Tausende Russen nehmen Abschied von Putin-Kritiker Nemzow

Tausende Russen haben dem ermordeten Regierungskritiker Boris Nemzow die letzte Ehre erwiesen. Die Ermordung Nemzows belegt nach den Worten von US-Präsident Barack Obama, dass sich die Menschenrechtslage in Russland immer mehr verschlechtert.

Euractiv.de
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funeral_of_boris_nem_44447942.jpg [© dpa]

Tausende Russen haben dem ermordeten Regierungskritiker Boris Nemzow die letzte Ehre erwiesen. Die Ermordung Nemzows belegt nach den Worten von US-Präsident Barack Obama, dass sich die Menschenrechtslage in Russland immer mehr verschlechtert.

Die Trauergäste bildeten am Dienstag in Moskau vor dem offenen Sarg eine lange Schlange. Viele brachten rote Nelken in die Leichenhalle. Die Hintergründe der Tat vom Freitag liegen weiter im Dunkeln, auch wenn die Ermittler anhand von Patronenhülsen die Mordwaffe identifizierten. In Washington warnte US-Präsident Barack Obama unterdessen in einem Reuters-Interview, die Menschenrechtslage in Russland verschlechtere sich zusehends.

Berater von Präsident Waldimir Putin bekräftigten, die Regierung habe nichts mit dem Attentat zu tun. In einem Zeichen der Wertschätzung reihte sich der stellvertretende Ministerpräsident Arkadi Dworkowitsch in die Schlange der Trauernden ein. Auch der Politiker, der zu den zunehmend an den Rand gedrängten Liberalen im Kreml gehört, trug einen Strauß roter Blumen. In der Leichenhalle hingen Fotos des bekanntesten Putin-Gegners an den Wänden. Gedämpfte Musik wurde gespielt. Am Nachmittag sollte der 55-Jährige beerdigt werden.

„Er war unsere Hoffnung“, sagte eine Rentnerin. „Ich fühle mich, als hätte Putin mich an dem Tag erschossen, als er starb.“ Nemzows Freunde werfen der Regierung vor, Hass gegen Kritiker zu säen. Der Oppositionelle sei ein Opfer dieser Atmosphäre geworden. Der Menschenrechtler Lew Ponomarjow warf staatlichen Medien vor, Gegner des Kremls als Verräter zu stigmatisieren.

Bei den Trauergästen handelte es sich vor allem um Liberale, die seit dem Mord zutiefst beunruhigt sind. Sie stellen in der Bevölkerung eine Minderheit dar. Umfragen zufolge steht die Mehrheit der Russen trotz der Ukraine-Krise und der wirtschaftlichen Probleme wie dem Rubel-Verfall hinter Putin.

Obama kritisierte die Regierung in Moskau. „Die Tat spiegelt ein Klima innerhalb Russlands wider, in dem sich die Zivilgesellschaft, kritische Journalisten und Internetnutzer zunehmend bedroht und eingeschränkt fühlen“, sagte er am Montag im Weißen Haus. Die Öffentlichkeit sei bei Informationen zunehmend auf staatlich kontrollierte Medien angewiesen. Presse-, Versammlungs- und Informationsfreiheit hätten einen schlechteren Stand als vor fünf oder zehn Jahren. Das Klima, in dem der Mord an dem Oppositionellen geschehen sei, ermögliche Russland auch ein aggressives Vorgehen gegen die Ukraine.

In Moskau erklärten die Ermittler, die Aufnahmen von Überwachungskameras am Tatort in Sichtweite des Kremls würden ausgewertet. Es seien sechs Patronenhülsen sichergestellt worden, die aus einer Makarow-Pistole abgefeuert worden seien. Nemzow wurde viermal in den Rücken geschossen. Der Mord sei minuziös geplant gewesen, erklärten die Ermittler. Für Hinweise auf die Täter wurde eine Belohnung von drei Millionen Rubel (rund 43.000 Euro) ausgelobt.

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