zivilschutzes“, so der Minister. Die Regierung warte auf die Bestätigung der griechischen Seite, dass die Hilfskräfte in den Gebieten eingreifen können, in denen sie gebraucht werden.
„Das Verteidigungsministerium wünscht, dass die ernste Situation in dem befreundeten Land so schnell und so einfach wie möglich vorübergeht. Es bleibt verpflichtet, Freunden, Partnern und Nachbarn in jedem Fall beizustehen, wenn die Bedrohung es notwendig macht, die Prinzipien zu bekräftigen, die uns vereinen“, fügte er hinzu.
Der Minister äußerte sich besorgt über die ernste Lage in Griechenland und sprach denjenigen sein Beileid aus, die ihr Leben verloren haben.
Laut Peleshi wurde die Hilfe über das Europäische Katastrophenschutzverfahren angeboten, dem EU-Mitgliedstaaten und neun Nicht-EU-Staaten angehören. Es dient der Katastrophenabwehr, der Prävention und der Vorbereitung auf den Ernstfall durch Zusammenarbeit und gemeinsame Ressourcen.
Die griechische Version
Regierungsquellen in Athen reagierten jedoch überrascht und erklärten auf Nachfrage von EURACTIV, die betreffenden albanischen Feuerwehrleute würden tatsächlich bereits in der Region Alexandroupoli eingesetzt werden.
Kurze Zeit später bedankte sich Premierminister Kyriakos Mitsotakis auf der Plattform X, vormals Twitter, für die Hilfe Albaniens in dieser Angelegenheit.
„Unser Dank gilt Albanien, das 48 Feuerwehrleute und neun Fahrzeuge nach Griechenland geschickt hat, um uns bei der Bekämpfung der Waldbrände in Alexandoupoli zu unterstützen. Danke, Albanien“, schrieb er.
Auf Nachfrage von EURACTIV verwies ein albanischer Regierungssprecher auf einen Artikel auf Top Channel, der kurz zuvor veröffentlicht worden war. Darin hieß es, dass nach einem Gespräch zwischen Peleshi und seinem griechischen Amtskollegen Vassilis Kikilias nun 10 Feuerwehrfahrzeuge und 50 Feuerwehrleute in das Land geschickt werden würden.
Dem Beitrag zufolge waren sie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung jedoch noch nicht vor Ort und aktiv.
„Es wird erwartet, dass die Fahrzeuge noch vor Mitternacht den Grenzübergang Kapshtica passieren und im Gebiet von Alexandrupol eingesetzt werden, um sich an den Löscharbeiten in diesem Gebiet zu beteiligen“, hieß es. Im Laufe des Vormittags hätten zwei Löschfahrzeuge und neun Mitarbeiter versucht, die Grenze zu überqueren, seien aber zurückgewiesen worden. Dies weicht der Meldung ab, welche Peleshi am Vortag gemacht hatte.
Der Vorfall vom Mittwoch ereignete sich nach einem informellen Treffen der regionalen Staats- und Regierungschefs am Montag in Athen, zu welchem der albanische Premierminister Edi Rama nicht eingeladen worden war. Der stattdessen eingeladene albanische Präsident Bajram Begaj, dessen Rolle unpolitisch und weitgehend zeremoniell ist, lehnte die Teilnahme ab, angeblich aufgrund anderer Verpflichtungen.
Auf die offensichtliche Brüskierung angesprochen, sagte Rama gegenüber EURACTIV: „Einmal der Balkan, immer der Balkan“, eine Anspielung auf die balkanische Mentalität und Hartnäckigkeit.
Die Spannungen kochten wieder hoch, nachdem griechische Bürgermeister und Politiker an einem Protest in Himare, Südalbanien, teilgenommen hatten. Dieser richtete sich gegen die Inhaftierung des albanischen Staatsbürgers und ethnischen Griechen Fredi Beleri wegen mutmaßlichen Stimmenkaufs bei den Kommunalwahlen 2023. Beleri gewann zwar das Bürgermeisteramt, ist aber aufgrund seiner Festnahme noch nicht im Amt.
Athen drohte daraufhin damit, Albaniens EU-Beitrittsprozess zu blockieren. Es handele sich um eine Frage der Minderheitenrechte.
Brüssel seinerseits scheint Athen in diesem Fall zu unterstützen. Zu dem informellen Treffen vom Montag sagten EU-Quellen, dass bei der Erweiterung die Lösung bilateraler Streitigkeiten, insbesondere im Zusammenhang mit Minderheitenrechten, an erster Stelle stehe.
Rama besteht darauf, dass es sich um eine Frage der Rechtsstaatlichkeit handle und Athen warten müsse, bis die Gerichte ihre Arbeit beendet haben.
In einer Pressekonferenz am Mittwoch wurde Rama gefragt, ob er über die Drohungen gegen Albaniens EU-Beitritt besorgt sei. Er lehnte eine Antwort ab. Er sagte nur, er mache sich Sorgen darüber, ob das im Berg Shpirag gefundene Öl das Potenzial habe, die Wirtschaft Albaniens zu verändern.
„Ich sorge mich nur darum und um nichts Anderes“, sagte er.