Ungarns Viktor Orban: Ich habe viel für Erdogans Sieg gebetet

In seinem Freitagsstatement mit dem regierungsnahen Sender Kossuth Rádió, zeigte sich der ungarische Premierminister Viktor Orban erfreut über den Wahlsieg des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. 

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Turkish President Recep Tayyip Erdogan visits Hungary
Das ungarisch-türkische Gipfeltreffen findet am 20. August im Karmeliterkloster (Amtssitz des Ministerpräsidenten) statt. Zu den Themen, die besprochen werden sollen, gehören Sicherheit, Fragen der Verteidigungsindustrie und Wirtschaft. [EPA-EFE/SZILARD KOSZTICSAK HUNGARY OUT]

In seinem Freitagsstatement mit dem regierungsnahen Sender Kossuth Rádió, zeigte sich der ungarische Premierminister Viktor Orban erfreut über den Wahlsieg des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Der Sieg Erdogans sei eine „große Erleichterung“, betonte Orban. „Ich habe ihn nicht nur angefeuert, ich habe speziell für den Sieg von Präsident Erdogan gebetet, ich habe viel und intensiv gebetet,“ sagte der ungarische Regierungschef.

Orban betonte, dass es eine „Tragödie“ gewesen wäre, hätte Erdogan die Wahlen vom vergangenen Sonntag nicht gewonnen. Erdogan konnte sich dort in der zweiten Wahlrunde gegen den Oppositionspolitiker Kemal Kilicdaroglu knapp durchsetzen.

Wenn er nicht gewonnen hätte, hätte der „Mann von George Soros“ in der Türkei gewonnen und er hätte die türkischen Grenzen für Flüchtlinge geöffnet, sagte Orbán. „Wir brauchten Erdogans Sieg,“ schloss er.

Orban äußerte sich in dem Interview auch zu dem Krieg in der Ukraine. Die „wirklichen“ Opfer des russisch-ukrainischen Krieges seien diejenigen, deren Familienangehörige sterben, weil die Frontlinie „weder Gott noch den Menschen verschont.“

Für Orban würde die geplante Frühjahrsoffensive der Ukraine gegen die russischen Truppen in einem Blutbad enden.

„Für ein Land, dessen Bevölkerung nur einen Bruchteil der gegnerischen Bevölkerung ausmacht, ist eine militärische Großoffensive unter diesen Umständen ein Blutbad. Wir müssen alles tun, was wir können, um die Parteien davon zu überzeugen, dass ein Waffenstillstand und Friedensgespräche notwendig sind, noch bevor eine Gegenoffensive gestartet wird“, fügte Orbán hinzu.

„Die große Mehrheit in der EU ist gegen uns, sie geht uns an die Gurgel. Es ist schwierig, der einzige Ministerpräsident zu sein, der für den Frieden eintritt,“ sagte er.

„Wenn man Ungar ist, muss man für das eintreten, was richtig ist. […] Die Wahrheit ist, dass die Ungarn es richtig gesehen haben, sie hatten Recht. Die Parteien hätten von Anfang an den Frieden anstreben sollen“, sagte Orbán. Laut ihm hätte man aus ukrainischer Sicht noch mehr erreichen können, wenn man vor dem Krieg verhandelt hätte. „Warum gab es dann überhaupt einen Krieg?“ fragte er.

Wo immer es möglich ist, sollten loyale Beziehungen zu den EU- und NATO-Ländern aufgebaut werden, da sie schließlich zur selben Gruppe gehören. Gleichzeitig sollte die ungarische Regierung aber auch für das eintreten, was richtig ist. Es ist also eine Gratwanderung, und „ich denke, das ist im Moment in Ordnung“, schloss er.

Brüssel macht weiter Wirbel

Der Ministerpräsident sprach auch über die Inflation. Ungarn hat derzeit die höchste aller Inflationsraten in der EU. Im Februar 2023 lag sie bei über 25 Prozent.

Die ungarische Regierung hofft vor allem auf die Senkung der Energiepreise durch die Eröffnung des Atomkraftwerks Paks II. Mit dem neuen Kraftwerk „könnten wir uns ‚zurücklehnen.‘ Unsere Energieanfälligkeit wäre geringer und es wäre billiger,“ so Orban.

Orban gibt zudem der ungarischen Opposition die Schuld an der Misere.

„Es gab so viel Ärger in Brüssel – auf Initiative der ungarischen Linken, denn diejenigen, die gegen das Paks-Projekt arbeiten, kommen aus Ungarn -, dass wir mit dem Zeitplan ins Hintertreffen geraten sind. In dieser Hinsicht haben wir kein Glück“. Aber Orbán sagte, dass wir handeln sollten, anstatt uns zu beschweren.

Brüssel kümmere sich nicht um die Energierechnungen ungarischer Bürger, während man gleichzeitig vorschlage, „Familien zu ruinieren und Rentner in eine unmögliche Situation zu bringen.“

Er sagte, dass die Unterstützung der ungarischen Regierung bei diesem Thema „weitreichend“ sei, denn selbst ein linker Rentner sei mit der Senkung der Versorgungskosten einverstanden, er wolle auch nicht mehr bezahlen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei EURACTIVs Medienpartner Telex.