"Team Stronach" steht vor dem Aus

Für so manche jungen Parteien in einigen europäischen Staaten sollte das aktuelle Schicksal des "Team Stronachs" in Österreich ein warnendes Beispiel sein. Wie es aussieht, könnte es in Abwandlung eines alten bekannten Filmtitels bald heißen: „Sie tanzte nur zwei Sommer“.

Euractiv.de
Frank Stronach befindet sich mit seiner Partei in einer Existenzkrise. Foto: Michael Thurm (CC BY-NC-SA 2.0)
Frank Stronach befindet sich mit seiner Partei in einer Existenzkrise. Foto: Michael Thurm (CC BY-NC-SA 2.0)

Für so manche jungen Parteien in einigen europäischen Staaten sollte das aktuelle Schicksal des „Team Stronachs“ in Österreich ein warnendes Beispiel sein. Wie es aussieht, könnte es in Abwandlung eines alten bekannten Filmtitels bald heißen: „Sie tanzte nur zwei Sommer“.

Der österreichischen Parteienlandschaft steht ein Umbruch bevor. Die erst vor etwas mehr als zwei Jahren spontan entstandene politische Bewegung „Team Stronach“ – kurz TS genannt – unter anderem mit elf Mandaten im 183-köpfigen Parlament vertreten, ist in eine höchst bedrohliche Existenzkrise geraten. Sie steht vor dem Zerfall.

Ausschlaggebend für die Krise sind vor allem die eigenartigen Befindlichkeiten des Parteigründers Frank Stronach. Im 80.Lebensjahr stehend hatte der 1932 in der Steiermark geborene, 1954 nach Kanada ausgewanderte Werkzeugmacher, der es jenseits des Atlantiks zu einem Großindustriellen der Autozulieferbranche (Magna-Konzern) brachte und die Inkarnation vom „amerikanische Traum“ verkörperte, eine Partei gegründet.

Stronach wollte mit dem Schritt seinem Frust an den erstarrten politischen Strukturen in seiner alten Heimat Ausdruck verleihen. Mit dem immer wiederkehrenden Stehsatz für „Wahrheit, Transparenz und Fairness“ zu kämpfen, warb er so vor allem dafür, dass jene Länder der EU, die den Euro nutzen, wieder zu ihren nationalen Währungen zurückkehren sollten. Und tatsächlich, der alte Herr mit dem amerikanischen Einschlag in seinem steirischen Dialekt, legte es sich nicht nur mit der herrschenden Politikerklasse und den Medien an, sondern schaffte auch wachsenden Zuspruch unter der Wählerschaft.

Nur ein kurzer Höhenflug

Fast aus dem Stand kletterte TS in den Umfragen bis auf 15 Prozent und machte so den etablierten Parteien zu schaffen. Nachdem der Versuch gescheitert war, sich das zu diesem Zeit bereits marode BZÖ, einen seinerzeitigen FPÖ-Ableger, an die finanzstarke Brust zu nehmen, wurde im September 2012 eben das „Team Stronach“ gegründet.

Die ersten Spitzenfunktionäre waren vor allem Überläufer aus der SPÖ, der ÖVP und des BZÖ. Und schon damals tauchte als Spiritus Rector an der Seite Stronachs die junge Kathrin Nachbaur auf, die ein Trainee-Programm bei Magna in Kanada absolviert hatte und schließlich zu seiner persönlichen Assistentin sowie Beraterin avanciert war. Bei den Landtagswahlen in Niederösterreich, Kärnten und Salzburg schaffte die Jung-Partei jeweils auf jeweils rund zehn Prozent der Stimmen und damit den Einzug in die Landtage. Damit aber war der Höhenflug zu Ende.

Von da an ging es kontinuierlich bergab, bei den Nationalratswahlen im Herbst 2013 wurden es gerade noch enttäuschende 5,7 Prozent. In den Umfragen liegt man heute bei einem – fast nicht mehr wahrnehmbaren – Prozent.

Die Ursache für den Abstieg sind skurrile öffentliche Auftritte des Parteigründers, sein Unwissen  über viele politische Fakten, seine Ignoranz gegenüber parlamentarischen Spielregeln, die politische Inkompetenz vieler handelnder Personen, Zerwürfnisse zwischen dem Spitzenrepräsentanten und einigen der Akteure.

Das Team um Stronach war nie wirklich eine geschlossene Mannschaft, sondern ein zusammengewürfelter Verein, oftmals frustrierter Politiker, die sich für das revanchieren wollten, was ihnen in ihrer bisherigen politischen Laufbahn widerfuhr. Zu wenig, um als eine Partei mit gesellschaftlichem Anspruch reüssieren zu können.

Austritt ohne Rücktritt schafft Tohuwabohu

Nachdem Stronach nach gerade einem Parlamentsauftritt seinen Hut genommen und Nachbaur gewissermaßen zu seiner politischen Erbin gemacht hatte, breitete sich zunehmend der Mantel des Schweigens über das TS.

Innerhalb des Parteibündnisses, so berichten Insider, gab es immer häufiger heftige Auseinandersetzungen bezüglich des weiteren politischen Kurses, Zwischenrufe von jenseits des Atlantiks und keine erkennbare führende Hand. Bis es am Wochenende zum Eklat kam, aus einem eigentlich läppischem Anlass.

Stronach, der gerade wieder einmal auf Besuch in Wien war, hörte von Medienvertreterin erstmals, dass seine politische Ziehtochter schwanger ist, aber weiterhin in der Politik bleiben will. Der offenbar, weil  nicht erstinformiert, in seiner Eitelkeit gekränkte Milliardär dekretierte einfach „Liebesentzug“ und strich Nachbaur eine jährliche Sonderapanage von 140.000 Euro. Diese konterte postwendend, dass sie aus der Partei austreten würde, aber weiterhin den Parlamentsklub führen wolle. Das Tohuwabohu war und ist unverändert perfekt. Wie es weiter gehen soll, ist ein einziges Rätselraten.

Der Anfang vom frühen Ende

Politische Beobachter rechnen jedenfalls angesichts dieses Zustandes mit einem raschen Zerfall der Partei, sind doch 50 Prozent der Funktionäre (ein organisatorisches Manko) auf der Bundesliste gar nicht Parteimitglieder. Sie schwimmen nun gewissermaßen im freien Raum, werden sich möglicherweise neu orientieren, was die TS-Wähler schon fast alle getan haben. Politikberater Thomas Hofer zieht dementsprechend ein schlichtes Resümee: „Das ist der Anfang vom erwarteten Ende“.

Viele Beobachter geben Hofer recht. Denn, eine  neue Partei zu gründen ist keine Hexerei. Um eine junge politische Bewegung aber am Leben zu halten, dazu bedarf es mehr als populistischer Sprüche. Gefragt sind unter anderem eine ideologischen Basis, sattelfeste Persönlichkeiten, ein starker innerer Zusammenhalt im Führungsteam und die nötige Ausdauer – um auch immer wieder Rückschläge verkraften zu können. Das Fehlen dieser Grundvoraussetzungen führt nun dazu, dass eine politische Sternschnuppe namens TS ein rasches Ablaufdatum zu erwarten hat.