Steak, Tofu, Insekten: EU-Abgeordnete suchen Versöhnung
Fraktionsübergreifend forderten EU-Abgeordnete die EU am Mittwoch auf, den Konflikt zwischen tierischen und pflanzlichen Proteinen hinter sich zu lassen. Während man auf einer Veranstaltung zunächst eine Annäherung von Grünen und Konservativen beobachten konnte, blieb ein gemeinsamer Schulterschluss aus.
Fraktionsübergreifend forderten EU-Abgeordnete die EU am Mittwoch auf, den Konflikt zwischen tierischen und pflanzlichen Proteinen hinter sich zu lassen. Während man auf einer Veranstaltung zunächst eine Annäherung von Grünen und Konservativen beobachten konnte, blieb ein gemeinsamer Schulterschluss aus.
Bei einer Veranstaltung im Parlament am Mittwoch stellte sich eine „ungewöhnliche Koalition“ – wie Organisator Marin Vandamme von der School of Moral Ambition es ausdrückte – hinter die Diversifizierung von Proteinquellen. EU-Abgeordneten der Grünen und Konservativen forderte die EU-Kommission zum Handeln auf.
Obwohl die Kommission eine Proteinstrategie für 2024 angekündigt hat, steht die Umsetzung noch aus.
Vandamme konnte zudem die Unterstützung von über 70 Interessengruppen entlang der gesamten Lebensmittelkette gewinnen – darunter NGOs und die Lebensmittelunternehmen Nestlé, Danone und Oatly. Sie unterzeichneten ein Positionspapier, das die Kommission auffordert, Pläne zur Förderung alternativer Proteinquellen in der EU zu starten.
Laut dem Papier werden derzeit 66 Prozent der proteinreichen Ölsaatenschrote importiert.
Überwindung der Polarisierung
Der konservative Abgeordnete Paulo do Nascimento Cabral aus Portugal rief dazu auf, pflanzliche und tierische Proteine nicht gegeneinander auszuspielen.
Er betonte zwar, dass die Viehwirtschaft, insbesondere in Regionen wie seiner Heimat, den Azoren, unverzichtbar sei. Gleichzeitig bestehe ein dringender Bedarf, den Anbau von Hülsenfrüchten und Soja auszuweiten, um Europas starke Abhängigkeit von Importen zu verringern.
„Auch Insekten können eine Chance sein“, erklärte Cabral und verriet, dass er in seinem Büro Tüten mit Grillen und Würmern aufbewahre. „Ich werde es ausprobieren!“, fügte der Abgeordnete der Europäischen Volkspartei (EVP) hinzu.
Cabral versicherte dem Publikum zudem, auf seine EVP-Fraktion „zählen zu können“. Die Fraktion, die traditionell zurückhaltend gegenüber Forderungen nach einer fleischärmeren Ernährung ist, wolle eine „freie und offene Debatte“ über pflanzliche und neue Proteinquellen – einschließlich Insekten – führen, so der Konservative noch auf der Veranstaltung.
Bei den mündlichen Zusagen blieb es allerdings.
Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, schickten im Anschluss an die Veranstaltung 24 Abgeordnete der Liberalen, Sozialdemokraten, Grünen und Linke einen Brief an Landwirtschaftskommissar Christophe Hansen. Darin forderten sie, die Diversifizierung von Proteinen in seine kommende Vision für die Zukunft der Landwirtschaft aufzunehmen.
Weder Cabral noch ein anderes EVP-Mitglied unterstützte das Schreiben.
Auch im Vorfeld der Veranstaltung wurde klar, dass es weiterhin Spannungen zwischen den traditionellen Fronten gibt. Als die grüne EU-Abgeordnete aus den Niederlanden, Anna Strolenberg, ihre Kollegen per E-Mail zu der Veranstaltung am Mittwoch einlud, erhielt sie unter anderem eine knappe Antwort: „Anna, du und dein Team, esst ein Ribeye-Steak, dann seid ihr geheilt.“
Als Vegetarierin und selbsternannte Käseliebhaberin („je stinkender, desto besser“) betonte Strolenberg auf der Veranstaltung, dass tierische und pflanzliche Proteine koexistieren können, jedoch die richtige Balance entscheidend sei.
Sie fügte hinzu, dass die EU ein regulatorisches Umfeld brauche, welches alternative Proteine wie Präzisionsfermentation fördere, anstatt zuzulassen, dass sie sich „in Singapur und den USA“ etablieren.
Die dänische Renew-Abgeordnete Sigrid Friis unterstützte ebenfalls einen ausgewogenen Ansatz. Sie sprach sich für mehr pflanzliche Lebensmittel aus, da diese eine geringere Umweltbelastung verursachen, verteidigte jedoch zugleich die Konsumfreiheit.
„Ich bin eine Liberale – ich werde niemandem das Fleischessen verbieten“, sagte sie und betonte, dass ihr Ziel sei, den Menschen Wahlfreiheit zu ermöglichen.
[ADM/MM/KN]