Stimmung kocht hoch: Streiks in Brüssel, Paris und Athen legen Städte lahm
Europas Hauptstädte werden bestreikt. In Paris werden sektorübergreifende Streiks am Donnerstag erwartet, die Protestbewegung nimmt in Frankreich an Fahrt auf. Am Mittwoch hatten Generalstreiks Belgien und Griechenland lahmgelegt.
Als Fortsetzung einer aufkommenden Protestbewegung, die durch Inflation und steigende Benzinpreise angeheizt worden ist, ruft Frankreichs größte Gewerkschaft CGT die Beschäftigten aller Wirtschaftszweige auf, sich dem Streik am Donnerstag (10. November) anzuschließen, um Lohnerhöhungen zu fordern und die Rentenreform abzulehnen. Es wird erwartet, dass die Störungen insbesondere den öffentlichen Verkehr betreffen werden.
Der Verkehr in der Region Paris wird „sehr stark gestört sein“, kündigte die staatliche Verkehrsgesellschaft RATP an und erklärte, dass es am Donnerstag „keine Metro, keine RER“ geben werde. Sieben Metrolinien werden komplett geschlossen, während die anderen nur zu Spitzenzeiten in Betrieb sein werden.
Bei den Zügen rechnet die staatliche französische Bahngesellschaft SNCF nicht damit, dass viele ihrer Mitarbeiter an dem Streik teilnehmen werden, sodass der Zugverkehr kaum beeinträchtigt werden dürfte.
Auch der Bildungssektor könnte sich dem Streik anschließen. Mehrere Städte, darunter Le Havre, haben angekündigt, dass außerschulische Aktivitäten eingeschränkt werden.
Unterdessen heißt es in einer Pressemitteilung, dass der Streik am Donnerstag auch den Gesundheitssektor betreffen könnte, da die Gesundheitsabteilung der CGT eine Streikankündigung bei Gesundheits- und Sozialeinrichtungen, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor, eingereicht hat.
Seit dem Ende des Sommers fanden wiederholt Streiks statt, um gegen die Arbeitsplatzunsicherheit zu protestieren und höhere Löhne zu fordern, während die Preise weiter steigen.
In Frankreich sind die Preise im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 6,2 Prozent gestiegen, wie aus den jüngsten Zahlen des Statistikinstituts INSEE hervorgeht. Besonders betroffen von den Preissteigerungen waren die Sektoren Energie (19,2 Prozent), Frischwaren (16,9 Prozent) und Nahrungsmittel (11,8 Prozent).
Der letzte eintägige Streik, der am 27. Oktober stattfand, hatte eine relativ geringe Beteiligung. An diesem Donnerstag rechnet die CGT-Bundessekretärin Céline Verzeletti jedoch mit „150 bis 200 Demonstrationspunkten“ in ganz Frankreich, wie BFMTV berichtet.
Streiks in Belgien und Athen
Die Streiks in Frankreich finden nur einen Tag nach dem Generalstreik auf den beiden wichtigsten belgischen Flughäfen am Mittwoch statt, der in der Hauptstadt zu erheblichen Behinderungen führte und das berüchtigte Verkehrsproblem der Stadt noch verschlimmerte.
Der Flughafen Brüssel strich 223 – das heißt 60 Prozent – der Flüge als Vorsichtsmaßnahme, während der Flughafen Charleroi komplett geschlossen wurde und 120 kommerzielle Flüge gestrichen wurden.
Auch in Athen kam am Mittwoch der Verkehr zum Erliegen. Dort gingen die Bürger:innen der griechischen Republik – geplagt von einer rekordverdächtigen Inflation – in der Hauptstadt, in Thessaloniki und in anderen Kleinstädten des Landes auf die Straße, um zu protestieren.
„Die Beteiligung der Arbeitnehmer sowohl am Streik als auch an den Kundgebungen war die größte der letzten Jahre“, sagte Dimitris Bratis, Generalsekretär des Beamtenbundes, gegenüber EURACTIV.gr und fügte hinzu: „Die Arbeitnehmer bildeten im Stadtzentrum einen einzigen Fluss der Wut und Verzweiflung.“
Nach Angaben der Polizei versammelten sich rund 16.000 Menschen in Athen. Im Anschluss an die Proteste kam es zu einigen gewalttätigen Ausschreitungen, bei denen die Polizei 10 Personen verhaftete.
Ein kürzlich veröffentlichter Bericht des Arbeitsinstituts des Griechischen Gewerkschaftsbundes (INE-GSEE) ergab, dass Mindestlohnempfänger seit April 2022 etwa 19 Prozent ihrer Kaufkraft verloren haben, während Haushalte mit einem Einkommen von 751 bis 1.100 Euro einen Rückgang von 9 bis 14 Prozent hinnehmen mussten.
In Großbritannien werden die Beschäftigten des Nationalen Gesundheitsdienstes zum ersten Mal in der Geschichte streiken, um höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen zu fordern.