Ungarn bittet um EU-Hilfe bei der Dekontaminierung

Vier Tage nachdem ein Reservoir giftigen Schlammes in der Nähe einer Aluminiumfabrik in Ungarn platzte, hat sich die Regierung des Landes am 8. Oktober an den Katastrophenschutzmechanismus der EU gewandt, um Hilfe bei der Dekontaminierung und der Einhemmung der Umweltschäden zu erhalten.

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Vier Tage nachdem ein Reservoir giftigen Schlammes in der Nähe einer Aluminiumfabrik in Ungarn platzte, hat sich die Regierung des Landes am 8. Oktober an den Katastrophenschutzmechanismus der EU gewandt, um Hilfe bei der Dekontaminierung und der Einhemmung der Umweltschäden zu erhalten.

Die ungarische Regierung kündigte an, sie werde keine finanzielle Hilfe ersuchen, doch hat sie einen unmittelbaren Bedarf an drei bis fünf Experten identifiziert, die große praktische Erfahrung im Umgang mit Giftschlamm haben.

Die Europäische Kommission kündigte an, seit das Desaster am 4. Oktober stattfand, sei ihr Überwachungs- und Informationszentrum (MIC) in engem Kontakt mit den ungarischen Autoritäten gewesen, um Informationen über den Zwischenfall zu sammeln, und es sei bereit, schnell einzugreifen, wenn Ungarn um Unterstützung bitten sollte.

Das MIC hat die Bitte bereits an die 31 Länder weitergeleitet, die am Katastrophenschutzmechanismus der EU teilnehmen, und Angebote werden binnen kurzem erwartet.

Kristalina Georgieva, die EU-Kommissarin für Krisenreaktion, sagte, dass im Falle einer Umweltkatastrophe wie dieser, die Auswirkungen nicht vor nationalen Grenzen halt machten und eine europäische Reaktion die wirksamste Art sei, damit umzugehen.

In dieser Notfallsituation rief sie alle EU-Mitgliedsstaaten dazu auf, mit Großzügigkeit auf die Bitte Ungarns zu reagieren.

Hausgemachtes Desaster

Der Premierminister, Viktor Orbán, besuchte die Desasterzone und gab zu, die Katastrophe sei höchstwahrscheinlich durch menschliches Versagen verursacht worden.

Zwei Wochen zuvor habe es eine Kontrollprozedur gegeben. Der offizielle Bericht habe besagt, dass alles in Ordnung sei, doch was bedeute das konkret, fragte Orbán, als er im Fernsehen erschien, seine Stiefel mit rotem Schlamm beschmiert.

Orbán kündigte ebenfalls an, dass einige Dorfbewohner evakuiert werden und in Behausungen weit entfernt von der Desasterzone gebracht werden würden. Er habe auch reiche Ungarn im Ausland kontaktiert, um finanzielle Hilfe zu erhalten.

Weitere Gefahrenzonen in Ungarn

In der Zwischenzeit hat der WWF International davor gewarnt, dass Ungarn zwei weitere Schlammbecken habe, die ähnlich giftigen und stark alkalischen roten Schlamm durch die Verarbeitung von Bauxit enthalten. Einer befindet sich in Almásfüzit? auf dem Flussufer nur 80km stromaufwärts von Budapest und enthält 12 Millionen Tonnen Schlamm in sieben Becken, die etwa 40 Hektar (200 Morgen) bedecken.

Der kommissarische Direktor des WWF Ungarn, Gábor Figeczky, der die Desasterzone besucht hat, hat die ungarischen Behörden für ihren Umgang mit der Situation kritisiert.

Man wisse noch immer nicht, was den Unfall verursacht habe und was sich in dem Abwasser befunden habe. Und obwohl man ihnen versichere, dass der Damm inzwischen dicht sei, hätten die Autoritäten den Luftraum über der Stätte für jeglichen Verehr außer offiziellen und geschäftsinternen Flügen geschlossen.

Die EU-Richtlinie über Bergbauunfälle, die eingeführt wurde, nachdem ein großer Chemieunfall in Baia Mare in Rumänien im Jahr 2000 stattfand und in Donana in Südspanien im Jahr 1998, sollte genau diese Art Desaster verhindern, sagt der WWF.

Leider sei die Richtlinie, in deren Entwicklung der WWF maßgeblich involviert war, durch das Lobbying der Industrie stark geschwächt worden, sagte Andreas Beckmann, Leiter des Donau-Karpathen-Programmes des WWF.

Andere Donauländer stellen auch eine Bedrohung dar

In Serbien sind zahlreiche Industrieanlagen in der Nähe des Flusses angesiedelt, unter anderem auch der Pancevo-Komplex von Ölraffinerien, Düngemittel- und Vinylchloridfabriken und den dazugehörigen Lagern.

Nach den Bombardements durch die NATO im Jahr 1999 hätten Wasser- und Bodenproben die Präsenz von bemerkbaren Mengen an Merkur, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAHs), Ethylendichlorid (EDC) und anderen hochgiftigen Substanzen, unter anderem Dioxin, gezeigt, so der WWF.

Im Jahr 2006 sandte ein beschädigter Kraftstofftank in der serbischen Hafenstadt Prahavo einen 50 bis 100m langen und 300m breiten Ölteppich den Fluss bis nach Rumänien hinunter.

Beinahe 20 Dämme zur Abfalllagerung, von denen einige stillgelegt sind, doch noch Schwermetalle begraben, sind über Bulgarien verteilt.

Rumänien, Stätte eines massiven Unfalls bei der Goldverarbeitung, bei dem im Jahr 2000 zyanidverseuchtes Abwasser in Donaunebenflüsse entkam, sieht sich Protesten über eine Entscheidung der Regierung gegenüber, ein massives neues Bergbauprojekt bei Ro?ia Montan? zu genehmigen.

(Mit zusätzlicher Berichterstattung durch EURACTIV Ungarn.)