US-Chiphersteller Intel kündigt 33 Mrd. € Investitionen in Europa an
Die Investitionen dienen der Errichtung einer neuen Mega-Produktionsstätte in Deutschland, dem Ausbau einer bestehenden Fabrik in Irland, einem FuE- und Designzentrum in Frankreich sowie Produktions- und Forschungskapazitäten in Italien, Spanien und Polen.
Die Investitionen dienen der Errichtung einer neuen Mega-Produktionsstätte in Deutschland, dem Ausbau einer bestehenden Fabrik in Irland, einem FuE- und Designzentrum in Frankreich sowie Produktions- und Forschungskapazitäten in Italien, Spanien und Polen.
Intel-CEO Pat Gelsinger stellte den lang erwarteten Plan am Dienstag (15. März) vor und erklärte, er sei Teil einer umfassenderen Strategie, die vorsieht, in den nächsten zehn Jahren insgesamt 80 Milliarden Euro zu investieren, um die Halbleiter-Wertschöpfungskette in der EU zu stärken.
Im Februar hatte die Europäische Kommission den European Chips Act vorgelegt, einen Legislativvorschlag zur Förderung der europäischen Halbleiterkapazitäten durch eine Lockerung der Vorschriften für staatliche Beihilfen, um die Errichtung von hochmodernen Produktionsanlagen zu begünstigen, die auch als „first-of-a-kind“ bezeichnet werden.
„Der EU Chips Act wird Privatunternehmen und Regierungen in die Lage versetzen, zusammenzuarbeiten, um die Position Europas im Halbleitersektor drastisch zu verbessern“, sagte Gelsinger.
„Diese breit angelegte Initiative wird die Innovation in Europa im Bereich Forschung und Entwicklung vorantreiben und eine Spitzenproduktion in die Region bringen, die unseren Kunden und Partnern auf der ganzen Welt zugute kommt.“
Die Investition ist eine der größten, die ein privates Unternehmen in den letzten Jahren in Europa getätigt hat. Sie ist ein bedeutender Erfolg für Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Binnenmarktkommissar Thierry Breton, die sich politisch für den Chips Act stark gemacht haben.
Kritiker:innen bemängeln jedoch, dass der Chips Act nur den größten EU-Ländern nutze, die über genügend Ressourcen verfügen, um private Investitionen anzuziehen. Intels Plan zielt hauptsächlich auf große Mitgliedstaaten ab, aber die Investitionen sind auf verschiedene Länder verteilt.
Der wichtigste Teil der Investition geht nach Deutschland und fließt in zwei Fabriken, die Intel in Magdeburg als ‚first of a kind‘ bauen will. Im Sinne des Chip-Acts handelt es sich dabei um Produktionsanlagen, die den technologischen Stand Europas erheblich vorantreiben und daher in Bezug auf staatliche Beihilfen privilegiert werden.
Der deutsche Standort hat den Spitznamen „Silicon Junction“ erhalten, da er die verschiedenen Innovations- und Produktionszentren in der EU miteinander verbindet. Intel schätzt, dass dadurch 3.000 Hightech-Arbeitsplätze geschaffen werden, wobei der Spillover-Effekt auf Zulieferer und Partner noch nicht mitgerechnet ist.
Die Einrichtungen werden Intels neueste Chip-Generation produzieren und Foundry-Dienste anbieten, die Halbleiter auch für andere Unternehmen herstellen, ganz im Sinne der Vorstellung der Kommission von „Open Foundries“.
Die Bauarbeiten werden voraussichtlich 2023 beginnen, und die Fabriken sollen 2027 in Betrieb genommen werden.
„Die erste Produktionsstätte ihrer Art in der EU werde dazu beitragen, die globalen Siliziumkapazitäten wieder ins Gleichgewicht zu bringen und eine widerstandsfähigere Lieferkette zu schaffen“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz in einer Erklärung.
Das amerikanische Unternehmen wird außerdem seine Anlage in Irland mit einer Investition von 12 Milliarden Euro ausbauen, um die Produktionsfläche für fortschrittliche Chips zu verdoppeln und das Angebot an Foundry-Dienstleistungen in Europa zu stärken.
Intel verhandelt zudem mit der italienischen Regierung über die Eröffnung einer neuen Einrichtung für die Back-End-Fertigung, also für die Fertigstellung von Chips in Hochpräzisionsprozessen. Es wird erwartet, dass in dieser Einrichtung 1.500 Menschen direkt beschäftigt werden und mehr als doppelt so viele Arbeitsplätze in der Lieferkette entstehen.
Die Investition in Italien steht im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme von Tower Semiconductors, einem Foundry-Unternehmen, das eine Partnerschaft mit STMicroelectronics unterhält, einem französisch-italienischen Halbleiterhersteller mit einer Produktionsstätte in Agrate bei Mailand.
Anfang dieses Monats kündigte die Europäische Investitionsbank ein Darlehen in Höhe von 600 Millionen Euro an STMicroelectronics für FuE-Investitionen in drei Einrichtungen, darunter auch Agrate, an. Mit den Investitionen sollen Pilotanlagen eingerichtet werden. Das Konzept, wurde mit dem Chips Act eingeführt, um Einrichtungen zu definieren, die auf das Testen von Prototypen und die Skalierung von innovativen Produkten spezialisiert sind.
Da es sich bei den Fabriken in Italien und Deutschland um die ersten ihrer Art handelt, hat Intel mit den nationalen Regierungen über die Gewährung öffentlicher Subventionen verhandelt, wobei der tatsächliche Betrag nicht bekannt ist. Die Verhandlungen über die finanzielle Unterstützung sind wahrscheinlich der Hauptgrund dafür, dass Intel so viel Zeit für die Fertigstellung des Investitionsplans benötigt, der seit März 2021 in Arbeit ist.
Intel plant außerdem die Eröffnung eines Forschungs- und Entwicklungszentrums im französischen Plateau de Saclay vor den Toren von Paris, in dem bis 2025 1.000 High-Tech-Arbeitsplätze entstehen sollen. Darüber hinaus wird der Chiphersteller in Frankreich sein wichtigstes europäisches Foundry-Designzentrum eröffnen.
„Frankreich wird Intels europäisches Hauptquartier für Hochleistungsrechner und KI-Designkapazitäten werden, wovon eine breite Palette von Industriesektoren profitieren wird“, fügte Gelsinger hinzu.
In Polen ist geplant, die Laborfläche bis 2023 um 50 Prozent zu erweitern, um Halbleiterlösungen für KI-basierte tiefe neuronale Netzwerke, Audio, Grafik, Datenzentren und Cloud Computing zu entwickeln.
In Spanien will das Unternehmen seine laufende Zusammenarbeit mit dem Barcelona Supercomputing Centre ausbauen, um neue Labore für fortschrittliches Computing einzurichten.
In diesen Fällen werden die Mitgliedsstaaten wahrscheinlich die sogenannte Allgemeine Gruppenfreistellungsverordnung anwenden, die Forschungs- und Entwicklungsbeihilfen von den regulären EU-Beihilfevorschriften ausnimmt.
Es gilt als wahrscheinlich, dass weitere Projekte von anderen Halbleiterunternehmen in Vorbereitung sind.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]