Stagnation im Bio-Markt: Frankreichs grüne Bemühungen stocken
Frankreichs Bemühungen um den Ausbau des ökologischen Landbaus geraten ins Stocken. Sowohl Landwirte als auch der Einzelhandel nehmen zunehmend Distanz von Bio-Produkten, trotz hunderter Millionen Euro an Subventionen aus dem EU-Agrarhaushalt GAP sowie zusätzlicher öffentlicher Fördermittel.
Frankreichs Bemühungen um den Ausbau des ökologischen Landbaus geraten ins Stocken. Sowohl Landwirte als auch der Einzelhandel nehmen zunehmend Distanz von Bio-Produkten, trotz hunderter Millionen Euro an Subventionen aus dem EU-Agrarhaushalt GAP sowie zusätzlicher öffentlicher Fördermittel.
Obwohl Bio-Produkte rund sechs Prozent der Lebensmittelausgaben privater Haushalte ausmachen, reicht die staatliche Förderung nicht aus, um die anhaltende Krise im Sektor zu stoppen. Seit 2021 ist der Konsum deutlich rückläufig – nicht zuletzt, weil die Inflation die Lebensmittelpreise insgesamt steigen lässt. Bio-Produkte bleiben mit einem Preisaufschlag von 15 bis 35 Prozent gegenüber konventioneller Ware deutlich teurer.
Auch der Einzelhandel spürt den Rückgang: Zwischen 2020 und 2023 gingen die Verkaufszahlen von Bio-Produkten in Frankreich um zwölf Prozent zurück, wie die Stiftung Fondation Nature et Homme (FNH) in einer am 11. April veröffentlichten Studie berichtet.
Während sich spezialisierte Bio-Fachgeschäfte leicht erholen, macht die Stiftung insbesondere große Handelsketten – auf sie entfällt etwa die Hälfte des Bio-Umsatzes – für die Stagnation verantwortlich. Diese würden ihre Rolle bei der Bewerbung von Bio-Produkten nicht ausreichend wahrnehmen.
Weniger Auswahl im Handel
Aus Sicht der Stiftung ist der stagnierende Bio-Markt nicht allein eine Preisfrage. Eine Untersuchung der acht größten Lebensmittelhandelsgruppen Frankreichs, die gemeinsam rund 60 Prozent des Marktes abdecken, zeigt: Das Angebot an Bio-Produkten wurde zwischen 2022 und 2023 um sieben bis 25 Prozent reduziert.
Diese Entwicklung bestätigt auch eine Umfrage der Agence Bio. Demnach gaben 23 Prozent der Befragten mangelnde Verfügbarkeit als Hürde beim Kauf von Bio-Lebensmitteln an.
Die Coopérative U, eine der in der Fondation Nature et Homme-Studie genannten Ketten, weist den Vorwurf zurück. „Wir haben das Angebot an Bio-Produkten für unsere Kundschaft nicht reduziert“, erklärte ein Sprecher. „Das unterscheidet uns von mehreren anderen Einzelhändlern, die das Kind mit dem Bade ausgeschüttet haben.“
EU-Gelder bleiben liegen
Auch innerhalb der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette zeigt sich die Krise. Agrarministerin Annie Genevard erklärte am 15. April auf einer Veranstaltung zur künftigen Ausrichtung der europäischen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), dass von den 340 Millionen Euro, die für die Umstellung landwirtschaftlicher Flächen auf Bio vorgesehen waren, bislang nur ein Bruchteil abgerufen wurde. Im europäischen Agrarhaushalt 2023–2024 verbleibt damit ein Überschuss von 257 Millionen Euro.
Zugleich kehren immer mehr Landwirte der ökologischen Wirtschaftsweise den Rücken. Nach Angaben der Agence Bio stieg die Zahl der Rückumstellungen im Jahr 2022 um 42 Prozent.
Die Region Okzitanien, Frankreichs führende Bio-Anbauregion, versucht gegenzusteuern. Dort werden Betriebe in den ersten Jahren nach der Umstellung über die Prämie „Maintien en Agriculture Biologique“ (MAB) unterstützt.
Doch Regionallandwirtschaftschef Vincent Labarthe warnt vor einer möglichen Einstellung des Programms auf nationaler Ebene. Wo die Förderung bereits ausgelaufen sei, habe es „einen deutlichen Anstieg an Rückumstellungen bereits nach drei oder vier Jahren“ gegeben.
Etablierte Bio-Betriebe unter Druck
Selbst erfahrene Bio-Landwirte geraten zunehmend unter Druck – unter anderem wegen geringerer Erträge. Okzitanien verzeichnet zudem das niedrigste landwirtschaftliche Pro-Kopf-Einkommen im Land.
„Wir haben viel Geld in den Biolandbau investiert, aber es hat nicht gereicht, um eine krisenfeste Versorgungskette aufzubauen“, sagt Labarthe. Die europäische Agrarpolitik müsse umweltfreundlich wirtschaftende Betriebe gezielter unterstützen.
Skeptisch äußert sich Labarthe auch zu Genevards Ankündigung, überschüssige EU-Agrarmittel künftig gezielt zur Stärkung des Bio-Sektors einsetzen zu wollen: „Das sagt sie – aber das tut sie nicht.“ Seiner Einschätzung nach werde das Ministerium nur einen geringen Teil der verfügbaren Mittel tatsächlich in den ökologischen Landbau umleiten.
(de, kn)