UNO fordert rasche Lieferung „gestrandeter" russischer Düngemittel

Die Vereinten Nationen wollen Bemühungen um den Export gestrandeter russischer Düngemittel aus europäischen Häfen priorisieren und hoffen auf Fortschritte vor Ablauf der Frist für die Erneuerung des Abkommens über Getreideexporte diesen Monat.

EURACTIV.com with Reuters
Rebeca Grynspan (1)
Westliche Sanktionen gegenüber Russland richten sich zwar nicht explizit gegen russische Lebensmittel und Düngemittel, erschweren aber die Lieferungen, da sie sich auf Finanzen, Logistik und Versicherungen auswirken. [Salvatore di Nofi/EPA/EFE]

Die Vereinten Nationen wollen Bemühungen um den Export gestrandeter russischer Düngemittel aus europäischen Häfen priorisieren und hoffen auf Fortschritte vor Ablauf der Frist für die Erneuerung des Abkommens über Getreideexporte diesen Monat.

Entsprechend äußerte sich ein hochrangiger Beamter der Organisation am Donnerstag (3. November).

Moskau hatte am Mittwoch nach einer viertägigen Unterbrechung seine Teilnahme an der von den Vereinten Nationen vermittelten Schwarzmeer-Getreide-Initiative wieder aufgenommen.

Der Schritt trug dazu bei, den Druck in Bezug auf die aktuelle globale Nahrungsmittelkrise zu verringern.

Russland hat sich jedoch nicht bereit erklärt, eine Verlängerung des Abkommens über den 19. November hinaus zu unterstützen, und fordert die Vereinten Nationen auf, die Erfüllung jenes Teils des Abkommens zu unterstützen, bei dem es um die Erleichterung der russischen Lebensmittel- und Düngemittelausfuhren geht.

„Wir werden versuchen, vor Ablauf der Frist wichtige Fortschritte in dieser Richtung zu erzielen“, sagte Rebeca Grynspan, Generalsekretärin der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD), gegenüber Journalist:innen in Genf.

„Wir denken, dass wir in der Lage sein werden, den Schmerz in dieser Hinsicht zu lindern, und einer der Indikatoren für den Fortschritt wird sein, ob wir in der Lage sein werden, mithilfe des WFP [des Welternährungsprogramms] einige der Düngemittel, die in einigen europäischen Häfen gestrandet sind, zu verschiffen“, sagte sie.

Das UN-Welternährungsprogramm bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass es bereit sei, die Lieferung von zunächst 20.000 Tonnen russischem Dünger nach Malawi zu unterstützen.

Westliche Sanktionen gegenüber Russland richten sich zwar nicht explizit gegen russische Lebensmittel und Düngemittel, erschweren aber die Lieferungen, da sie sich auf Finanzen, Logistik und Versicherungen auswirken.

Der Abbau solcher Hindernisse erweise sich als „schwierig“, sagte Grynspan.

„Wir haben uns gemeinsam mit der EU, den USA und dem Vereinigten Königreich um eine Lösung dieser Probleme bemüht. Und ich glaube, dass wir Fortschritte machen, aber nicht so große, wie ich es mir wünschen würde“, sagte sie.

Sie warnte jedoch vor einer „Lebensmittelkrise“ im nächsten Jahr, wenn die Landwirt:innen nicht vor Ende der Aussaatsaison mit Düngemitteln versorgt würden.

Insgesamt zeigte sie sich zuversichtlich, was die Erneuerung des Schwarzmeerabkommens angeht, und verwies auf die breite Unterstützung, die dieses in allen Ländern genieße.

„Das gibt mir die Hoffnung, dass die Parteien verantwortungsbewusst handeln und das Abkommen verlängern und erweitern werden,“ sagte sie.

G20-Gipfel

Wenige Tage vor dem Auslaufen des von den Vereinten Nationen ausgehandelten Getreideexportabkommens wird erwartet, dass der russische Präsident Wladimir Putin am 15. und 16. November an einem G20-Gipfel auf der indonesischen Insel Bali teilnehmen wird.

Indonesien warte ab, ob Putin teilnehmen werde, sagte die indonesische Außenministerin Retno Marsudi am Donnerstag. Angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine sind die Vorbereitungen laut dem Minister besonders angespannt.

Ob Putin tatsächlich teilnimmt, könnte sich erst in letzter Minute herausstellen, erklärte sie in einem Interview mit Reuters. „Warten wir bis zum D-Day.“

Während  US-Präsident Joe Biden beim Treffen erwartet wird, kündigte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag (3. November), dass er an dem G-20 Gipfel nicht teilnehmen würde, falls Putin dabei sei.

Nach Gesprächen mit dem griechischen Präsidenten in Kyjiw erklärte Selenskyj gegenüber Journalisten, dass er vom indonesischen Präsidenten Joko Widodo zur Teilnahme an dem Gipfel eingeladen worden sei.

„Meine persönliche Position und die Position der Ukraine war, dass, wenn der Staatschef der Russischen Föderation teilnimmt, die Ukraine nicht teilnehmen wird. Wir werden sehen, wie es in Zukunft sein wird“, sagte er.

[Gearbeitet von Georgi Gotev]