Studie weist hohe Konzentration von Ewigkeitschemikalie in europäischen Weinen nach

Ein Bericht des Pesticides Action Network (PAN Europe) und anderer NGOs, der hohe Konzentrationen einer "Ewigkeitschemikalie" in Weinen aus der gesamten EU – einschließlich Bioweinen – aufdeckte, löst eine Debatte über die Ursachen der Kontamination und Beschränkungen der Substanz aus.

/ EURACTIV.com
Wine Harvest In Austria
Das Pestizid-Aktions-Netzwerk sieht einen Zusammenhang zwischen dem steigenden TFA-Gehalt in Wein und dem zunehmenden Einsatz von Pestiziden auf Basis von Ewigkeitschemikalien. [Christian Bruna/Getty Images]

Ein Bericht des Pestizid-Aktions-Netzwerks hat eine hohe Konzentration einer Chemikalie in Weinen aus der gesamten EU – auch in Bioweinen – aufgedeckt. Dies löste eine Debatte über die Ursachen der Kontamination mit Trifluoressigsäure und über Beschränkungen für diese Substanz aus.

Der Bericht von PAN Europe und weiterer NGOs ergab, dass einige Weine Trifluoressigsäure (TFA) enthielten, die 100 Mal höher war als der strengste Grenzwert für Trinkwasser in Europa.

Trifluoressigsäure gehört zur Familie der PFAS-Stoffe (Per- und Polyfluoralkyl), die wegen ihrer wasserabweisenden Eigenschaften in vielen Produkten, einschließlich Pestiziden, verwendet werden. Da sie in der Umwelt extrem langlebig sind, werden sie umgangssprachlich auch Ewigkeitschemikalien genannt und stellen eine bekannte Gesundheitsgefahr dar.

„Dies ist ein Weckruf“, sagte Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei Global 2000, einer der NGO, die ebenfalls hinter dem Bericht stehen. „TFA ist eine dauerhafte Chemikalie und wird nicht verschwinden.“

Die NGOs analysierten 49 Weine. Der Vergleich zwischen modernen Weinen und älteren Jahrgängen ergab, dass in Weinen aus der Zeit vor 1988 keine Rückstände nachgewiesen werden konnten, seit 2010 jedoch ein starker Anstieg zu verzeichnet wurde.

„Bei keinem anderen landwirtschaftlichen Produkt sind die Ernten der vergangenen Jahrzehnte so leicht verfügbar und gut erhalten“, heißt es in der Studie.

Das Pestizid-Aktions-Netzwerk sieht einen Zusammenhang zwischen dem steigenden TFA-Gehalt in Wein und dem zunehmenden Einsatz von Pestiziden auf Basis von Ewigkeitschemikalien.

Im Rampenlicht

Obwohl fast ein Viertel der österreichischen Weinberge biologisch bewirtschaftet wird, sind österreichische Weine in der Liste überrepräsentiert (18 von 49), da die NGOs mit den Tests im Land begannen, bevor sie die Reichweite der Untersuchung ausweiteten.

Der Österreichische Weinbauverband wies die Ergebnisse als „nicht aussagekräftig“ zurück und stellte die Repräsentativität der Studie in Frage.

„Wir wehren uns dagegen, dass die Weinwirtschaft aufgrund einiger weniger Analysen von Stoffen, die aufgrund von Umwelteinflüssen in vielen Produkten nachweisbar sind, in ein schlechtes Licht gerückt wird“, sagte der Verband.

Der Europäische Ausschuss der Weinunternehmen (CEEV) erklärte, die Studie habe keine repräsentativen Proben untersucht, die nach Ländern, Alter der Weine, Rebsorten sowie ökologischen und konventionellen Weinen ausgewogen waren.

„Der Bericht stellt keinen signifikanten Unterschied in den TFA-Werten zwischen konventionellem und ökologischem Wein fest“, und der Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Pestiziden und dem Vorhandensein von TFA in Weinen sei fraglich, so der CEEV.

Steigender Druck auf EU-Ebene

Der Bericht verstärkt die Forderung einiger Europaabgeordneter nach einem Verbot von PFAS-Pestiziden, die 50 Parlamentarier letzten Monat in einem Brief an die Europäische Kommission erhoben haben.

Im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments konfrontierten grüne Abgeordnete am Donnerstag Vertreter der Kommission mit dem Bericht.

„Die Weintrinker nehmen mit einem Glas Wein mehr PFAS auf, als im Trinkwasser erlaubt ist“, sagte die Abgeordnete Jutta Paulus. Der Europaabgeordnete Martin Häusling forderte, PFAS-Pestizide vom Markt zu nehmen. „Es gibt Alternativen“, sagte er.

Als Reaktion darauf schoben die Beamten der europäischen Exekutive den Schwarzen Peter den Mitgliedsstaaten zu, die sich dem Vorschlag der Kommission widersetzten, bestimmte PFAS-Pestizide nicht mehr zu erneuern. Eine Einigung wurde schließlich nur für zwei Stoffe erzielt.

Laut den Vertretern der Kommission könnte auf nationaler Ebene mehr getan werden, um PFAS-Chemikalien im Rahmen der aktuellen EU-Gesetzgebung zu begrenzen.

(adm, epd, kn)