Tschechischer Präsident Zeman distanziert sich von Putin

Wladimir Putin sollte wegen der in der Ukraine begangenen Gräueltaten vor einem internationalen Strafgerichtshof angeklagt werden, sagte Präsident Miloš Zeman. Damit bemühte er sich, seine frühere Unterstützung für den russischen Präsidenten herunterzuspielen und erklärte, dass sich "die Umstände geändert" hätten.

EURACTIV.cz
Polish President Andrzej Duda visits Czech Republic
epa09911994 Czech President Milos Zeman and Polish President Andrzej Duda (not pictured) during a meeting at the Prague Castle in Prague, Czech Republic 27 April 2022. The presidents 'talks will focus on the coordination of the two countries' assistance to Ukraine. EPA-EFE/RADEK PIETRUSZKA POLAND OUT [EPA-EFE/RADEK PIETRUSZKA]

Wladimir Putin sollte wegen der in der Ukraine begangenen Gräueltaten vor einem internationalen Strafgerichtshof angeklagt werden, sagte Präsident Miloš Zeman. Damit bemühte er sich, seine frühere Unterstützung für den russischen Präsidenten herunterzuspielen und erklärte, dass sich „die Umstände geändert“ hätten.

Putin sollte wegen des Einmarsches in der Ukraine vor Gericht gestellt werden, sagte Zeman in einem Interview mit der ukrainischen Redaktion von Radio Free Europe (RFE) am Montag (6. Juni) und fügte hinzu, Putin habe sein Land in die Isolation getrieben und dessen Entwicklung gebremst, berichtete die Tschechische Presseagentur.

In der Vergangenheit hatte Zeman sich wiederholt mit Putin getroffen und dem Kreml gegenüber eine freundliche Haltung eingenommen, in mehreren Fällen auf Kosten der tschechischen Sicherheitsdienste.

Nach der Invasion gab Zeman zu, dass er den russischen Staatschef falsch eingeschätzt habe und erklärte, der Krieg in der Ukraine habe ihn wie „eine kalte Dusche“ getroffen.

Zeman sagte, Putin habe sich zum Einmarsch in die Ukraine entschlossen, obwohl er wusste, dass dies weitreichende politische und wirtschaftliche Sanktionen gegen sein Land auslösen würde.

Zu den Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland sagte Zeman, sie würden durchaus Wirkung zeigen, obwohl er früher sich gegen Wirtschaftssanktionen ausgesprochen hatte. Der tschechische Präsident wies jedoch auf die finanziellen Reserven Russlands hin, die es dem Land dank seiner Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft ermöglichen, weiterhin Krieg zu führen.

Nach der Annektierung der ukrainischen Krim durch Russland im Jahr 2014 war Zeman einer der schärfsten Kritiker:innen der von der EU beschlossenen Sanktionen gegen Russland.

Die EU hat kürzlich ihr sechstes Sanktionspaket gegen Russland verabschiedet, darunter ein Verbot für den Großteil der russischen Ölimporte ab 2023.

Zusätzlich zu den Sanktionen solle Europa seinen Markt gegenüber der Ukraine weiter öffnen und umgekehrt, sagte Zeman weiter.

Der Präsident sagte auch, er glaube, dass sich der Konflikt in der Ukraine wahrscheinlich in einen „Zermürbungskrieg“ entwickeln werde, der zwar noch in weiter Ferne liege, aber dazu führen könne, dass man den Weg für diplomatische Gespräche frei mache.