Unwetter und Überschwemmungen sind ein "riesiges Problem" für den Fußball
Während Temperaturen steigen und extreme Wetterereignisse immer wahrscheinlicher werden, hat der Fußball eine neue Leidenschaft für Nachhaltigkeit entdeckt. Könnten Klimaanpassungen ins Rampenlicht des Sports rücken?
Während die Temperaturen steigen und extreme Wetterereignisse immer wahrscheinlicher werden, hat der Fußball eine neue Leidenschaft für Nachhaltigkeit entdeckt. Könnten Anpassungen an das Klima ins Rampenlicht des Sports rücken?
„Von den 92 Ligamannschaften in England müssen 23, also fast jede vierte, bis 2050 mit einer teilweisen oder vollständigen jährlichen Überflutung ihrer Stadien rechnen“, schreibt der Fußballanalyst David Goldblatt in seinem Bericht für 2020. Insgesamt seien Fußballplätze von extremen Wetterereignissen bedroht.
Die Stadt Roitzheim hat diese Lektion auf die harte Tour gelernt. Die kleine Stadt im Osten Nordrhein-Westfalens rühmte sich einst eines neuen Fußballplatzes mit Kunstrasen und träumte vom Aufstieg in eine höhere Liga.
Aber als die verheerenden Überschwemmungen die Region im Sommer 2021 verwüsteten, wurden die Träume des Vereins zunichte gemacht.
„Das Hochwasserereignis vom 14./15. Juli hat unvorstellbare Spuren hinterlassen“, schreibt der Fußballverein SC Roitzheim auf seiner Website. Der Verein habe „auf einen Schlag fast alles verloren“.

Die Verwüstung auf dem Fußballplatz des SC Roitzheim.
In Deutschland allein verursachte das Hochwasser Schäden in Höhe von insgesamt mehr als 29 Milliarden Euro. Das kam auch den Sportplätzen teuer zu stehen.
Da aber Klimaexpert:innen davor warnen, dass die Wahrscheinlichkeit extremer Wetterereignisse zunimmt, wird der SC Roitzheim wahrscheinlich nicht das letzte Opfer sein, noch muss es sich nächstes Mal wieder um ein Hochwasser handeln.
Wenn sich die Temperaturen 40° Celsius nähern, wird Fußballspielen fast unmöglich.
„Dies ist ein großes Problem, das über den Profisport hinausgeht. Wie wird es für die Fußballer an der Basis in Äquatorialafrika aussehen? Es wird unmöglich sein, tagsüber zu spielen“, so Goldblatt gegenüber Planet Football.
„Für Zuschauer und Sportler besteht die Gefahr eines hitzebedingten Kreislaufkollapses oder im Extremfall eines Sonnenstichs und Hitzschlags“, warnte Tim Meyer, Sportarzt der deutschen Nationalmannschaft.
Steigendes Bewusstsein
Der Weltfußballverband FIFA erkennt die Herausforderung, die die Anpassung an den Temperaturanstieg darstellt.
Die FIFA will „die Regeln und Aktivitäten des Fußballs so anpassen, dass sie gegenüber den aktuellen und erwarteten Auswirkungen des Klimawandels widerstandsfähiger sind“, erklärte ihr Präsident Gianni Infantino am 3. November auf der COP26 in Glasgow.
Anpassung ist eine der vier Hauptsäulen der FIFA-Klimastrategie, die es der Organisation ermöglichen soll, bis zum Jahr 2040 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Weitere sind Bildung, Investitionen und die Reduzierung von Treibhausgasemissionen.
So werden auch Fußballfans, die sich in erster Linie für ihren Lieblingsport interessieren, auf die Auswirkungen des Klimawandels aufmerksam werden, wenn dieser weiterhin betroffen ist.
Extreme Wetterereignisse können das Bewusstsein der Fußballfans schärfen. „Es ist kein Geheimnis, dass Fußball ein riesiges Instrument ist, mit dem man viele Menschen erreichen kann“, sagte Antonia Hagemann, Geschäftsführerin der europäischen Fußballfanorganisation SD Europe.
Doch obwohl das Bewusstsein für Klimathemen gestiegen ist, hat nicht jeder Fußballvorstand den gleichen Handlungsspielraum.
Die wichtigsten Empfehlungen bei hohen Temperaturen sind laut der Sportkommission des Deutschen Fußballbundes (DFB), Spiele zu vertagen oder später in den Abendstunden auszutragen, Sonnenschutz und Wasserabgaben.
Im Falle von Überschwemmungen sind jedoch oft umfangreiche Sanierungsarbeiten erforderlich. In England profitieren drei Fußball- und ein Kricketplatz von einem 54 Millionen Pfund (63,46 Millionen Euro) teuren Hochwasserschutzprogramm für die Städte Preston und South Ribble.
Für andere wird der Hochwasserschutz zu spät kommen. Für den schwer getroffenen SC Roitzheim ist klar: Der nächste Fußballplatz muss höher liegen als der alte, sagte Rainer Schütz, Vorstandsvorsitzender des Vereins, der FAZ.
[Bearbeitet von Frédéric Simon]