UBA: Atom-Ausstieg bis 2017 möglich

Ohne Stromimporte von den EU-Nachbarn und zu moderaten Kosten könnte Deutschland bis 2017 aus der Atomkraft aussteigen - meint zumindest das Umweltbundesamt in einer aktuellen Studie. Europaweit sei auch kein höherer Treibhausgas-Ausstoß zu befürchten - wegen des EU-Emissionshandelssystems.

Wann wird die Erinnerung an die deutschen AKW verblassen? Foto: dpa.
Wann wird die Erinnerung an die deutschen AKW verblassen? Foto: dpa.

Ohne Stromimporte von den EU-Nachbarn und zu moderaten Kosten könnte Deutschland bis 2017 aus der Atomkraft aussteigen – meint zumindest das Umweltbundesamt in einer aktuellen Studie. Europaweit sei auch kein höherer Treibhausgas-Ausstoß zu befürchten – wegen des EU-Emissionshandelssystems.

Das Umweltbundesamt (UBA) hält einen deutschen Atom-Ausstieg bis 2017 für technisch und wirtschaftlich möglich. Das geht aus einer aktuellen Analyse des UBA (Stand: 30. Mai 2011) hervor. Der nötige Kapazitätsbedarf könne durch neue hochflexible und hocheffiziente Gas-Kraftwerke, den schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), sowie durch mehr Energieeffizienzmaßnahmen rechtzeitig gedeckt werden. Auch in Hinblick auf einen sicheren und zuverlässigen Betrieb der Übertragungsnetze gelte, dass ein vollständiger Atomausstieg ab dem Jahr 2017 realisiert werden kann. Die Bundesnetzagentur (BNA) hat jüngst vor den Folgen eines schnellen Atom-Ausstiegs für die Stromnetze gewarnt (EURACTIV.de vom 27. Mai 2011). 

"Mit diesen Vorschlägen können die Sicherheit der Bevölkerung, die Versorgungssicherheit Deutschlands und die Klimaschutzziele auch langfristig gewährleistet werden", heißt es in der Studie.

Stromimporte aus dem Ausland seien aus Gründen der Versorgungssicherheit nicht nötig, so die Experten des Umweltbundesamtes. Die aktuell gestiegenen Importe seien vornehmlich preisgetrieben. Ein vorgezogener Atomausstieg ab 2017 würde lediglich zu moderaten durchschnittlichen Strompreissteigerungen zwischen 6 und 8 Euro je Megawattstunde (0,6 und 0,8 Cent pro Kilowattstunde) bis 2030 und zu keinen nennenswerten Wachstumseinbußen führen, errechnet das UBA.

Klimaschädlicher Ausstieg? UBA setzt auf Emissionshandel

Durch den verstärkten Betrieb von Kohle- und Erdgaskraftwerken im 2017-Szenario entstehen EU-weit keine höheren Treibhausgas-Emissionen, heißt es in der Analyse. Aufgrund des EU-Emissionshandelssystems werde der erhöhte CO2-Ausstoß an anderer Stelle ausgeglichen, argumetieren die Experten. Denn: Der steigende Preis für CO2-Zertifikate schaffe andernorts zusätzliche ökonomische Anreize für Maßnahmen zur Minderung CO2-Emissionen.

Die schwarz-gelbe Koalition einigte sich am Montag darauf, bis spätestens 2022 alle 17 deutschen Atomkraftwerke stillzulegen.

awr mit EURACTIV/rtr

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Dokumente

Umweltbundesamt: Umstrukturierung der Stromversorgung in Deutschland (30. Mai 2011)

BNA: Fortschreibung des Berichts der Bundesnetzagentur zu den Auswirkungen des Kernkraftwerks-Moratorium – Zusammenfassung (27. Mai 2011)

BNA: Bericht – Auswirkungen des Kernkraftwerk-Moratoriums auf die Übertragungsnetze und die Versorgungssicherheit (11. April 2011)

UNFCCC: Übersicht zu den Ergebnissen von Cancun (10. Dezember 2010)

DEHSt: Kohlendioxidemissionen der emissionshandelspflichtigen Anlagen 2010. DEHSt veröffentlicht aktuellen VET-Bericht. (16. Mai 2011)

EU-Kommission: Klimawandel: Kommission legt Fahrplan für die Schaffung eines wettbewerbsfähigen CO2-armen Europa bis 2050 vor (8. März 2011)

EU-Kommission: Roadmap for moving to a low-carbon economy in 2050 (8. März 2011)

EU-Kommission: Climate change: Questions and Answers on a Roadmap for moving to a low carbon economy in 2050 (8. März 2011)

BMU: Entwurf der EEG-Novelle (Stand 17. Mai 2011)

BMU: Entwurf der Bewertung der "Eckpunkte des EEG-Erfahrungsberichts und der EEG-Novelle" (Mai 2011)

Bundesregierung: Entwurf zum EEG-Erfahrungsbericht 2011 (Stand 3. Mai 2011)

Bundesregierung: Energiekonzept. Neun Punkte für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung (6. September 2010)

Bundesumweltministerium: Nationaler Aktionsplan für erneuerbare Energie (4. August 2010)

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