Syrien schwächt Moskaus Präsenz im Mittelmeer
Syriens neue Führung hat ein Abkommen gekündigt, das Russland eine langfristige Militärpräsenz im Mittelmeerhafen von Tartus gewährte. Der Verlust strategischen Stützpunktes gefährdet Russlands Militärpräsenz im Mittelmeer.
Syriens neue Führung hat ein Abkommen gekündigt, das Russland eine langfristige Militärpräsenz im Mittelmeerhafen von Tartus gewährte. Der Verlust strategischen Stützpunktes gefährdet Russlands Militärpräsenz im Mittelmeer.
Der Hafen von Tartus ist Russlands einziger Marinestützpunkt außerhalb der ehemaligen Sowjetunion und ist entscheidend für die militärische Präsenz Moskaus im Mittelmeerraum. Laut dem syrischen Oppositionsmedium Shaam unter Berufung auf das Informationsministerium wurde ein Abkommen über die Präsenz der Russen vor Ort nun annulliert und die Russen müssen den Hafen verlassen.
Der 2017 ausgehandelte Deal zwischen dem ehemaligen Machthaber Baschar al-Assad und dem russischen Unternehmen Stroytransgaz verlängerte den kostenlosen Pachtvertrag für den Hafen um 49 Jahre. Mit dem Sturz des al-Assad-Regimes Ende letzten Jahres wurde auch die Präsenz Russlands im Land und damit die Zukunft des Deals hinterfragt.
Laut mehreren Medienberichten hieß es, dass die Einnahmen aus dem Hafen „nun dem syrischen Staat zugutekommen“ würden, und nicht Russland, das bisher 65 Prozent der Gewinne von Tartus erhielt. Eine Untersuchung über die Auswirkungen des Abkommens auf die Wirtschaft von Syrien steht ebenfalls im Raum.
Einige EU-Staaten hatten in der Vergangenheit versucht, die neue Führung in Damaskus zur Schließung der russischen Militärstützpunkte im Land zu bewegen.
EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas erklärte im Dezember gegenüber Reportern, dass es eine Bedingung für die Zusammenarbeit mit der neuen Führung sein sollte, den Einfluss Russlands im Land zu reduzieren.
Russland hat seit seinem Einmarsch in die Ukraine bereits einige seiner Streitkräfte von syrischen Stützpunkten abgezogen. Bis jetzt hat es seinen Luftwaffenstützpunkt Khmeimim bei Latakia am Mittelmeer und die Marinebasis in Tartus beibehalten.
Letztere ist Russlands einziger Reparatur- und Nachschubstützpunkt im Mittelmeerraum. Zugleich wurde der Stützpunkt genutzt, um Mitglieder der ehemaligen paramilitärischen Wagner-Gruppe nach und aus Afrika zu fliegen.
Da die Türkei den militärischen Zugang zur Bosporus-Straße einschränkte, war Tartus von entscheidender Bedeutung für die Stärkung der regionalen Präsenz Russlands und ermöglichte es Moskau, die Aktivitäten der NATO im Mittelmeerraum zu überwachen.
Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums sind die Präsenz und die Operationen Russlands im östlichen Mittelmeerraum nach dem Sturz von Assad stark eingeschränkt.
Berichten zufolge verblieben russische Marineschiffe aus Unsicherheit wochenlang vor der Küste Syriens.
Der militärische Geheimdienst der Ukraine (HUR) sagte Anfang dieses Monats, dass die neuen Machthaber Syriens den Schiffen die Einfahrt nach Tartus verweigerten, um russische Truppen und Ausrüstung zu evakuieren.
2015 ordnete der russische Präsident Wladimir Putin eine Militärintervention in Syrien an, um das Assad-Regime zu schützen. Nun versucht er, den Sturz Assads herunterzuspielen, um die Stellung Russlands im Land aufrecht zu halten.
Moskau hat sich noch nicht zu der Vertragsauflösung geäußert. Eine Nachfrage von Euractiv blieb bis zur Veröffentlichung des Beitrages vom russischen Außenministerium unbeantwortet.
[ATB/KN]