Umfrage: EU-Lobbyisten skeptisch gegenüber Medien und Gesellschaft [DE]

Journalisten könne in den Punkten Integrität und Ehrlichkeit am wenigsten getraut werden, so die Meinung von Lobbyisten, die für das European Centre for Public Affairs (ECPA) befragt wurden. Die Umfrage ergab außerdem, dass das Parlament „positiv gegenüber der Zivilgesellschaft“ eingestellt sei und die Kommission und der Rat gegenüber Unternehmen wohlwollender eingestellt seien.

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Journalisten könne in den Punkten Integrität und Ehrlichkeit am wenigsten getraut werden, so die Meinung von Lobbyisten, die für das European Centre for Public Affairs (ECPA) befragt wurden. Die Umfrage ergab außerdem, dass das Parlament „positiv gegenüber der Zivilgesellschaft“ eingestellt sei und die Kommission und der Rat gegenüber Unternehmen wohlwollender eingestellt seien.

Die Einschätzungen der Lobbyisten bezüglich ihres Arbeitsumfeldes wurden mit Vorlage der Umfrage „The State of Public Affairs 2008“ während der jährlichen Konferenz der ECPA in Brüssel letzten Mittwoch (5. März 2008) dargelegt. 

Einschätzung des Wertes in einem schwieriger werdenden wirtschaftlichen Zusammenhang

Andrew Hawkins von ComRes, einer Agentur für Kommunikation und Forschung, legte die Umfrage vor und bestätigte, dass Berufstätige im Bereich Public Affairs grundsätzlich positiv gegenüber den Zukunftsperspektiven der Wirtschaft eingestellt seien, trotz der wirtschaftlichen Abschwächung. Die wirtschaftlichen Zeiten seien hart, der Bereich Public Affairs scheine es jedoch weniger schwer zu haben als andere Bereiche.

Dennoch fügte er hinzu, der enger werdende wirtschaftliche Zusammenhang bedeute, dass mehr vom Berufsstand erwartet würde. Es scheine, dass die Menschen sich stärker auf Bewertung konzentrierten, um die Effektivität der Gelder, die (Kunden oder Kollegen) für Aktivitäten im Bereich Public Affairs ausgeben, aufzuzeigen, bemerkte Hawkins. Er fügte hinzu, dies sei eine große Herausforderung für Lobbyisten, da die Einschätzung des Wertes von Tätigkeiten im Bereich Kommunikation und Public Affairs besonders schwierig sei. Fast 60% der Befragten sagten, sie hätten keinerlei System, um sich selbst zu bewerten.  

Parlament sei ‚der Zivilgesellschaft gegenüber stark positiv eingestellt’

Die meisten Lobbyisten bewerteten das Verhalten der Kommission positiv hinsichtlich der Unvoreingenommenheit gegenüber Gesuchen aus wirtschaftlichen oder zivilgesellschaftlichen Gruppen; 40% sagten, sie sei „vollständig unabhängig“. Die Kommission und besonders der Rat werden grundsätzlich als „leichter von der Wirtschaft zu beeinflussen“ bezeichnet (fast 30%) als das Parlament (nur zehn Prozent).

Im Gegensatz dazu sei das Europäische Parlament „leichter von der Zivilgesellschaft zu beeinflussen“, so glauben 65% der Befragten. Das Parlament werde noch immer als stark von der Zivilgesellschaft beeinflussbar gesehen, so Hawkins. Er fügte jedoch hinzu, die Zahlen müssten mit einem anderen Teil der Umfrage verglichen werden, der zeigt, dass die Lobbyisten das Parlament als die „bei weitem“ zugänglichste der drei EU-Institutionen bewerten.

Es besteht vor allem die Auffassung, dass besonders der Rat undurchsichtig und unzugänglich sei. Dieser Meinung sind 40% der Lobbyisten (die Kommission wird von 70% als „recht zugänglich“ bezeichnet, während das Parlament von 40% der Befragten als „sehr zugänglich“ gesehen wird).

Medien als legitimer, aber ‚gefährliches’ Lobbying-Instrument

In punkto Medien gehen die Einschätzungen der Lobbyisten auseinander: Einerseits stimmten fast alle (70%) überein, dass die Medien nun in höherem Ausmaß als legitimer Kanal für das Lobbying benutzt werden, als dies noch vor fünf Jahren der Fall war. Sie sind jedoch insgesamt skeptisch gegenüber deren unbeabsichtigten Nachteilen; 70% gaben an, dass die Medien als Lobbying-Instrument „gefährlich“ sein könnten, weil „man die Kontrolle über das Gesagte verlieren“ könne. 

Besonders Journalisten werden als nicht vertrauenswürdig gesehen. 75% stimmten überein, dass diese „Themen oftmals sensationalisierten, statt lediglich über die Ereignisse zu berichten“. Auf die Frage, wie sehr sie selbst Journalisten in den Punkten „Integrität und Ehrlichkeit“ trauen würden, sagten 25% „überhaupt nicht“. 

Eine Erklärung, so Hawkins, sei, dass NGOs häufiger gewillt seien, Medien einzusetzen, als Unternehmen. Die Gefahr für Unternehmen sei jedoch, dass sie ausmanövriert werden könnten, so warnte er.

Kommission und Think Tanks erhalten großes Vertrauen, Anwälte nicht

Im Gegensatz dazu waren die Gruppen, denen am meisten Vertrauen entgegen gebracht wird, Kommissionsbeamte (mehr als 30% sagten, sie vertrauten der EU-Exekutive „sehr“) und Think Tanks (ebenso fast 30%).

Ironischerweise war die Gruppe, von der gesagt wird, ihre Lobbying-Bemühungen seien am effektivsten – Anwälte – diejenige, der – nach Journalisten – am wenigsten Vertrauen entgegen gebracht wird. 25% sagten, sie vertrauten Journalisten überhaupt nicht, 15% dachten selbiges von Anwälten – eine Zahl, die im Vergleich zum Vorjahr von 25% gefallen ist.

Stärker integrativer Ansatz notwendig

Lobbyisten waren sich allerdings nahezu einig (fast 90%) darüber, dass effektive Lobbying-Bemühungen einen stärker integrativen Ansatz benötige, der viele Stakeholder, Medien eingeschlossen, einbeziehe. Eine große Mehrheit (60%) sagte, dass Unternehmen die Notwendigkeit akzeptierten, Bündnisse zu bilden und mit NGOs zusammenzuarbeiten.

Im Hinblick auf die Einschätzung des Werts der Beiträge von NGOs zum Entscheidungsprozess in der EU zeigten sich die Lobbyisten gespalten: Mehr als 45% sind sich einig, dass NGOs zu stark seien und dass ihre Einfluss vermindert werden sollte. 40% stimmten dieser Aussage jedoch nicht zu. Sie lehnten jedoch fast vollständig die Aussage ab, dass NGOs zu wenig Einfluss auf die Entscheidungsprozesse der EU-Politik hätten.

Aufstieg der sozialen Medien

Eine der herausragenden Entwicklungen, welche die Umfrage unterstrich, ist der Aufstieg der neuen sozialen Medien, wie Blogs, Wikipedia und soziale Plattformen wie beispielsweise Facebook. 40% der Lobbyisten sagten, sie nutzten diese Formen als Instrumente der Public Affairs.

Er sei besonders fasziniert von der Nutzung von Wikipedia und dessen Einfluss, sagte Hawkins diesbezüglich.