Spidla will sich an Spitze der Debatte über europäisches Sozialmodell setzen [DE]

In einem exklusiven EURACTIV-Interview verteidigt EU-Beschäftigungskommissar Spidla die neu ausgerichtete Lissabon-Strategie und erklärt, er sei bereit, in der Debatte über das europäische Sozialmodell eine Führungsrolle zu übernehmen.

In einem exklusiven EURACTIV-Interview verteidigt EU-Beschäftigungskommissar Spidla die neu ausgerichtete Lissabon-Strategie und erklärt, er sei bereit, in der Debatte über das europäische Sozialmodell eine Führungsrolle zu übernehmen.

EURACTIV sprach mit Spidla über die folgenden Themen:

Sozialverantwortliche Unternehmensführung (CSR): 

  • Die Kommission arbeitet derzeit an einer neuen Mitteilung, die Ende 2005 vorgestellt werden soll.
  • Spidla bestätigt, dass die Kommission sich für dafür entschieden hat, Unternehmen dazu zu ermutigen, freiwillig CSR-Praktiken durchzuführen, anstatt ihnen bindende Vorschriften aufzuerlegen.

Beschäftigung und sozialer Zusammenhalt: 

  • Der Kommissar ist der Meinung, dass es der EU gelingen wird, Einfluss auf die Mitgliedstaaten auszuüben und sie dazu zu bewegen, mit Brüssel zusammenzuarbeiten. 

Lissabon-Strategie: 

  • Spidla weist die Kritik sozialer Nichtregierungsorganisationen an der neu ausgerichteten Lissabon-Agenda zurück. Sie ziele auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wirtschaft, sozialem Zusammenhalt und Umwelt ab und räume keiner dieser Dimensionen Vorrang ein.
  • Spidla sieht Lehren für die EU-15 aus den Erfahrungen der neuen Mitgliedstaaten: „Es ist möglich, tief greifende Reformen zu verwirklichen und nach ihrer Umsetzung in guter Form zu sein“. 

Arbeitsmarktreform und Flexibilität: 

  • „Flexibilität und Sicherheit sind keine Gegensätze“, so Spidla unter Verweis auf Dänemark und Österreich. 

Europäisches Sozialmodell: 

  • Der Kommissar glaubt daran, dass es ein europäisches Sozialmodell gibt, welches auf gemeinsame Werte, etwa Universalität und ‚aktive Eingliederung’, basiert. Das Modell selbst müsse reformiert werden, nicht aber die ihm zugrunde liegenden Werte: „Die Werte bleiben die gleichen, die Institutionen verändern sich“. 
  • Spidla sagt ebenfalls, er sei dazu bereit, sich direkt an den deutschen Bundestag und die französische Assemblée Nationale zu wenden, sollte er darum gebeten werden. 

Das vollständige Interview ist in französischer Sprache verfügbar.