Umfrage: Ukrainische Flüchtlinge haben es schwer in der EU

Einer von drei ukrainischen Flüchtlingen fühlt sich inzwischen als Teil der Gemeinschaft des Aufnahmelandes, aber ebenso viele wollen nach Hause zurückkehren. Dies geht aus dem Bericht "Flucht aus der Ukraine" der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) hervor.

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Eine in zehn europäischen Ländern - Bulgarien, Deutschland, Estland, Italien, Polen, Rumänien, Slowakei, Spanien, Tschechien und Ungarn - durchgeführte Umfrage, bei der 14.500 Personen befragt wurden, ergab, dass ukrainische Flüchtlinge mit praktischen Problemen in den Bereichen Sprache, Wohnen, Bildung, Arbeit, Lebenshaltungskosten und Gesundheit konfrontiert sind. [[EPA-EFE/STEPHANIE LECOCQ]]

Einer von drei ukrainischen Flüchtlingen fühlt sich inzwischen als Teil der Gemeinschaft des Aufnahmelandes, aber ebenso viele wollen nach Hause zurückkehren. Dies geht aus dem Bericht „Flucht aus der Ukraine“ der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) hervor.

Die repräsentative Umfrage wurde in zehn europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, durchgeführt. Demnach sehen sich ukrainische Flüchtlinge insbesondere mit praktischen Problemen in den Bereichen Sprache, Wohnen, Bildung, Arbeit, Lebenshaltungskosten und Gesundheit konfrontiert.

„Die Aggression in der Ukraine hat die größte humanitäre Krise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst“, sagte der Direktor der FRA, Michael O’Flaherty.

„Die EU und ihre Mitgliedstaaten haben provisorische Lösungen eingeführt und die dringend benötigte Unterstützung geleistet. Da sich der Krieg weiter hinzieht, müssen wir wirksame langfristige Maßnahmen ergreifen, die es den Aufnahmegesellschaften und den Vertriebenen ermöglichen, sich an die Umwälzungen infolge dieses Krieges anzupassen“, fügte er hinzu.

Nur 10 Prozent der ukrainischen Befragten über 12 Jahren gaben an, die Sprache ihres Gastlandes fließend sprechen zu können. Obwohl 23 Prozent der Befragten an Sprachkursen teilnehmen, ist die Unkenntnis der Sprache des Aufnahmelandes nach wie vor der Hauptgrund dafür, dass Menschen ihre Ausbildung abbrechen, nicht arbeiten oder Schwierigkeiten haben, eine medizinische Versorgung zu erhalten.

Etwa 49 Prozent fühlen sich seit ihrer Ankunft im Gastland niedergeschlagen und deprimiert, während 49 Prozent der kleinen Kinder Schlaf- und/oder Konzentrationsprobleme haben. Mehr als die Hälfte der Befragten leidet seit langem an einer Krankheit oder einem Gesundheitsproblem. Zudem gab fast ein Drittel an, dass sie aufgrund der Sprachbarriere oder weil sie nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen, Schwierigkeiten haben, eine medizinische Versorgung zu erhalten.

Insgesamt 33 Prozent der Ukrainer gehen zudem keiner bezahlten Arbeit nach. Insgesamt 48 Prozent gaben allerdings an, dass ihre derzeitige Arbeitsstelle unter ihrem Bildungsniveau liege. 30 Prozent der Befragten sagten sogar, dass sie am Arbeitsplatz ausgebeutet werden würden.

Darüber hinaus gaben 33 Prozent der Frauen an, sie könnten nicht arbeiten, weil sie sich um Kinder, ältere oder kranke Familienangehörige kümmern müssten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Zugang zu Kinderbetreuung und Vorschulerziehung diesen Befragten den Eintritt in den Arbeitsmarkt ermöglichen würde.

Was die Bildung betrifft, so besuchen 59 Prozent der Kinder online eine ukrainische Schule oder lernen unabhängig mit Material oder Unterstützung aus der Ukraine. Die meisten Kinder, die in ihrem Gastland zur Schule gehen (71 Prozent), wurden in der Schule in keinem Fach in der Sprache unterrichtet, die sie zu Hause hauptsächlich sprechen.

Das Fehlen einer Privatsphäre oder eines ruhigen Ortes, an dem die Kinder lernen können, ist eine weitere Herausforderung für die Ukrainer. Obwohl 59 Prozent für ihre Wohnung bezahlen, müssen Einrichtungen wie Toilette oder Küche oft gemeinsam genutzt werden.

Weitere 35 Prozent gaben an, keine Miete zu zahlen. 18 Prozent der Befragten gaben jedoch an, dass sie im Gegenzug für ihre Wohnung Hausarbeit leisten oder sich um Kinder oder ältere Menschen kümmern.

Schließlich gaben 79 Prozent der Befragten an, dass sie Hilfe benötigen, um über die Runden zu kommen.

FRA-Direktor Michael O’Flaherty merkte an: „Die vorgesehenen Maßnahmen waren als kurzfristige Lösungen gedacht. Wir nähern uns aber schnell einem langfristigen Notstand. Dies erfordert dauerhafte Lösungen, um zumindest einen Teil der durch den Krieg vertriebenen Menschen sozioökonomisch zu integrieren.“

Trotz aller Schwierigkeiten, die die Umfrage aufzeigt, sehen fast zwei von drei ukrainischen Flüchtlingen ihre Zukunft optimistisch.

[Bearbeitet von Alice Taylor]